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Thema: Gedanken

Auf demokratischer Augenhöhe

Wir sind aufgeregt.

Ganz unerwartet haben wir die Möglichkeit erhalten, während unseres Kurzurlaubs am Besuchstag einer bekannten demokratischen Schule teilzunehmen.

Nachdem unsere ersten Hospitationsbitten abgelehnt wurden, freuen wir uns nun umso mehr.

Am  Abend vorher ergehen wir uns darin, in unseren Erwartungen zu schwelgen und uns in den buntesten Farben auszumalen, was wir Innovatives, Demokratisches und Freies sehen werden.

Wir lesen uns ein und erkennen schnell die engen Grenzen unseres Vorstellungsvermögens und so lassen wir uns überraschen.

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und fahren 45 Minuten bis zur besagten Schule. Die Außenansicht des Gebäudes und Geländes ist vielversprechend, nicht vergleichbar mit unserem Schulgebäude. Eine weiße, große Villa empfängt uns. Draußen spielen einige Kinder, es gibt keine einengenden Zäune, nur ansprechendes, naturnahes Gelände.

Der erste Eindruck ist vielversprechend.

Wir wissen nicht so recht, wohin oder an wen wir uns wenden müssen und gehen zögerlich durch die Eingangstür, nur um unmittelbar darauf in einem bunten Treiben zu landen.

Neben den vielen Schuhen, die am Fuße an einer Treppe nun vor uns und in Regalen neben uns liegen, fallen uns Schülerinnen und Schüler auf, die vorbeihuschen, auf Treppen sitzen, sich etwas zurufen.

Ratlos schauen wir uns um und erfahren – sozusagen im Vorbeigehen – dass wir ganz nach oben müssen und das am besten natürlich auch schuhfrei.

So landen unsere Schuhe auf der recht strapazierten Holztreppe und wir huschen auf Socken bis in die obere Etage. Dort führt uns irgendwer in einen Raum, in  dem schon einige Besucher sitzen.

Wir erhalten einen Namensaufkleber und werden gebeten, uns einen Platz zu suchen.

Es ist laut, Kleinkinder weilen unter den Besuchern und erkunden den Raum. Unter dem großen Holztisch sitzt ein Mädchen, es mag vielleicht sechs, sieben Jahre alt sein, und singt vor sich hin.

Wir haben Zeit, den Raum anzuschauen und sehen Regale in denen einige Schulbücher stehen, einige Lexika, bekannte Verlage sind vertreten.  Weiße Magnettafeln stehen beschriftet herum, in der Ecke steht ein Sofa, das bereits bessere Zeiten gesehen hat, aber so wie es ist ausgezeichnet in diesen Raum passt.

Hier und dort liegt Kram herum, Getränke und Kekse stehen für uns Besucher bereit.

Es wird kurz hektisch, weil in den vorbereiteten Umschlägen für die Besucher ein Elternprotokoll vermutet wird, das sich aber nicht finden lässt.

Ich schaue in die vorbereiteten Unterlagen und finde nur einige Presseberichte und Infos über die Schule.

Mit der Begrüßung beginnt der Einblick in eine interessante und nicht ausschließlich fremde Schulwelt.

 

Unter den Besuchern sind viele Eltern mit ihren teilweise doch noch sehr jungen Kindern, Lehrerkollegen, Studenten und Menschen, die selbst eine eigene Schule gründen möchten.

Der erste Vater stellt sich und seine kleine Tochter vor, das „Du“ und der Vorname sind hier obligatorisch, und erklärt, seine Tochter habe für sich entschieden, der Kindergarten sei nichts für sie, deshalb müsse sie dort auch nicht hingehen, dürfe aber bald schon diese Schule besuchen.

Andere Eltern berichten davon, dass das eigene Kind im Regelschulsystem nicht zurechtgekommen und nun seit dem Herbst gar nicht mehr beschult werde.

Eine Kollegin erklärt, dass das Regelschulsystem nichts für sie sei und sie nach sechs Jahren spürt, mit dem System stimmt etwas nicht.

Das Regelsystem, so kommt es mir schnell vor, ist hier behaftet mit einer Art „Feindbild“.

Ganz bewusst entscheide ich mich dafür, bei unserer Vorstellung darauf hinzuweisen, dass wir just in diesem Regelschulsystem als Schulleitung arbeiten und uns freuen, hier sein zu dürfen.

Die Blicke der anderen ließen sich vielfältig deuten, während die Vorstellungsrunde weitergeht. Wir sind vielleicht 25 Besucher und haben eines gemeinsam: Die Neugier auf die etwas andere Schule.

Wir werden gebeten, keine Fotos zu machen und nichts mitzunehmen.

In zwei Gruppen geht es nun zur Schulführung. Der junge Mann, der uns begleitet ist charmant und wortgewandt. Er war einst selbst einige Jahre Schüler dieser Schule und arbeite nun als FSJ-ler hier, so erklärt er uns.

Er zeigt uns nun einen ersten Raum, schlicht, bestückt mit einem Sofa, einem ebenfalls stark abgenutzten Sofa und einem Regal, in dem wüst einige Bücher kreuz und quer herumliegen.

Drei Schülerinnen und Schüler sitzen mit Ipads und Handys auf dem Sofa und registrieren uns nur am Rande.

Das Regal sei so unaufgeräumt, wird uns erläutert, weil gerade umgeräumt wird. Hier stünde Literatur zur Sprachförderung. Ich sehe drei Harry Potter Bände und komme nicht dazu, mir die anderen Bücher genau anzuschauen, denn wir gehen weiter in den nächsten Raum, den „Medienraum“.

Hier stehen ein Kicker, ein Sessel, ein Regal mit einigen wenigen Gesellschaftsspielen und ein abgeschlossener Metallschrank in dem die Medien lagern:

Ipads, GoPros für die Skifreizeit und ähnliche Medien. Ein junger Schüler liegt im Sessel und spiel ein sehr lautes Spiel auf dem Ipad. Ich sehe Autos herumrasen. Er wird gebeten, den Ton auszustellen, damit wir besser verstehen, was uns erklärt wird.

Seine Motivation der Bitte zu folgen scheint gering und so höre ich nur lautes Autorasen statt der weiteren Erklärungen.

Wir werden nun durch alle Räume geführt. Es gibt einen Raum für Naturwissenschaften – in dem man Schuhe tragen sollte – der aber derzeit nicht stark frequentiert wird – so die Erläuterung.

Die Ausstattung ist minimalistisch, Material kann ich so gut wie keines entdecken. Überhaupt fallen mir die wenig gestalteten Wände und Räume auf.

Der „Lesen-Schreiben-Rechnen-Raum“ für jüngere Schüler zumindest ist „dekoriert“ mit einer alten Anlauttabelle eines bekannten Verlags. Es dominiert ein großer Holztisch – die Holztische in allen Räumen sind wunderschön, robust und trotz der enormen Abgewetztheit sehr einladend – ein leerer weißer Kaufladen steht an der Wand, in einem großen Regal findet man Lük Kästen, Logico und einige wenige Schulbücher.

Ein Besuchskind malt eine Osterei Vorlage aus, auf dem Tisch stehen Buntstifte bereit.

Der Raum wirkt auf mich wie ein arg vernachlässigter Kindergartenraum. Als Kind hier eine gewisse Lernmotivation zu entwickeln stelle ich mir schwierig vor.

Vor dem Raum liegt ein kleines Mädchen auf dem Boden und spielt mit einer zerzausten Barbiepuppe.

Insgesamt sehen wir sehr wenige Schülerinnen und Schüler, die, die wir entdecken können, sitzen oder liegen mit Handys und Ipads herum und spielen. Die Chipstüte zwischen sich, was uns angesichts der Grundregel: „Diese Schule kocht und isst bio-dynamisch und vegetarisch.“ schmunzeln lässt.

