Nachdenkzeit

Es gibt diese Tage, da umgibt mich vielleicht eine miese Aura. Mit Betreten des Klassenzimmers scheint sie hinterrücks, heimlich, still und leise dazu aufzufordern sich unter Tische und Bänke zu setzen, Spucke auf Hefte zu verreiben, um zu sehen, was geschieht. Papierkügelchen zunächst zu essen, dann auszuwürgen und durch die Klasse zu werfen oder gar mal zu testen, wie schmerzempfindlich der Tischnachbar eigentlich ist.

Das mag nun nach Chaos und Anarchie klingen, aber meine Aura sucht sich in der Regel nur ein einziges Kind aus, dass dann aber auch selbstverständlich sehr empfänglich für derartige Experimente ist.

So einen Tag hatten wir neulich. Das Kind fand nicht in seine Arbeit, ich fand nicht das rechte Angebot für das Kind. Auf meine zunächst freundlichen, später zunehmend weniger netten Ermahnungen reagierte das Kind immer sehr charmant mit: "Okay, ich benehm mich jetzt!" Und der gute Vorsatz war wirklich da, ich sah das, allein es klappte an diesem Tag einfach nicht.




Als die anderen Kinder zu sehr drangsaliert wurden, wir befanden uns mittlerweile auf dem Schulhof, bat ich das Kind zu einer Nachdenkzeit zu mir. Da saß es nun brav und erklärte mir sehr zerknirscht: "Okay, Frau Schäfer, ich denk jetzt nach!"

"Das ist eine gute Idee. Du könntest darüber nachdenken, wie die anderen Kinder sich fühlen, wenn du ihnen weh tust!"

So saßen wir friedlich nebeneinander und hingen unseren Gedanken nach.

Nach wenigen Minuten wurde das Kind ganz unruhig, hektisch, aufgeregt: "Frau Schäfer, ich hab so sehr nachgedacht. Kann ich wieder spielen gehen?"
Schon da fiel es schwer, dem Charme nicht zu erliegen.
"Worüber hast du denn nun nachgedacht?", wollte ich wissen.

"Über Fußball!", erklärte mir das Kind, als sei es eine Selbstverständlichkeit und meine Frage sehr merkwürdig - wobei, sie war natürlich auch merkwürdig - gleichsam so, als sei alles geklärt und mir wurde wieder einmal bewusst, dass man sich diesen Kindern, ihrer Logik, ihren Gedanken und Gefühlen einfach nicht entziehen kann.

Sie stürmen mitten ins Herz, finden alle ihre Platz und hinterlassen viele minikleine Spuren.
Immer wieder und immer wieder schön.
Wir haben großes Glück!

Susanne Schäfer 21.09.2016, 20.07| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

Das Sonnenstrahlenbuch

Die Defizitorientierung aufzubrechen, sich immer bewusst zu machen, dass Positives durchaus überwiegt, Negatives lediglich schwerer zu wiegen scheint, das ist ein steter Prozess.
In den vielen Lehrerzimmern, in denen ich bereits sitzen durfte, trugen wir Lehrer häufig das Leid das Welt.
Nicht wirklich, aber gefühlt und verbalisiert.
Ein Zustand, der zur Eigenunlust führen kann und somit ungut ist.




Nimmt man die Aufgaben hinzu, die wir uns selbst manchmal auferlegen - ich schrieb bereits davon - die aber nicht mehr viel mit unserem eigentlichen Beruf zu tun haben, dann kann das krank machen. Kann. Es muss nicht so sein, es ist nur eine Möglichkeit.

Diese und einige andere Gedankengänge waren in einem der vergangenen Jahre Thema einer Lehrerkonferenz. Wir haben überlegt, wie wir es schaffen können, uns mehr auf das Positive zu besinnen und so entstand unser "Sonnenstrahlenbuch".
Es steht im Lehrerzimmer und wer immer einen glücklichen Moment erlebt, trägt ihn - sofern man möchte - in unser Buch ein und lässt somit die anderen teilhaben am Positiven, am Augenblick, an der Blickwickeländerung.

