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Fehlentscheidung

Der Tag beginnt müde, ich werde nur schwerlich wach nach einer gedankenschwangeren Nacht. Ein kleinerer medizinischer Notfall der älteren Tochter zwingt mich, kurz vor Unterrichtsbeginn die Schule wieder zu verlassen, um rasch und in aller Hektik die Tochter zum Arzt zu bringen.
Die Hektik ist hausgemacht, der Vertretungsplan sieht meine Kinder zwar aufgeteilt, aber gut versorgt und ich müsste mich nicht wirklich stressen.




Das Kind nun - alt genug - weilt alleine beim Arzt, während ich rasch zurück zur Schule fahre.
Dort bringe ich die Kollegin, die gerade dabei ist meine Kinder aufzuteilen in Verdruss, weil ja nun alle Kinder wieder eingesammelt werden müssen.
Meine Fehlentscheidung des Tages.

Die Kinder waren versorgt mit Material, wussten was zu tun war, waren sehr gut untergebracht und hatten sich gerade an den Gedanken gewöhnt, in der ersten Stunde in anderen Lerngruppen zu arbeiten.
Die Kollegin hatte alles bestens im Griff, die anderen Kollegen ebenfalls und nun kam ich viel schneller als erwartet zurück, nahm mich immens wichtig und verursachte damit ein Chaos.

Wir versuchten, die Kinder wieder einzusammeln, was aufwendiger war, als der Verbleib in den anderen Klassen gewesen wäre. Nun kamen sie aufgeregt zurück in die Klasse, herausgerissen aus der Arbeit, wussten gar nicht mehr so recht was los war.
Drei Kinder blieben zunächst verschollen und hatten die Rückkehr nicht mitbekommen, da so sehr in den Unterricht der anderen Klasse vertieft.

Letztlich kamen alle wieder zusammen, aber es war ein hektischer Beginn, da darinn gipfelte, dass sich erst ein Kind erbrach, dann ein zweitens mit Magenkrämpfen abgeholt werden musste.

Mitte der zweiten Stunde fanden wir erst in unseren Rhythmus zurück, kamen zur Ruhe und konnten uns auf den Tag einstellen.

In der dritten Stunde dann widmeten wir uns spontan noch einmal dem Froschkönig, malten mit Wasserfarbe und Wachsmalern und kamen dabei endgültig wieder zur Ruhe.

Letztlich ärgerte ich mich sehr darüber, durch meine selbstinitiierte Hektik alles durcheinandergebracht zu haben.
Aber solche Tage gibt es und die Kinder schließen viel eher Frieden damit als ich.

Ich versuche mich nun erneut an den Weg der Entschleunigung. Aufgeben gilt nämlich nicht!

Susanne Schäfer 18.01.2017, 17.54

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Kommentare zu diesem Beitrag

2. von Jule

Liebe Susanne,
deine Selbstreflexion finde ich sehr bewundernswert! Und ich bin dir sehr dankbar und finde es auch bewundernswert, dass du dieses hier auch teilst. Es bringt mich doch auch sehr zum Nachdenken.
Vielen Dank dafür!
Liebe Grüße und ein erholsames Wochenende!
Jule

vom 21.01.2017, 13.42
Antwort von Susanne Schäfer:

Danke, Jule, ich freue mich über Deine nette Rückmeldung.
1. von Antje

Liebe Susanne,
es ist für mich immer wieder bewundernswert, mit welch klaren Blick Du die Situationen beurteilen kannst. Ja, manchmal nehmen wir uns selbst viel zu wichtig und wollen nicht wahr haben, dass sich die Welt auch ohne uns weiter dreht. Dabei sind "unsere" Kinder tatsächlich auch in solchen Situationen gut versorgt und betreut. Manchmal sollte man sich wohl einfach zur Entschleunigung zwingen und einen Gang runter schalten. Profitieren können am Ende nämlich alle davon. In diesem Sinne, viele Grüße (leider noch vom Schreibtisch, über den Zeugnissen brütend).

vom 18.01.2017, 19.39
Antwort von Susanne Schäfer:

Viel Erfolg mit den Zeugnissen und ein schönes, erholsames Wochenende für Dich.
Du triffst es auf den Punkt: Die Welt dreht sich auch ohne uns weiter!
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Anne
Liebe Susanne, erst einmal ein großes Lob für die vielen liebevoll gestalteten Dinge. Ich möchte im neuen Schuljahr auch eine Eisbärenklasse starten. Gibt es schon Schilder für die Tafel mit den Unterrichtsstunden? LG
21.5.2017-17:17
Melanie
Liebe Susanne,
vielen Dank für deine tollen Texte, darin kann man sich wirklich stundenlang verlieren!
Am Schuljahresanfang hattest du Auf- und Einräumbilder deines Klassenraumes gepostet, mich würde mal interessieren, wie es jetzt so bei dir aussieht, nachdem darin schon eine ganze Weile gelebt wird.
Es grüßt dich ganz herzlich,
Melanie
14.5.2017-19:18
Pepe
Weil nicht sein darf, was nicht sein soll! Mutige, offene Worte. Vielen Dank dafür, Susanne. Genau so sieht es aus.
23.2.2017-16:37
Melli
Liebe Susanne, ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, um dir ganz ganz herzlich für die tolle Idee und natürlich deine süßen Materialien zum Märchentag zu danken. Wir begehen seither den "Märchenfreitag" (stundenplanbedingt) und meine Erstklässler lieben es! Gerade für meine sehr spracharmen Kinder ist es eine tolle Möglichkeit, den Wortschatz zu erweitern und sie zum Sprechen und Erzählen anzuregen. Und ähnlich wie du habe auch ich einen ungemeinen Spaß daran, jede Woche ein neues Märchen vorzubereiten und mal keine Buchstabeneinführung ö.ä. zu machen. Also lieben, lieben Dank!!!
18.2.2017-11:02
Angelika
"Menschen" wie "immer wieder" sollte man einfach ignorieren, Ernst nehmen kann man das nicht. Peinlich trifft es auch ganz gut.
15.1.2017-17:32
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Hallo Frau Schäfer, an unserer Schule gibt es
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Liebe Susanne,vieeelen Dank für diese tolle I
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Viola:
Liebe Frau Schäfer!Natürlich blutet einem irg
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Birgit:
Liebe Susanne,ich kann die Entscheidung der S
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Dennis Becker:
Zitat aus Blogbeitrag: "einem Kind einmal wöc
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:
Liebe Susanne,ich finde das klasse! Ich wünsc
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