Wir sehen noch das kleine Atelier, in dem man sich kaum bewegen kann, so vollgestellt ist es mit Staffeleien, Nähmaschinen, Leinwänden und anderen Materialien.

Der Raum wird, so erklärt man uns, gerade nicht so oft benutzt, da hier immer schmutziges Geschirr mit Essensresten herumstand.

Nun sei der Raum hauptsächlich verschlossen.

Es ist eigentlich ein wunderschöner Raum, mit großen Fenstern, viel Licht. Die Fensterrahmen sind – wie in vielen anderen Räumen auch – beschmiert mit Farbe und viel Schmutz.

Die Schule wird von den Schülerinnen und Schülern eigenständig gesäubert, dafür ist das PK, das Putzkomitee zuständig und jeder Schüler, jeder Schülerin muss eine halbe Stunde in der Woche mithelfen, die Räume zu reinigen. Auf jeder Etage stehen farbig markierte Putzschränke, deren Inventar – es kommt bekannt vor – auf einem laminierten Schildchen außen aufgelistet ist.

Auch auf den Toiletten finden sich bekannte Schildchen: „Bitte spülen“ heißt es da und mir scheint, die Probleme an Schulen aller Art sind in einigen Bereichen die gleichen.

 

Ich fühle mich unwohl auf meinen Socken im Toilettenbereich und denke nicht weiter darüber nach, was nun alles an meinen Socken haften mag.

 

Wir lernen den Fingerabdruckscanner kennen, mit denen die Anwesenheitszeit erfasst wird, denn auch an dieser Schule gilt es, eine bestimmte Wochenstundenzahl in der Woche anwesend zu sein.

Der Monitor über dem Fingerabdruckscanner bleibt dunkel, ich vergesse zu fragen, wofür er bestimmt ist.

Der Musikraum unten im Keller ist winzig. Ein Schlagzeug steht auf dem dunkelvioletten Teppich, ein Keyboard, ein Rechner. Viele Verstärker stehen herum, an den Wänden Gitarren.

Man trägt sich in eine Liste ein, wenn man den Raum nutzen möchte. Ein Team betreut den Raum und ist für den Raum verantwortlich. So ist es mit allen Räumen.

Neben dem Musikraum befindet sich der Essraum, auch hier finden sich die riesengroßen Holztische wieder.

Es schließt sich eine große Küche an, in der bereits gekocht wird.

Das Mineralwasser wird gesponsert von einer großen Firma und in einem Flaschenregal liegt für jeden Schüler/jede Schülerin eine Flasche bereit. Ein dick angeketteter Edding dient der Beschriftung der Flaschen.

Auf einer Flasche ist ein überdimensionierter Penis gezeichnet. Schulalltag eben.

Türen schwingen auf und zu und knallen. Ab und zu ertönt eine Durchsage durch das Haus.

Wir dürfen nun in die freitägliche SV-Sitzung in einem großen Raum, in dem sich in der Tat dann doch einige Schülerinnen und Schüler und einige Mitarbeiter finden. Der Raum ist groß und hell, die Wände in hellblau mit weißen Wölkchen bemalt. Wir sitzen auf großen Kisten.

Drei Schülerinnen und Schüler leiten die SV, die Akustik in dem Raum ist nicht optimal, ich sitze recht weit hinten im Raum und verstehe nicht alles, was gesagt wird. An der Wand vorne sieht man die Anträge, die zur Abstimmung gelangen sollen.

Vor dem Raum sitzt ein junger Schüler, der dafür zu sorgen hat, dass es leise ist während der SV. Dieser Schüler war  - so wird uns erläutert – in der letzten SV Sitzung laut und als logische Konsequenz muss er nun heute dafür sorgen, dass es leise bleibt. Er spielt dabei auf einem stumm gestalteten Ipad.

Strafen gibt es keine an dieser Schule, nur logische Konsequenzen. Wenn du deine tägliche Supermarktzeit nicht in die entsprechende Liste einträgst, wirst Du nicht bestraft, musst allerdings mit der logischen Konsequenz leben, die diesem Regelbruch folgt und darfst eben eine Weile nicht mehr zum Supermarkt.

 

In der SV werden langsam und langwierig, demokratisch eben, die Anträge abgearbeitet. 

Der Schulleiter muss aufgrund zweimaligen Regelbruchs (Hineinrufen ohne aufzuzeigen) die SV verlassen und es wirkt so ein bisschen, als sei er ganz froh sich nun vor dem Gebäude eine rauchen zu können.

Es gibt viele Regeln an dieser Schule. Sehr viele Regeln. Die Anträge berufen sich auf alte Regeln und bitten um neue Regeln. Es wird diskutiert, gerungen, entschieden. Anträge werden zurückgezogen, kritisiert von allen Seiten beleuchtet.

Eine Mitarbeiterin kritisiert den von ihr selbst gestellten Antrag bis sie bemerkt, dass es ihr eigener Antrag war.

Der Antrag wird bis auf weiteres zurückgestellt.

Es geht darum, wer wie lange die Schaukeln nutzen kann und ich entdecke Parallelen.

Ein Schüler stellte den Antrag ein bestimmtes Spiel auf den Ipads freigeschaltet zu bekommen. Es wird hin und her diskutiert, denn das Spiel ist erst ab 12 Jahren freigegeben.

Als ein Mitarbeiter den Jungen fragt, ob er sich vorstellen kann, den Antrag zurückzuziehen, kann er sich das gut vorstellen.

Demokratie eben.

Die Struktur dieser SV ist nicht anders als an anderen Schulen. Für mich als Besucherin ist es nach einer halben Stunde wenig spannend. Aber ich habe Zeit, die Menschen zu beobachten.

Es sind wenig Schüler anwesend. 85 besuchen die Schüler, in der SV – die man besuchen kann, aber natürlich nicht besuchen muss – sitzen insgesamt an die 20 Stimmberechtigten, davon vier Mitarbeiter.

Ich frage mich wo die anderen Schülerinnen und Schüler sind, denn in den Räumen sahen wir ja auch nur wenige von ihnen.

 

Während weiter um Worte und Formulierungen gerungen wird, rutsche ich unruhig auf meiner Kiste herum und bin froh, als wir die SV verlassen dürfen und als Besucher noch einmal im Raum unter dem Dach einfinden und Zeit für Fragen haben.

Eine Mitarbeiterin, drei Schüler und eine Schülerin sind so nett und stehen für unsere Fragen zur Verfügung. Unter dem Tisch sitzt nach wie vor die junge Schülerin und singt und redet vor sich hin.

Ich esse enttäuscht einen wahrscheinlich biodynamischen Keks und harre der Fragen, die da kommen mögen.

„Was bedeutet für Euch freie Schule?“, möchte ein Besucher wissen und ein junger Mann antwortet sehr eloquent und vergleicht Begrifflichkeiten wie „selbstbestimmtes Lernen“, „eigenständiges Lernen“ und „freies Lernen“. Die Mitarbeiterin mag es philosophischer und fragt zurück: „Welche Freiheit ist denn konkret gemeint?“

Wir gehen nicht in die Tiefe, die Zeit ist knapp. Die Kollegin, die aus dem Regelschulsystem ausbrechen möchte, fragt die Schüler, was sie tun muss, damit die Schüler sie hier einstellen würden, denn an dieser Schule entscheiden die Schüler, wer hier arbeitet und wer gehen muss.

„Es muss einfach passen! Du musst das Konzept von Herzen leben!“, ist die unbestimmte Antwort.