Das Buch erlebt gute Zeiten und trostlose Zeiten.
Es macht dennoch immer wieder Spaß, darin zu blättern, die Einträge zu lesen und zu schmunzeln, nachzudenken oder einfach nur zu lächeln.

Wir haben es in der Hand, uns die Zeit für diesen Blickwinkel und das Festhalten des Moments zu nehmen oder eben auch nicht.

Heute hätte ich so vieles hineinschreiben können:

Vom guten Gefühl bei unserer gestrigen offiziellen Einweihungsfeier, von den vielen positiven Rückmeldungen, die wir erhielten oder auch von den unzählig vielen helfenden Händen, die den Tag haben gelingen lassen.

Ich hätte auch hineinschreiben können, wie  viel Freude ich mit den "Eisbären" habe, wie schnell sie sich entwickeln, wie zauberhaft die Kinder sind und wie oft sie mich zum Lächeln oder Lachen bringen.

Ich hätte hineinschreiben können, wie stolz ich auf das Team bin, auf jeden einzelnen, aber auch wie froh, wenn der Umzugsrummel endlich abklingt und wir einfach bitte nur unsere Arbeit machen können, ohne Bauarbeiten, Feiern, Reden, Events und andere Kraftakte.

Geschrieben habe ich nichts.
Nicht, weil ich nicht wollte, sondern weil der Schulalltagstrubel mich derart im Griff hatte, dass ich gar nicht daran gedacht habe.

Das ist so schade.
Aber nicht zu spät.
Das Besinnen auf die schönen Augenblicke geht immer und jederzeit, es liegt an uns.
Und morgen warten auch noch leere Seiten darauf beschrieben zu werden!

Ich muss es nur tun.
Nicht darüber schreiben, sondern hineinschreiben.
Weil es gut tut!

Susanne Schäfer 21.09.2016, 00.00| (4/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulleitung

Ungekrönte Königin

Ich bin die ungekrönte Königin leerer Lehrerphrasen. Nein wirklich.

Neulich saß ich im Lehrerzimmer und dachte so darüber nach, was ich in der Klasse so alles von mir gegeben habe - also verbal - und dabei kroch mir leise, still und heimlich die Schamesröte über den Hals in mein Gesicht - schadenfroh belacht von den Kolleginnen, die dies den Wechseljahren zuschrieben.
Ich ließ sie in dem irrigen Glauben.....



Da hatte ich nun, nach einer Arbeitsphase, erklärt: "Wir treffen uns im Kreis!"
So weit so gut.
Ein Kind, das hauptsächlich damit beschäftigt gewesen war, kleine, mit Spucke geformte Papierknödel durch die Klasse zu werfen, kam nun ganz aufgeregt zu mir und wollte wissen, was es tun sollte.

Mit nahezu pädagogisch erhobenen Zeigefinger lautete meine Antwort: "Denk mal genau nach!"

Natürlich war mir just in dem Moment nicht bewusst, das diese Antwort grundsätzlich eher schwachsinnig war.
Worüber genau sollte das Kind nun nachdenken?
Es hätte praktisch über hellseherische Fähigkeiten verfügen müssen, um darauf zu kommen, was ich gesagt hatte.

Wahrscheinlich stellte sich das Kind jedoch eher die Frage,  worüber es denn nun eigentlich nachdenken sollte.

Ich bin - ich muss es gestehen  - Wiederholungstäterin. Immer wieder äußere ich Aufforderungen oder Sätze, die leerer und nutzloser nicht sein könnten.
Beispielsweise auf die Frage eines Kindes, wie es eine Aufgabe bearbeiten soll - selbstverständlich soeben ausführlich besprochen:

"Das weiß ich auch nicht!" Schulterzucken.

Was erstens eine glatte Lüge ist, zweitens das Kind möglicherweise in die Komplettverwirrung stürzt, denn wie soll es etwas bearbeiten, von dem nicht einmal die Lehrerin weiß, wie es gehen soll?