An dieser Schule, so wird uns vorgetragen, kann jeder seine Bedürfnisse ausleben. Ein Schüler berichtet, er habe erst ein Jahr lang nur jeden Tag auf dem Sofa gelegen und gelesen, dann zwei Jahre lang nur am Ipad gespielt und dann irgendwann beschlossen, es sei Zeit zu lernen.

Ein anderer Schüler ergänzt: „Wir haben eben alle unterschiedliche Bedürfnisse. Ich zocke eben total gern und meine Mutter liest lieber. Sie lässt mich zocken und ich lasse sie lesen!“

Mir entfleucht ein sarkatisches: „Wie großzügig von ihm!“, womit ich mich direkt disqualifiziere.

Es gäbe viele Fragen, aber man erahnt die Antworten im Voraus. Es gibt viel unprofessionelle Schelte für das Regelschulsystem. Die Mitarbeiterin zieht über ihre ehemaligen Mitarbeiter her und es wird immer deutlicher, dass das Regelschulsystem hier nicht nur verkannt, sondern auch verachtet wird.

 

Ich ringe mich durch und frage nach, ob die Schülerschaft meint, sie repräsentiere an dieser Schule einen gesellschaftlichen Querschnitt.

Nein, ist die eindeutige Antwort, aber auch der Hinweis darauf, dass man das gar nicht wolle.

Meine weitere Frage nach multiprofessionellen Teams wird vage damit beantwortet, dass zwei Mitarbeiter ein Lehramtsstudium absolviert haben und es schwierig sei, andere Professionen zur Zusammenarbeit zu bewegen.

 

Es wird nach den möglichen Abschlüssen gefragt, die extern abgelegt werden müssen. Dies können sowohl der Hauptschul- als auch der Realschulabschluss sein.

 

„Und danach?“, möchte jemand wissen und wir hören die klare Aussage eines Schülers: „Ich suche jetzt einen Job, aber ich kann mir nicht vorstellen, in einem hierarchisch geführten Betrieb zu arbeiten!“

Die Mitarbeiterin ergänzt: „Keine Ahnung, was aus den Jungs und Mädchen wird. Das wissen wir doch ohnehin nie. An keiner Schule!“

 

Mir läge am Herzen zu fragen, wie Teambildungprozesse stattfinden, wie Lesen gelernt wird, wann Gemeinsames praktiziert wird, doch es folgt wieder eine Breitseite gegen die Regelschule im allgemeinen und mir vergeht ein wenig die Lust. Hier geht es gar nicht um Austausch.

Hier arbeiten und leben Menschen, die nur von sich und dem einen Konzept überzeugt sind, anderes hat keinen Bestand, so kommt es mir vor.

Die Kleinkinder toben herum, eines hat definitiv die Windel voll, eine interessierte Besucherin ist restlos begeistert, hat einen ganzen Block voller Notizen mitgeschrieben und fasst ihre Begeisterung nahezu philosophisch zusammen.

Ich bin ernüchtert und bräuchte einen Keks. Der Teller ist leer. Schade.

Bei der Verabschiedung kann ich es doch nicht lassen und merke an, dass man das eigene System nicht durch Abwertung der anderen Systeme aufwertet und ich den Eindruck erhalten hätte, dass Regelschule hier so eine Art „Feind“ sei, ohne zu wissen, was sich in anderen Schulen gerade bewegt.

Unterschiedliche Systeme, so führe ich weiter an, können doch durchaus nebeneinander Bestand haben.

Das sei eine sehr wichtige Rückmeldung, so sagt mir die Mitarbeiterin und sie gebe das auf jeden Fall an das entsprechende Komitee weiter.

 

Vor dem Haus kommen wir noch mit einem anderen Besucher ins Gespräch, einem Studenten, mit dem wir uns kurz aber konstruktiv über unsere Eindrücke austauschen.

Ich gehe mit dem guten Gefühl, an unserer Schule an der richtigen Stelle zu sein.

Vor einigen Jahren hätte ich mich nach diesem Besuch vor allen Dingen spießig und dem Establishment zugewandt gesehen. Heute bin ich froh darüber, dass es für alle Ansätze und Überzeugungen einen Platz gibt.

 

Ein wenig neidisch schaue ich auf die imposante Villa zurück und stelle mir vor, welche wunderbaren Lernorte man darin schaffen könnte.

So wie es den Gründern gelungen ist, ihre eigene Vision von Schule umzusetzen. Ich finde das bewundernswert, auch wenn meine Visionen diesbezüglich andere sind.

Wir nehmen nichts mit außer der Gewissheit, gesehen zu haben, welche Visionen nicht den unsrigen entsprechen.

Es bleibt jedoch zu erwähnen, dass die Menschen in der dieser Schule glückliche Menschen sind, visionäre Menschen, selbstbewusste Menschen.

Menschen, die für ihre Überzeugung leben und „brennen“. Nicht anders als wir, nur gänzlich anders in der Umsetzung.

 

Es war schön, das gesehen haben zu dürfen, doch nun freue ich mich sehr auf morgen. 

Auf unsere Kinder, auf unsere Lernumgebung und auf unser Team, das auch „brennt“.

Nur irgendwie, irgendwo ganz anders.

Irgendwann gelingt es uns vielleicht, voneinander zu lernen.

Das wäre mein Traum.

Susanne Schäfer 08.04.2018, 08.21 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

Der gekünstelte Aufschrei

Eine Nation ist entsetzt.
Das zumindest meint man seit Freitag, seitdem die Medien sich auf den IQB Bericht stürzen, um über das schlechte Abschneiden unserer Viertklässler in den Grundschulen zu berichten.



Meinungsmachende Menschen jeder Profession äußern sich nun überrascht und erstaunt über diese Ergebnisse.
Und - in NRW zumindest - wird unmittelbar und auf die Schnelle damit reagiert, dass man auf die mediale Rampensau aufspringt und verkündet, "der Rechtschreibunterricht an den Grundschulen solle verbindlicher werden. Die umstrittene Methode "Lesen durch Schreiben" werde begrenzt."

Immerhin könnte man sich nun darüber freuen, dass Frau Gebauer nicht die medial dauerfalsche Bezeichnung "Schreiben nach Gehör" benutzt.

Dass seit vielen Jahren zu kurz gedacht wird, das lese ich nirgendwo.

Sprechen kann ich immer nur über NRW. Hier zumindest wurde das Einschulungsalter der Kinder sukzessive herabgesetzt. Die Lehrpläne jedoch sind seit 2008 dieselben geblieben. Ein Agieren also gegen jegliche entwicklungspsychologischen Erkenntnisse.
Die Abschaffung der Vorschulklassen und der Möglichkeit, Kinder zurückzustellen (auch ohne erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen) waren und sind eine weitere Ursache dafür, dass hier im Lande bildungspolitisch nicht alles optimal läuft.

Wir überfrachten die Grundschulen mit Aufgaben und Arbeitsbereichen, die Elternhäuser heute - wenn überhaupt - nur bedingt abdecken können.
Schule ist längst zu einem Servicebetrieb verkommen, dem versagt bleibt, sich auf die Kernaufgaben zu besinnen.

Der Aufschrei der Empörung und des Entsetzens ist ein künstlicher, denn längst schon weisen Schulleitungen immer und immer wieder auf Missstände und Fehlpolitik hin.
Und das, um wohlgemerkt die Konsequenzen im Form von verbaler Schelte zu spüren.

Wenn man kritisiert, hat man in der Regel "das System nicht verstanden" oder hat ein "falsches Verständnis von unserem Schulsystem".

Unzureichend universitär ausgebildete Lehramtsstudenten gehen in das  - verkürzte - Referendariat, um dort dann mit Realitäten konfrontiert zu werden, die im besten Fall nur frustrieren und nicht zur sofortigen Aufgabe und zum Scheitern verurteilen.

Bildungspolitische Entscheidungen und Rückentscheidungen - man denke nur an die unsägliche Kopfnotendiskussion - führen zu intensiver und am Ende nutzloser Arbeit,  die wir besser in Unterrichtsentwicklung hätten inverstieren können.

Wir reformieren alles und das beständig. Ein zur Ruhe kommen, ein einfaches Arbeiten ein Fokussieren auf Wesentliches ist in den letzten Jahren nur sehr bedingt möglich gewesen.
Wenn man das einfordert, wenn man sich gegen eine reine Papierschule stemmt,  wenn man das Wort ergreift, wenn man nicht mainstream handelt, dann wird Funktionskompetenz infrage gestellt und man wird rüde angewiesen, den Erwartungen zu entsprechen.

Nun schreien wir also gekünstelt auf.

Jüngere Kinder, größere Klassen, nicht modifizierte Lehrpläne, personelle Unterversorgung, Inklusion, Integration, ein Projekteüberfluss und ein Reformirrsinn sind unsere Schulrealität.
Und darin erleben wir wunderbare Kinder, die wir nicht auf eine reine Rechtschreibleistung reduziert wissen möchten.
Ja, Rechtschreibung ist wichtig, aber das sind andere Kompetenzen auch.

Wer schreibt darüber, dass die Kinder viel selbstständiger sind als noch vor einigen Jahren? Dass sie reflektierter sind und teamfähiger? Dass sie das Lernen lernen, vielfältige Lernwege kennenlernen und es ihnen gelingt, trotz teilweise sehr suboptimaler häuslicher Bedingungen überhaupt zu lernen?

Schaut überhaupt jemand mal IN die Systeme? Geht jemand in den Unterricht, in die Klassen und beobachtet?
Erfasst jemand die Hintergründe, die Zusammenhänge und die Strukturen?

Es ist nicht damit getan, "Lesen durch Schreiben" zu begrenzen. Mir graust es bei dieser Feststellung. Wo bitte lehrt denn jemand so, wie die pauschale Medienschelte es beschreibt?
Das Rechtschreibproblem hat gänzlich andere Ursachen, aber es ist natürlich viel simpler, die breite Masse mit Schlagworten abzuspeisen und im Glauben zu lassen, damit würde alles gut.

Nichts wird gut.

Gut kann es nur dann werden, wenn Lehrpläne geprüft und modifiziert werden, die Lehrerausbildung sich qualitativ verbessert und Grundschule sich endlich wieder auf das besinnen darf, was ihre Aufgabe ist: Einen fundierten Grundstein zu legen, um Kindern eigene, differenzierte Lernwege zu eröffnen.

Wenn Schulleitungen nicht länger zugeschüttet werden mit Statistiken und Statistiken der Statistiken. Mit unzähligen Tabellen, die am besten sofort und unmittelbar mit schnöden Zahlen ausgefüllt werden müssen. Wenn Schule wieder vom Papier in die Realität gelangen darf - das wäre ein erster guter Anfang.

Wenn man uns einfach unsere Arbeit machen ließe.
Denn die machen wir gut.

Susanne Schäfer 15.10.2017, 05.24 | (57/51) Kommentare (RSS) | PL

Lehrer gegen Lehrer

Die wenig nachhaltigen bildungspolitischen Veränderungen in unserem Lande, die mangelhaft bis unzureichend
vorausgeplante Inklusion sowie die unterschiedliche Bezahlung einzelner Lehrämter führt vermehrt zu
Missgunst, Neid, Wut, Empörung und Unverständnis innerhalb der Lehrerschaft.
Das ist zumindest das, was ich in diversen Foren, Facebookgruppen und Newsgroup seit längerer Zeit beobachten kann.

Nun mag das sicherlich nicht repräsentativ sein, was ich lese und dadurch beobachte, aber es bereitet mir Sorgen, denn die Emotionalität verhindert eine sachliche Diskussion, trägt nicht zur eigenen Zufriedenheit bei und führt zu wenig konstruktiven Lösungsansätzen.

Als Beispiel versuche ich anhand des Themas Inklusion zu beleuchten, was mir aufgefallen ist und nach wie vor vermehrt auffällt.





Es scheint, als durchliefen wir Lehrer unterschiedliche Phasen, was den Umgang mit der Inklusion angeht.
Ich möchte die erste Phase einfach mal plakativ "das Tal des Jammerns" nennen.
Eine Phase, die ich ebenso durchlaufen habe wie die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen.

Empörung darüber, was wir als Grundschullehrer noch alles leisten sollen.
Angst davor, keinem Kind mehr gerecht werden zu können.
Unverständnis darüber, dass wir mit einem Mal die Arbeit der gut ausgebildeten Sonderpädagogen mitübernehmen sollen.
Wut darüber, dass die Politik sich derart an Kindern mit ausgewiesenen Förderschwerpunkten vergeht.

Eine sehr emotionale Phase, die zunächst wenig Spielraum für Reflexionen und das Überdenken von alternativen Möglichkeiten zulässt.

Es folgt häufig die Phase des "blinden Aktionismus".
Gehetzt und verfolgt von dem Gedanken "ich muss aber" arbeiten wir hektisch daran, allen Kindern gerecht zu werden, schreiben bis tief in die Nacht Förderpläne, erstellen Unterrichtsmaterialien, lesen uns hier ein und dort ein und sehen doch kein Land.
Wir telefonieren hinter Hinz und Kunz hinterher, durchblättern unzählige Handbücher und Ratgeber und fühlen uns verloren und allein gelassen.
Wir arbeiten uns aus dem Leben, sind frustriert und müde und erkennen,  dass wir nicht leisten können, was uns - so scheint es - auferlegt wird.
Dies führt unweigerlich zum Rückfall in "das Tal des Jammerns" und zwar immer wieder und sehr regelmäßig.
Natürlich ist das so, denn ich werde auf dieser Art und Weise weder den Kindern, noch mir selbst gerecht.
Ich bin zum Scheitern verurteilt.

Dies zu erkennen ist mitunter schwierig, denn die meisten Kolleginnen und Kollegen arbeiten mit sehr viel Herzblut und enormen Engagement. Sie fühlen sich schlecht, wenn sie hinter ihren eigenen Erwartungen und denen anderer zurückbleiben.
Das ist der Zeitpunkt, an dem Schulleitung unbedingt einschreiten muss und "die Reißleine ziehen muss".

Den blinden Aktionismus zu stoppen ist meines Erachtens nach die wichtigste Phase. Einigen gelingt das allein, andere benötigen den Rückhalt der Schulleitung. Verdient haben alle diesen Rückhalt.

Denn:

Ich bin Grundschullehrerin.
Ich habe keine Ausbildung als Sonderpädagogin.
Ich kann die Arbeit eines ausgebildeten Sonderpädagogen nicht leisten.
Ich muss all das, was ich mir selbst auferlege nicht leisten.
Ich muss für mich akzeptieren, dass ich lediglich innerhalb bestimmter - meist nicht beeinflussbarer - Rahmenbedingungen agieren kann.
So gut es mir durch meine Ausbildung möglich ist.
Ich muss meine Wut ablegen, weil sie mich hindert nach anderen Wegen und Möglichkeiten Ausschau zu halten.
Ich muss meine eigenen Grenzen erkennen und akzeptieren.

Schulleitung hat die weitere Aufgabe an entsprechenden Stellen zu kommunizieren, was möglich ist und was eben nicht.
Das ist den Kolleginnen und Kollegen nicht in derselben Weise möglich wie uns als Schulleitung, also müssen wir Schulleiter aufstehen, unbequem werden und Rückgrat zeigen.
Wir müssen transparent machen, welch ein Vergehen an den Kindern stattfindet und unser Team schützen und stärken.