Gerne auch erwähnt, die Kokettierungen mit dem eigenen Alter - gänzlich unverständlich für Kinder - nach dem Motto:
"Oh, entschuldige, ich habe das nicht verstanden, du musst lauter sprechen, meine alten Ohren verstehen das nicht!"

Nur, um später empört zu schauen, als die Kinder mich auf 84 schätzen!
Hallo?
So alt sind meine Ohren nun auch wieder nicht.

Ganz wichtig aber auch mein beständiges Mantra: "Ich erkläre nur einmal!"
Womit ich mir selbst nahezu dauernd widerspreche, da ich diesen Satz unzählige Male  ausspreche und wiederhole.

Es ist erstaunlich, dass die Kinder so geduldig mit mir sind!
Vermutlich sollte ich meinen Redeanteil schleunigst reduzieren, die Wahrscheinlichkeit, dass ich solche Unsinnigkeiten  von mir gebe, sänke dann erheblich.

Ich bin froh, dass die Kinder trotz Schule lernen!
Ich hoffentlich auch!

Susanne Schäfer 18.09.2016, 08.44| (8/6) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

Chancengleichheit

Ich las neulich diesen interessanten Artikel über fehlendes Material bei Schülerinnen und Schülern und den Umgang der Lehrer mit dieser Situation und mir kam vieles in dem Bericht sehr bekannt vor.



Neben diesen und ähnlichen Artikeln lesen wir immer wieder in den  Medien, dass Schulen in Deutschland bei der Chancengleichheit versagen. Dabei stelle ich bei mir und den meisten Kolleginnen und Kollegen doch immer das Weltrettungssyndrom fest.
Es stellt sich also die berechtigte Frage, was ist das eigentliche Problem?

Sind es die überzogenen Ansprüche der Schulen, was den Material- und Ausstattungsbedarf der Kinder angeht oder mangelt es den Eltern an Interesse an der Schulbildung ihrer Kinder?
Krankt unser Schulsystem vom Grunde her, mangelt es den Schulen an Ausstattung und Geldern oder haben wir Lehrer verlernt, dass weniger manchmal mehr ist?

Dieser Fragenkatalog ließe sich endlos fortsetzen, jedoch ohne jeglichen Nutzen.

Da wir andere Menschen nicht ändern können, ihre Haltung, ihr Interesse und ihr Kümmern nicht wirklich beeinflussen können, können wir immer nur bei uns selbst ansetzen.

Minimieren täte uns gut.
Wir brauchen keine zehn Schnellhefter, keine unzählig vielen Mappen, Stifte, Prospekthüllen und Hefte.
Schulische Bildung ist nicht abhängig vom Materialaufwand oder anders: Sollte es zumindest nicht sein.

Es muss nicht der teure Wasserfarbkasten sein, auch wenn die Farben meinetwegen mehr decken, schöner strahlen und überhaupt.
Darum geht es nicht, wenn wir Kinder malen lassen oder?

Je weniger an Materialien wir einfordern, desto übersichtlicher bleiben die Klassen und somit auch das Lernen.
Und je seltener müssen wir uns ärgern, wenn Material nicht vorhanden ist.

Warum das Material nicht vorhanden ist, mag unterschiedliche Gründe haben. Allen Eltern Desinteresse vorzuwerfen ist an dieser Stelle ein ebenso unfaires Pauschalurteil wie allen Schulen  vorzuwerfen sie versagen bei der Chancengleichheit.

Natürlich können wir darüber lamentieren, dass den Schulern Geldern fehlen. Allein das Lamentieren ändert die Situation nicht. Wie also damit umgehen?

Den Ausweg, den viele Kolleginnen und Kollegen wählen, ist der oben beschriebene. Rasch mal ein Heft für das eine Kind kaufen, ein Frühstück für das andere Kind mitbringen, BUT Anträge für Eltern ausfüllen, die dies alleine nicht schaffen, können oder wollen.
Die Konsequenz ist: Dem Kind geht es besser als vorher, der Kollege ist frustriert.

Die Eltern sind entweder äußerst dankbar oder aber sie nehmen zur Kenntnis, dass sie sich gar nicht kümmern müssen, denn das erledigt ja bereits der weltrettende Lehrer.