Erst im weiteren Schritt ist es möglich, in die Phase des "Umdenkens und  Handelns" einzutreten.

Als Team kann man nun, wenn man die emotionalen Phasen durchlaufen hat, gemeinsam schauen, welche kleinen bis großen Veränderungen sind uns möglich, die helfen, Kindern gerechter zu werden.
Was kann am Unterricht geändert werden, am Zeitmanagement, an der Notengebung?
Wie gehen wir mit Lehrwerken um, mit Vergleichsarbeiten mit Zeitfressern wie diversen zu schreibenden Plänen, die niemandem nutzen?

Wir können anfangen im Kleinen, im eigenen System Dinge zu verändern, die den Kindern und uns entgegenkommen.
Wir haben nun die Möglichkeit, offen und unemotional über den Tellerrand zu schauen und nach neuen Wegen für uns und unsere Schule zu suchen.

Natürlich ist uns dabei stets bewusst, dass wir nie ein Optimum erreichen werden.
Doch statt weiterhin an den falschen Stellen darüber zu wüten, richten wir Appelle an die richtigen Stellen und entwickeln unsere Schule dennoch weiter.

Ganz viele Schulen sind mittlerweile an diesem Punkt angekommen. Natürlich gibt es Rückfälle in "das Tal des Jammerns", aber zu wissen, dass Wut blockiert hilft, sie abzustreifen.

Nun geschieht - und das verblüfft mich immer wieder - folgendes im Netz.
Kolleginnen und Kollegen beschreiben ihren Weg oder den Weg ihrer Schule mit Inklusion umzugehen und werden von anderen Kollegen - die sich nach wie vor in der ersten von mir beschriebenen Phase befinden - angegriffen.
Man wirft den Schulen und Kollegen "das Schönreden der Inklusion vor", man fragt wiederholt nach, "ob denn das Beste für jedes Kind machbar ist?" und man prangert nach wie vor an, was man an anderer Stelle anbringen muss: Das Problem der fehlenden Ressourcen.
Dabei wird unterstellt, dass Teams, die sich auf den Weg machen und die ersten beschriebenen Phasen erfolgreich hinter sich lassen konnten, unkritisch mit dem Iststand der Inklusion umgehen.
Das empfinde ich als zu kurzsichtig.
Nur, weil man sich konzeptionell neu orientiert, um für sich und das eigene kleine System neue Möglichkeiten zu schaffen, heißt das nicht, dass man unkritisch alles hinnimmt, was die Politik einem vorsetzt.
Dieser Vorwurf ist in vielen Fällen unberechtigt und haltlos.

Es ist die Wut, in die man nach wie vor verfangen ist, die einem Reflexion und Wege verschließt und die letztlich manchmal an ganz falscher Stelle landet.

Das ist bedauerlich. Sich auf neue Wege zu begeben bedeutet nicht, ganz klar zu kommunizieren, dass Inklusion so, wie sie hier derzeit gelebt wird, immer auf Kosten von Kindern und Kollegen geht.

ABER uns bleibt immer die Möglichkeit das Beste aus einer unschönen Situation herauszuholen.
Gemeinsam.
Im Team.
Nicht unkritisch, im Gegenteil.

Inklusion darf nicht dazu führen, dass Lehrer sich gegen Lehrer wenden.
Wenn wir anfangen, uns gegenseitig Dinge zu unterstellen, die nicht der Wahrheit entsprechen, untergraben wir unsere eigenen Möglichkeiten und werden nicht weiterkommen.

Wut ist nie ein guter Ratgeber!

Wir können nur etwas bewirken, wenn wir die Debatte versachlichen und uns auf das besinnen, was wir können.
Wir können nicht die Professionen anderer Lehrämter übernehmen.
Von meinem Zahnarzt erwarte ich nicht, dass er abends rasch ein Handbuch liest und mir am nächsten Morgen die Gallenblase entfernt.

Von mir erwarte ich auch nicht, dass ich mir die Kompetenzen einer Sonderpädagogin autodidaktisch aneigne.
Aber ich erwarte von mir, dass ich mit dem, was ich habe, das Bestmögliche für die eigene Schule, die Kinder und das Team bewirke und lerne, mich damit zufriedenzugeben, dass mehr als mein Bestes geben nicht geht.

Und politische Kämpfe führe ich an anderer Stelle.
Unbequem, kritisch und ausdauernd.

Wir haben mit all den engagierten Lehrerinnen und Lehrern um uns herum "Schwein gehabt" und das ist es, was mehr gewürdigt werden muss.
Von vielen Seiten!

Susanne Schäfer 27.08.2017, 08.46 | (8/0) Kommentare (RSS) | PL

Die Sache mit der Motivation....

Das Kind an sich, so las ich des öfteren, ist grundsätzlich intrinsisch motiviert. Liest man genauer nach in entwicklungspsychologischen Werken so ist häufig zu entdecken, dass die Leistungsmotivation in der soziostrukturellen Umwelt erlernt wird.
Das ist zunächst einmal das Elternhaus, später eventuell der Kindergarten und letztlich u.a. auch die Schule.




Und wir, wir haben natürlich Ziele in der Schule. Lehrpläne mit Kompetenzerwartungen, VERA Arbeiten in Klasse 3 und Eltern, die sich grundsätzlich - und das ist ja auch richtig so - das Beste für ihr Kind wünschen.

Und dann sitzen Kinder in unseren Klassen, die viel lieber all ihre Wachsmalstifte anspitzen und fasziniert von der Tatsache sind, dass das überhaupt möglich ist.
Kinder, die lieber Herzen in Mathebücher malen als Ziffern nachzuspuren und Kinder, die sich Schule und Lernen ganz anders vorstellen, als wir es ihnen anbieten.

Nicht zu vergessen jene Kinder, die lieber einfach gar nichts tun.

Und nun müssen wir einen Weg finden, genau diese Kinder zu erreichen, weil unsere Erwartungshaltung zu nichts weiter führt als Frust auf unserer Seite und Druck auf Seiten der Kinder.
Natürlich kann ich erwarten, dass ein Kind mir zuhört, aufpasst, meine Lernangebote annimmt, motiviert ist und reagiert, wie ich es mir wünsche.
Erwartungen jedoch führen - nicht nur schulischerseits - häufig zu Ernüchterungen. Denn manchmal wissen Menschen einfach gar nicht, was und warum wir Dinge und Reaktionen von ihnen erwarten. Vielleicht ist Unterricht - ich rede nun von meinem und kann das nicht verallgemeinern - nach wie vor noch nicht zieltransparent genug. Vielleicht brauche ich einfach mehr Geduld, mehr Gelassenheit, mehr Vertrauen in die unterschiedlichen Lernwege.

Andererseits möchte ich Kinder auch fordern, herausfordern und zur Selbsttätigkeit animieren.
Und manchmal scheitern all diese Ansprüche an der Realität.
Und ich gebe mich geschlagen und lasse das Kind zunächst anspitzen, in der Hoffnung, dass es anschließend in die Arbeit findet.
Mag sein, das Anspitzen jedoch ist schon die Arbeit des Kindes - es kommt immer auf die Perspektive an.

Der Balanceakt ist mühsam. Kinder im eigenen Lerntempo lernen zu lassen steht manchmal der Haltung des Kindes gegenüber, es darf allein und immer entscheiden was es tut und wann es tut.
"Vom Lehrer zum Coach" las ich bereits vor vielen Jahren, aber es ist heute aktueller denn je.

Den eigenen Weg zu finden, als Lehrer zwischen all den Erwartungen, die uns entgegengebracht werden, ist nicht immer leicht.

Ganz aktuell gehen mir hin und wieder die Ideen aus, wie ich das ein oder andere Kind noch erreichen und motivieren kann. Mir ist bewusst, dass das nicht an den Kindern, sondern meiner Einstellung und Haltung liegt.

"Gehen Sie kreativ mit der Situation um!", riet man mir schon des öfteren und ließ mich ratlos zurück. Kein noch so schlaues Buch, kein noch so umfangreiches Lehrerhandbuch, keine noch so wunderbare Materialsammlung hat mir bislang kreative Lösungen gezeigt. Aber der Rat lautete ja auch, ICH solle kreativ werden, nicht die anderen.....

Ich muss diese Form der Kreativität dringend lernen.
Sie ist mir noch nirgends begegnet. Am seltensten in Fortbildungen und Büchern.

Susanne Schäfer 01.02.2017, 16.30 | (11/11) Kommentare (RSS) | PL

Das vergessene Lob

Die Gespräche des Kindersprechtages verliefen konstruktiv und für uns mit dem ein oder anderen Augenöffner. Natürlich ging uns das Herz auf, als Kinder freimütig und von Herzen Dinge des Schulalltags, Lehrer und Abläufe lobten.



Loben - etwas das zu schnell verloren geht in der Hektik des Alltags. Es sind die Eltern, die sich beschweren möchten, die zu uns ins Büro stürmen, etwas auf dem Herzen haben, unzufrieden sind, sich unverstanden fühlen.
Selten stürmt jemand das Büro, um uns zu loben oder zu sagen, wie gut wir unsere Arbeit machen und dennoch machen wir - voller Einsatzbereitschaft und herzlich gerne - weiter.

Ganz zu schweigen davon, dass ein Lob von der Schulaufsicht kommt, von "oben", von anderen Seiten.
Ich nehme an, das ist in anderen  Berufen ganz ähnlich, dass man häufig auf mangelnde Wertschätzung trifft, sich nicht anerkannt fühlt oder es einfach mal an einem spontanen Lob mangelt.

Dabei motiviert ein Lob, beflügelt, macht uns stark und gibt es Kraft.
So oft, wie wir es bei den Kindern handhaben, so selten loben wir uns.
Oder anders gesagt, habe ich mich gefragt, wann ich das Team oder einzelne Kollegen zuletzt bewusst gelobt habe.
Lasse ich mich auch einbinden in den Alltagstrubel und verliere den Blick und die Wertschätzung für das, was jeder einzelne an unserer Schule tagtäglich leistet?

Wahrscheinlich.
Viel zu selten finde ich anerkennende Worte für Kolleginnen und Kollegen und Schuld ist nicht der Schulalltag, sondern Nachlässigkeit. Ein Lächeln und anerkennende Worte kosten weder Mühe, noch Geld, noch Zeit.

Das, was tagtäglich in allen Schulen geschieht ist mindestens ein dickes Lob wert. Der Einsatz der Kolleginnen und Kollegen, das stete Suchen nach neuen Möglichkeiten, Kinder zu fördern und zu fordern, das Meistern des nicht immer einfachen Schulalltags, die gegenseitige Hilfe und das Verfolgen der gemeinsamen Ziele.

Ein Lob und ein Danke.
Und es sollte mir im Schultrubel nicht unter gehen.
Ich arbeite daran.
Immer wieder neu.

Susanne Schäfer 29.01.2017, 09.33 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Ermüdender Perfektionismus

"Fehler", so erkläre ich den Kindern immer wieder "macht jeder und jeder darf sie machen. Sie helfen uns, zu lernen und sind überhaupt nichts Schlimmes!"
So weit die Theorie.



Während mich die Fehler, die andere Menschen hin und wieder begehen, so gar nicht tangieren, stolpere ich nach wie vor über meine eigenen und es gibt Tage, an denen ärgere ich mich dann maßlos.
Diese Tage werden zum Glück seltener und ich gestehe auch mir schon hin und wieder zu, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.

Der heutige Fehler jedenfalls lehrt mich: "Ich brauche eine Pause."
Und die nehme ich mir genau jetzt.

Susanne Schäfer 19.01.2017, 18.55 | (6/6) Kommentare (RSS) | PL

Kinder

Vor etlichen Jahren teilte mir ein damaliger Vorgesetzter einmal mit, ich müsse dringend meine Sprache überdenken.
Es ging darum, dass ich  - in einem dienstlichen Gespräch - die Schülerinnen und Schüler als "Kinder" bezeichnet hatte.





Heute fiel mir die - eigentlich längst vergessene - Situation wieder ein, als wir unseren "Kindersprechtag" - Aushang an die Tür hängten. Mangelnde Wertschätzung, aber auch mangelnde Distanz warf man mir damals vor und - so erklärte man mir wortreich - ich habe grundsätzlich und immer und vor allem ausschließlich von Schülerinnen und Schülern zu sprechen. Das versachliche das Gespräch und drücke mehr Wertschätzung gegenüber jenen Schülerinnen und Schülern aus.
Zudem wären die Rollen somit klarer definiert.

Jahrelang habe ich folgsam und sorgfältig darauf geachtet, den Begriff "Kinder" nicht mehr zu nutzen und mich wirklich bemüht, von Schülerinnen und Schülern zu sprechen. So, wie ich es in dienstlichen Dokumenten nach wie vor halte.

Irgendwann einmal fiel mir dann jedoch auf, dass der Begriff "Kinder" ein ganz wesentlicher ist in unserem beruflichen Bereich und für mich persönlich nicht derart abwertend, distanzlos und rollenunklar ist, wie seinerzeit für meinen Vorgesetzten.
Es hat lange gebraucht, ehe ich mich von den mir vorgesetzten Ansichten befreien konnte - übrigens ein wie ich finde durchaus typisches Phänomen in unserem Beruf - und heute plädiere ich ganz bewusst für den Begriff  "Kinder".

Vielleicht machen wir uns nämlich viel zu selten klar, wem wir da morgens begegnen. Natürlich sind die Kinder unsere Schülerinnen  und Schüler, aber eben diese sind eben entwicklungspsychologisch betrachtet "Kinder" und wir sprechen bewusst von "Kindheit" und nicht grundsätzlich von "Schulzeit". Kinder, die eben nicht dem Abbild von uns Erwachsenen entsprechen, die wie Kinder denken, fühlen und handeln.
Ich kann ein Kind kaum mehr wertschätzen, als dass ich es in seiner Kindlichkeit so annehme, wie es ist.

Denn nur dann sehe ich den Menschen ja als Ganzen und nicht selektiv in seiner Rolle als Schulkind. Ich glaube, wir müssen wieder lernen, mehr das Kind in den Blick zu nehmen und weniger den Schüler und die Schülerin, um unseren Kindern gerecht werden zu können.

Das Kind ist weitaus mehr als der Schüler am Morgen und weitaus mehr bringt es auch mit in die Schule.
Und ich möchte das wahrnehmen und sehen als Lehrerin, nicht, um weniger wertzuschätzen, sondern um MEHR wertzuschätzen und den Menschen als Ganzes zu sehen.

Kein Kind ist je ohne Geschichte, sowie kein Mensch nie ohne eigene Geschichte sein wird.
Und dann ist ja nicht zu vergessen, unsere eigene Sehnsucht, wieder mehr mit den Augen eines Kindes sehen zu können.
Die Welt mit Kinderaugen zu entdecken, mehr Freude, Unbeschwertheit, Neugierde und Lust auf das Leben zu haben.

Ich glaube, ich kann von Kindern noch sehr viel lernen.
Wären sie allein meine Schüler, ginge mir und ihnen vieles verloren!