Spielen wir nicht den Weltretter, kann das Kind möglicherweise nicht so mitarbeiten wie es sollte und könnte, befinden wir uns eventuell fernab des ehrenwerten Ziels der Chancengleichheit.
Wie kann das sein?

Wann ist Bildung materialabhängig geworden?
Oder ist es gar nicht die Bildung, die materialabhängig geworden ist, sondern wir Lehrer?

Wo stehen wir mit unseren eigenen Ansprüchen, wo stehen wir mit unserer eigenen Fähigkeit zu minimieren, Ansprüche zu reduzieren und uns auf Ursprüngliches zu besinnen?

Ich beziehe mich da explizit ein.

Natürlich ärgere ich mich über mangelnde Gelder für Schulbücher, eine angemessene Ausstattung und die Bürokratie, die hinter all dem steht.
Schulbücher werden jährlich teurer, der Schulbuchetat stagniert jedoch seit vielen Jahren.
Das muss, um Veränderung zu bewirken, an den richtigen Stellen kommuniziert werden, hilft uns vor Ort aber momentan nicht weiter.

Die tägliche Auseinandersetzung mit fehlenden Materialien, fehlendem Frühstück, verlorenen Heften und Büchern, nicht erreichbaren Eltern, Desinteresse und Ignoranz kann zermürbend sein.
Zermürbend jedoch ist auch unsere Einstellung alle immer und überall glücklich machen zu wollen, jedes Kind retten zu wollen, alles schön und komplett und hübsch haben zu wollen.

Damit letztlich nicht wir es sind, die an dem System erkranken, bleibt uns nur, darauf zu schauen, was ist unsere Aufgabe und an welchen Stellen können wir ganz ohne schlechtes Gewissen sagen: Das ist nicht mein Job!

Das ist genau der Punkt, in dem wir zunehmend versagen.
Weil wir eben doch ein schlechtes Gewissen haben, weil wir das Gefühl haben, uns doch noch rasch um dieses und jedes kümmern zu müssen, weil wir uns wünschen, dass es jedem Kind gut geht.

Zum Gutgehen gehört vielleicht nicht zwingend der Wasserfarbkasten oder der Silbenstift.
Zum Gutgehen gehört vielleicht vor allem, angenommen werden so wie man ist, einen Schulvormittag lang Sicherheit, Beständigkeit und Wohlwollen zu erleben. Zuneigung zu erfahren und ein verbales Kümmern.

Wenn es uns gelingt, Kindern das zu vermitteln, ist das weitaus mehr wert, als einen rosa Schnellhefter zu kaufen, eine Schere oder einen Zeichenblock.

Aber das ist nur meine ganz persönliche Überzeugung!


Susanne Schäfer 18.09.2016, 07.34| (5/5) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Individualisten

Die Balance zu halten zwischen dem, was Kinder zu Individualisten macht und dem Regelgefüge einer Gemeinschaft bzw. Institution wie der Schule ist nicht immer einfach.
Es gibt mittlerweile unzählige Bücher, die anprangern, dass unsere Kinder Egoisten sind, kleine Tyrannen, selbstbezogen, egozentrisch und kleine Prinzen und Prinzessinnen.

In einer Gruppe ist das anstrengend, manchmal wenig konstruktiv und uns als Lehrer oft ein Dorn im Auge.

Andererseits möchten wir die Kinder zu mündigen Bürgern erziehen, sie nicht mundtot machen, ihre eigene Meinung stärken, ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl aufbauen und ihnen verdeutlichen: "Du bist toll, so wie Du bist!"

Und nun müssen wir Wege finden, zwischen beiden Elementen die Balance zu halten.
Entscheiden, wann ist es lohnenswert das Indviduelle zugunsten einer Gemeinschaft oder eventuell des eigenen Lernens aufzugeben bzw. auf Regeleinhaltung und Aufgabenformate zu bestehen.

Im ersten Schuljahr stehe ich sehr oft vor Situationen, in denen ich entscheiden muss: Machen lassen oder intervenieren.
Der bequeme Weg, der Mittelweg, ist nicht immer gegeben und man muss ad hoc entscheiden.
Mal passt es, mal passt es nicht.

Heute, so schrieb ich gestern, wollte ich mich ja mit dem LOSLASSEN beschäftigen und ich habe kläglich versagt.




Meinen Redeanteil wollte ich reduzieren, die Kinder mehr machen lassen, weniger Vorgaben machen, Freiheiten einräumen.
Ich fand, in der Theorie klang das einleuchtend und einfach.

Während man bei kleineren Handgreiflichkeiten ganz sicher sein kann, dass Individualität gerade mal zurückstecken sollte, sah es dann im Unterricht ganz anders aus.

Neulich noch offenherzig die Herzen geliebt, war ich heute sichtlich irritiert, als ich den gemalten Waggon eines Kindes sah. Mit Wasserfarbe und viel Liebe und Motivation gezeichnet - keine Frage.

Im Kreis jedoch hatten wir zuvor besprochen - übrigens eine Idee der Kinder - Äpfel zu zeichnen, um einen großen Apfelbaum zu erschaffen.
Gemeinsam einigten wir uns auf die Bildform und was entstehen sollte.

Nun sah ich also den Waggon.
"Das ist gar kein Apfel!", rief ein Kind und zeigte auf das Bild. "Frau Schäfer, wir wollen doch Äpfel malen!"

"Das ist ein Auto!", erklärte der Künstler und weiter: "Ich will lieber ein Auto malen!"
Während ich noch ganz erleichtert war, weil ich das Auto noch nicht öffentlich als Waggon bezeichnet hatte, entwickelte sich der folgende Dialog:

"Wir haben gesagt, wir malen Äpfel und keine Autos!", sprach ein Kind der Klasse, das recht empört war über das Autobild.

"Ich mag gar keine Äpfel!", erwiderte der Autozeichner.

"Ja, aber man kann nicht immer malen was man will!", erklärte ein anderes Kind "und ein Auto am Apfelbaum geht nicht!"

Ein drittes Kind kam hinzu und ich lauschte gespannt: "Wir haben Äpfel ausgemacht! Und Frau Schäfer wollte Mathe. Und nun malen wir Äpfel!" kurzes ernsthaftes Nachdenken des Kindes, dann: "Oder wir tun so, als ob das Auto die Äpfel dann wegfährt!"

Einstimmiges Nicken.
Alle zufrieden.

Mein Herz geht auf und ich bin stolz auf diese Kinder, die alles so viel einfacher regeln, als ich es je könnte.

Susanne Schäfer 14.09.2016, 19.52| (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Loslassen

Es ist heiß, schon morgens fließt der Schweiß, an Lernen ist in den überhitzten Räumen - trotz Sonnenschutz - so gut wie nicht zu denken.
Zeit, das Lernen nach draußen zu verlegen.
Der heutige Wochenmarkt reizt mich spontan, denn für die kommenden Tage habe ich ein Apfelprojekt angedacht und was liegt näher, als gemeinsam die Äpfel kaufen zu gehen?





Ich freue mich riesig, dass sich die Kollegin eines dritten Schuljahres bereit erklärt mitzukommen. Kinder lernen von Kindern so viel leichter und lieber und so ziehen immer ein "großes" und ein "kleines" Kind miteinander los.

Auf dem Markt angekommen werden wir von ganz vielen älteren Menschen angesprochen, die unseren Kindern neugierig und gespannt zusehen.
Auf den Vorschlag der Kollegin, die Kinder zunächst mit ihrem Partner allein den Markt erkunden zu lassen, setzt mein Lehrerherz kurzzeitig aus und ich bin geneigt das als sehr unglückliche Idee abzutun.

Vielleicht, so fällt mir ein, ist dies jetzt genau die Zeit meines Lernens und ich entsinne mich all der Begebenheiten der letzten Tage.
Loslassen - etwas, das wir den Eltern so gerne mit auf den Weg geben und nun soll es mir selbst nicht gelingen?