Susanne Schäfer 17.01.2017, 16.13 | (7/7) Kommentare (RSS) | PL

Das Leben ist bunt

Immer wieder fällt mir in der medialen Lehrerwelt auf, wie schwer es uns Lehrern fällt, von Ausschließlichkeiten abzusehen. Diskussionen über Methoden und Materialien, Hefte, Schriften, Lernanlässe sind häufig geprägt vom Prinzip der Einseitigkeit. Dies ist gut, jenes macht keinen Sinn, das andere ist albern und Material ist zu bunt.




Unsere Lerngruppen sind alle sehr unterschiedlich, die Schulen, an denen wir arbeiten haben unterschiedliche Schwerpunkte und vielleicht andere Zielvorstellungen als andere Schulen. Die Lehrer, Eltern und vor allem die Kinder sind Individualisten - niemals gleich und niemals gleich zu behandeln.

Wir sind aufgefordert zu differenzieren und zu individualisieren und dennoch suchen wir nach DER Methode, DER Schriftart, DEM Zugang, DEM Lehrwerk.
Diese Suche wird niemals erfolgreich sein, weil es viele Wege, Zugänge und Möglichkeiten gibt.

WIR sind zu unterschiedlich, um alle dieselben Wege zu beschreiten.
Diese Vielfalt in allen Bereichen ist doch etwas Wunderbares.
Ich kann von Kollegen und Kolleginnen lernen, Anregungen aufgreifen, Ideen modifizieren, Ideen verwerfen und Vorgehensweisen für mich und meine Lerngruppe ausschließen.
Aber es ist nicht falsch, wie andere agieren, nur, weil ich es anders machen würde.

Ich bin der Ansicht, heutzutage lässt sich nicht pauschalisierend sagen, diese Methode oder Vorgehensweise ist sinnlos, hier wird zu viel geschnitten, dort zu viel geklebt, Inhalte kommen zu kurz....
Wir können das gar nicht ermessen, solange wir nicht vor Ort sind und ich bin der Ansicht, jede Kollegin und jeder Kollege hat ersteinmal einen Vertrauensvorschuss verdient.

Insbesondere in der medialen Welt - dort viel signifikanter als in meinem realen Umfeld - wird schnell geurteilt und verurteilt.
Mich stört das zunehmend und ich ärgere mich auch manches Mal über diese Lebensausschließlichkeiten und engstirnigen Urteile.

Ich gehe zunächst davon aus, dass alle Kollegen ein fachlich fundiertes Grundwissen haben und dieses stetig erweitern. Nur, weil Kollegen in der medialen Welt den fachlichen Austausch scheuen und sich auf andere Inhalte besinnen, bedeutet das ja nicht, dass sie sich nicht an anderer Stelle fachlich austauschen.

Das Nebeneinander der vielseitigen Einstellungen empfinde ich als Bereicherung, nicht als Belastung oder Zumutung.

Das Leben ist bunt - und das ist gut so!

Susanne Schäfer 14.01.2017, 08.42 | (7/7) Kommentare (RSS) | PL

Chancengleichheit

Ich las neulich diesen interessanten Artikel über fehlendes Material bei Schülerinnen und Schülern und den Umgang der Lehrer mit dieser Situation und mir kam vieles in dem Bericht sehr bekannt vor.



Neben diesen und ähnlichen Artikeln lesen wir immer wieder in den  Medien, dass Schulen in Deutschland bei der Chancengleichheit versagen. Dabei stelle ich bei mir und den meisten Kolleginnen und Kollegen doch immer das Weltrettungssyndrom fest.
Es stellt sich also die berechtigte Frage, was ist das eigentliche Problem?

Sind es die überzogenen Ansprüche der Schulen, was den Material- und Ausstattungsbedarf der Kinder angeht oder mangelt es den Eltern an Interesse an der Schulbildung ihrer Kinder?
Krankt unser Schulsystem vom Grunde her, mangelt es den Schulen an Ausstattung und Geldern oder haben wir Lehrer verlernt, dass weniger manchmal mehr ist?

Dieser Fragenkatalog ließe sich endlos fortsetzen, jedoch ohne jeglichen Nutzen.

Da wir andere Menschen nicht ändern können, ihre Haltung, ihr Interesse und ihr Kümmern nicht wirklich beeinflussen können, können wir immer nur bei uns selbst ansetzen.

Minimieren täte uns gut.
Wir brauchen keine zehn Schnellhefter, keine unzählig vielen Mappen, Stifte, Prospekthüllen und Hefte.
Schulische Bildung ist nicht abhängig vom Materialaufwand oder anders: Sollte es zumindest nicht sein.

Es muss nicht der teure Wasserfarbkasten sein, auch wenn die Farben meinetwegen mehr decken, schöner strahlen und überhaupt.
Darum geht es nicht, wenn wir Kinder malen lassen oder?

Je weniger an Materialien wir einfordern, desto übersichtlicher bleiben die Klassen und somit auch das Lernen.
Und je seltener müssen wir uns ärgern, wenn Material nicht vorhanden ist.

Warum das Material nicht vorhanden ist, mag unterschiedliche Gründe haben. Allen Eltern Desinteresse vorzuwerfen ist an dieser Stelle ein ebenso unfaires Pauschalurteil wie allen Schulen  vorzuwerfen sie versagen bei der Chancengleichheit.

Natürlich können wir darüber lamentieren, dass den Schulern Geldern fehlen. Allein das Lamentieren ändert die Situation nicht. Wie also damit umgehen?

Den Ausweg, den viele Kolleginnen und Kollegen wählen, ist der oben beschriebene. Rasch mal ein Heft für das eine Kind kaufen, ein Frühstück für das andere Kind mitbringen, BUT Anträge für Eltern ausfüllen, die dies alleine nicht schaffen, können oder wollen.
Die Konsequenz ist: Dem Kind geht es besser als vorher, der Kollege ist frustriert.

Die Eltern sind entweder äußerst dankbar oder aber sie nehmen zur Kenntnis, dass sie sich gar nicht kümmern müssen, denn das erledigt ja bereits der weltrettende Lehrer.

Spielen wir nicht den Weltretter, kann das Kind möglicherweise nicht so mitarbeiten wie es sollte und könnte, befinden wir uns eventuell fernab des ehrenwerten Ziels der Chancengleichheit.
Wie kann das sein?

Wann ist Bildung materialabhängig geworden?
Oder ist es gar nicht die Bildung, die materialabhängig geworden ist, sondern wir Lehrer?

Wo stehen wir mit unseren eigenen Ansprüchen, wo stehen wir mit unserer eigenen Fähigkeit zu minimieren, Ansprüche zu reduzieren und uns auf Ursprüngliches zu besinnen?

Ich beziehe mich da explizit ein.

Natürlich ärgere ich mich über mangelnde Gelder für Schulbücher, eine angemessene Ausstattung und die Bürokratie, die hinter all dem steht.
Schulbücher werden jährlich teurer, der Schulbuchetat stagniert jedoch seit vielen Jahren.
Das muss, um Veränderung zu bewirken, an den richtigen Stellen kommuniziert werden, hilft uns vor Ort aber momentan nicht weiter.

Die tägliche Auseinandersetzung mit fehlenden Materialien, fehlendem Frühstück, verlorenen Heften und Büchern, nicht erreichbaren Eltern, Desinteresse und Ignoranz kann zermürbend sein.
Zermürbend jedoch ist auch unsere Einstellung alle immer und überall glücklich machen zu wollen, jedes Kind retten zu wollen, alles schön und komplett und hübsch haben zu wollen.