Wir lassen die Kinder ziehen. Sie bekommen eine kurze Partnerzeit, um den Wochenmarkt zu erkunden und ich kann nicht umhin, ihnen doch nicht mit auf den Weg zu geben, bitte nichts anzufassen.
Als die Kinder unterwegs sind, denke ich darüber nach, wie es wäre, wenn ich einmal einen Tag all diese: "Bitte tut dies nicht und macht jenes nicht!" fallenzulassen. Nicht mahnen, nicht fordern, nicht auffordern.

Ich kann den Gedanken nicht zuende denken, denn die Kinder kommen pünktlich und begeistert zurück.
Zeit, für ein neues Wagnis. In Kleingruppen erhalten sie Geld und einen Einkaufsauftrag.

Ich übe mich in Gelassenheit und traue einfach mal zu.
Niemand geht verloren, das Wechselgeld landet prompt bei uns und die Kinder präsentieren sehr stolz ihre Einkäufe.

Wir wissen nun wie viele Äpfel wir für 5 Euro kaufen können, wie unterschiedlich die Preise sein können, dass wir Wechselgeld nachzählen sollten und was wir auf dem Markt alles kaufen können.

Die "Großen" kümmern sich rührend und toll um die "Kleinen", ohne sie zu gängeln, zu maßregeln oder zu übergehen.
Der Ausflug verläuft harmonisch und ich habe das Gefühl selten von einer Klasse so viel lernen zu können wie von dieser.

Zurück in der Schule darf sich jeder einen ersten Apfel nehmen und wir besprechen, was wir in den nächsten Tagen alles vorhaben.

Ich bin ganz begeistert davon, was die Kinder in der kurzen Zeit schon alles mitgenommen und gelernt haben, aber noch mehr begeistert mich, was ich von ihnen lerne.
Jeden Tag mehr.
Ich möchte die Logbücher mit positiven Einträgen füllen - am Morgen hatte mich dieser Bericht sehr berührt - aber ich schaffe nur wenige Einträge ehe Schulschluss ist und alle mir wieder einmal versichern, sie kämen morgen wieder!

In wenigen Tagen haben sich eine Menge Vorsätze in mir angehäuft. Für morgen nehme ich mir LOSLASSEN vor. Es wird sich sicher bewähren.

Susanne Schäfer 13.09.2016, 18.31| (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

Hinter dem Sichtbaren

Der Wasserfarbkasten ist für alle neuen Schulkinder seit jeher faszinierend und diese Faszination  nutze ich gerne in den allerersten Schultagen - so entstanden unsere Sonnenblumenbilder.



Niemand musste, aber jeder durfte. Ich hatte mir eine Reihe alternativer Arbeiten überlegt und der Klassenraum bietet zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten außerhalb dieser Kunstarbeit.

Mir war bewusst, dass nicht jedes Kind diese Aufgabe würde bewältigen können.
So dachte ich.
Jedoch lediglich mit meinem engstirnigen Lehrerauge betrachtet.

ALLE Kinder wollten nun aber genau so eine Sonnenblume malen, schneiden, basteln und die Ergebnisse schmücken seitdem unsere Klasse.

So unterschiedlich wie die Kinder sind, sind deren Bilder und beim Betrachten sieht man Ergebnisse, die einen erfreuen, einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern oder einen erstaunen.
Natürlich fällt das ein oder andere Bild ganz besonders ins Auge.
Sei es, weil es als besonders gelungen angesehen wird oder man verwundert die Blume auf dem Bild sucht.

Aber viel wichtiger als das, was wir sehen, ist doch das, was wir nicht sehen können. Wie jedes einzelne Kind zu seinem Ergebnis kam.

Vielleicht betrachtet man das eine ganz besondere Bild mit ganz anderen Augen, wenn man weiß, dass der kleine Künstler rein körperlich nicht in der Lage ist auszuschneiden?
Dass er über mehrere Stunden höchstkonzentriert damit beschäftigt war, die Schere zu halten, auszuschneiden und zu malen, aufzukleben und zu gestalten.
In ausufernder Geduld saß dieses eine Kind an seinem  Platz und ließ sich durch nichts und niemanden davon abbringen, seine eigene Sonnenblume zu erschaffen.