Damit letztlich nicht wir es sind, die an dem System erkranken, bleibt uns nur, darauf zu schauen, was ist unsere Aufgabe und an welchen Stellen können wir ganz ohne schlechtes Gewissen sagen: Das ist nicht mein Job!

Das ist genau der Punkt, in dem wir zunehmend versagen.
Weil wir eben doch ein schlechtes Gewissen haben, weil wir das Gefühl haben, uns doch noch rasch um dieses und jedes kümmern zu müssen, weil wir uns wünschen, dass es jedem Kind gut geht.

Zum Gutgehen gehört vielleicht nicht zwingend der Wasserfarbkasten oder der Silbenstift.
Zum Gutgehen gehört vielleicht vor allem, angenommen werden so wie man ist, einen Schulvormittag lang Sicherheit, Beständigkeit und Wohlwollen zu erleben. Zuneigung zu erfahren und ein verbales Kümmern.

Wenn es uns gelingt, Kindern das zu vermitteln, ist das weitaus mehr wert, als einen rosa Schnellhefter zu kaufen, eine Schere oder einen Zeichenblock.

Aber das ist nur meine ganz persönliche Überzeugung!


Susanne Schäfer 18.09.2016, 07.34 | (5/5) Kommentare (RSS) | PL

Individualisten

Die Balance zu halten zwischen dem, was Kinder zu Individualisten macht und dem Regelgefüge einer Gemeinschaft bzw. Institution wie der Schule ist nicht immer einfach.
Es gibt mittlerweile unzählige Bücher, die anprangern, dass unsere Kinder Egoisten sind, kleine Tyrannen, selbstbezogen, egozentrisch und kleine Prinzen und Prinzessinnen.

In einer Gruppe ist das anstrengend, manchmal wenig konstruktiv und uns als Lehrer oft ein Dorn im Auge.

Andererseits möchten wir die Kinder zu mündigen Bürgern erziehen, sie nicht mundtot machen, ihre eigene Meinung stärken, ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl aufbauen und ihnen verdeutlichen: "Du bist toll, so wie Du bist!"

Und nun müssen wir Wege finden, zwischen beiden Elementen die Balance zu halten.
Entscheiden, wann ist es lohnenswert das Indviduelle zugunsten einer Gemeinschaft oder eventuell des eigenen Lernens aufzugeben bzw. auf Regeleinhaltung und Aufgabenformate zu bestehen.

Im ersten Schuljahr stehe ich sehr oft vor Situationen, in denen ich entscheiden muss: Machen lassen oder intervenieren.
Der bequeme Weg, der Mittelweg, ist nicht immer gegeben und man muss ad hoc entscheiden.
Mal passt es, mal passt es nicht.

Heute, so schrieb ich gestern, wollte ich mich ja mit dem LOSLASSEN beschäftigen und ich habe kläglich versagt.




Meinen Redeanteil wollte ich reduzieren, die Kinder mehr machen lassen, weniger Vorgaben machen, Freiheiten einräumen.
Ich fand, in der Theorie klang das einleuchtend und einfach.

Während man bei kleineren Handgreiflichkeiten ganz sicher sein kann, dass Individualität gerade mal zurückstecken sollte, sah es dann im Unterricht ganz anders aus.

Neulich noch offenherzig die Herzen geliebt, war ich heute sichtlich irritiert, als ich den gemalten Waggon eines Kindes sah. Mit Wasserfarbe und viel Liebe und Motivation gezeichnet - keine Frage.

Im Kreis jedoch hatten wir zuvor besprochen - übrigens eine Idee der Kinder - Äpfel zu zeichnen, um einen großen Apfelbaum zu erschaffen.
Gemeinsam einigten wir uns auf die Bildform und was entstehen sollte.

Nun sah ich also den Waggon.
"Das ist gar kein Apfel!", rief ein Kind und zeigte auf das Bild. "Frau Schäfer, wir wollen doch Äpfel malen!"

"Das ist ein Auto!", erklärte der Künstler und weiter: "Ich will lieber ein Auto malen!"
Während ich noch ganz erleichtert war, weil ich das Auto noch nicht öffentlich als Waggon bezeichnet hatte, entwickelte sich der folgende Dialog:

"Wir haben gesagt, wir malen Äpfel und keine Autos!", sprach ein Kind der Klasse, das recht empört war über das Autobild.

"Ich mag gar keine Äpfel!", erwiderte der Autozeichner.

"Ja, aber man kann nicht immer malen was man will!", erklärte ein anderes Kind "und ein Auto am Apfelbaum geht nicht!"

Ein drittes Kind kam hinzu und ich lauschte gespannt: "Wir haben Äpfel ausgemacht! Und Frau Schäfer wollte Mathe. Und nun malen wir Äpfel!" kurzes ernsthaftes Nachdenken des Kindes, dann: "Oder wir tun so, als ob das Auto die Äpfel dann wegfährt!"

Einstimmiges Nicken.
Alle zufrieden.

Mein Herz geht auf und ich bin stolz auf diese Kinder, die alles so viel einfacher regeln, als ich es je könnte.

Susanne Schäfer 14.09.2016, 19.52 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Shoutbox

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Anne
Liebe Susanne, erst einmal ein großes Lob für die vielen liebevoll gestalteten Dinge. Ich möchte im neuen Schuljahr auch eine Eisbärenklasse starten. Gibt es schon Schilder für die Tafel mit den Unterrichtsstunden? LG
21.5.2017-17:17
Melanie
Liebe Susanne,
vielen Dank für deine tollen Texte, darin kann man sich wirklich stundenlang verlieren!
Am Schuljahresanfang hattest du Auf- und Einräumbilder deines Klassenraumes gepostet, mich würde mal interessieren, wie es jetzt so bei dir aussieht, nachdem darin schon eine ganze Weile gelebt wird.
Es grüßt dich ganz herzlich,
Melanie
14.5.2017-19:18
Pepe
Weil nicht sein darf, was nicht sein soll! Mutige, offene Worte. Vielen Dank dafür, Susanne. Genau so sieht es aus.
23.2.2017-16:37
Melli
Liebe Susanne, ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, um dir ganz ganz herzlich für die tolle Idee und natürlich deine süßen Materialien zum Märchentag zu danken. Wir begehen seither den "Märchenfreitag" (stundenplanbedingt) und meine Erstklässler lieben es! Gerade für meine sehr spracharmen Kinder ist es eine tolle Möglichkeit, den Wortschatz zu erweitern und sie zum Sprechen und Erzählen anzuregen. Und ähnlich wie du habe auch ich einen ungemeinen Spaß daran, jede Woche ein neues Märchen vorzubereiten und mal keine Buchstabeneinführung ö.ä. zu machen. Also lieben, lieben Dank!!!
18.2.2017-11:02
Angelika
"Menschen" wie "immer wieder" sollte man einfach ignorieren, Ernst nehmen kann man das nicht. Peinlich trifft es auch ganz gut.
15.1.2017-17:32
Letzte Kommentare
Thérèse Lautenschlager:
Liebe SusanneIch bin bereits bei dir auf dem
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rubbel:
Liebe Susanne, gut, dass du dir einmal alles
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Christina:
Liebe Susanne, welch Abenteuer....Danke für
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Christina:
Liebe Susanne, dieses ist die beste Zeit des
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Stephanie Ball:
Du hast so recht, liebe Susanne. So werde ich
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Gruber Julia:
Hallo! Ist es möglich die Vorlage zu per Mail
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Jörg:
Liebe Susanne,ich kenne auch die Einstellung,
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Birgit:
In Münster gibt es etliche hospitationsfreund
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andrea:
Hallo Susanne!Ich glaube, dass viele Schulen
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Barbara :
Auch an unserer Schule darf gerne hospitiert
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