Während ich zuvor nach Alternativen für dieses Kind gesucht hatte, um einen Misserfolg zu vermeiden, es ihm leicht zu machen obwohl das Kind es gar nicht leicht gemacht haben wollte.

Der Misserfolg liegt offensichtlich nur in einer Sichtweise. In meiner Sichtweise, die ich revidieren musste, als ich das Kind beobachte, das während des Ausschneidens beständig intonierte: "Ich glaub ich mach das sehr super. Ich kann das super. Ich mach das toll. Frau Schäfer, ich mach das doch toll, oder?"

Und wie toll.
Ich fühlte mich beschämt.
Der Gedanke, diesem Kind einen Misserfolg ersparen zu wollen, implizierte, es würde keinen Erfolg haben.
Nur, weil das Bild rein äußerlich von anderen Bildern abweicht - so musste ich erkennen - hatte das Kind keinen Misserfolg, sondern ein Erfolgserlebnis.
Durch Beharrlichkeit, Geduld, Ehrgeiz und Ausdauer hatte es - entgegen seiner Beeinträchtigungen - eine eigene Blume erschaffen.

Wie oft habe ich Kindern schon die Möglichkeit eines Erfolges genommen, weil ich mit meinen Lehreraugen betrachtete und vorbereitete?

Im Kreis besprechen wir unsere Bilder. Keines wird belächelt, ausgelacht oder gar verhöhnt. Jedes Bild wird ernstgenommen, angenommen, wahrgenommen und akzeptiert.

Ich erinnere mich an eine Situation in unserem Feriencamp. Ein Kind  mit einer Körperbehinderung lief vor einem anderen Kind her. Das andere Kind rief: "Warum läufst du so komisch?"
"Ich kann nicht anders!", lautete die  lapidare Antwort des beeinträchtigten Kindes und somit war die Sache geklärt.

Kinder brauchen keine Inklusion. Kinder leben sie.
Wir sollten es ihnen nachmachen!

Susanne Schäfer 12.09.2016, 16.40| (6/6) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

Urgewalten



Während ich hinterrücks an meiner Bluse zaghafte bis festere Zupfversuche spüre, bilden sich auf meinen Oberschenkeln zeitgleich kleine Nutellahandabdrücke und ich stelle kurzzeitig die wagemutige Idee infrage, am zweiten Schultag eine weiße Jeans angezogen zu haben.

"Frau Schäfer", tönt es von nahezu allen Seiten und ich  werde bezupft, betätschelt und gestreichelt.
"Frau Schäfer, guck mal, ich habe eine blaue Mappe!", "Auf meinem Etui sind Polizisten!", "Ich muss Pipi!", "Wann gehen wir nach Hause?"

Aufgeregt hüpfen, tummeln, gehen und springen die Kinder durcheinander und jeder hat etwas zu fragen, zu berichten und zu zeigen.
Einige Tränen fließen, ein paar Kusshände müssen durch die Fensterscheibe zu den wartenden Mamas geworfen werden, ehe wir uns im Kreis treffen und zwanzig Augenpaare gespannt und neugierig auf mich gerichtet sind.

Gänzlich unvoreingenommen sitzen sie hier, starten unbeschwert und wissbegierig in den neuen Lebensabschnitt und ich bin mir mit einem Male der völligen Verantwortung bewusst, den Grundstein für einen guten Start in das schulische Leben dieser Kinder legen zu dürfen.

Es geht trubelig zu, die neuen Schulkinder rutschen unruhig auf den Bänken hin und her, der ein oder andere fällt unerwartet rücklings von der Bank und wir lernen sehr schnell, dass Bänke keine Lehne haben und Zappeleien gerne mal am Boden enden.

Die Atmosphäre ist geprägt von ganz viel Neugierde und Spannung und den Erwartungen all dieser kleinen Menschen gerecht zu werden ist gar nicht so einfach.
Wir lernen ein Begrüßungslied und zum ersten Mal begegnet uns die morgendliche Routine des offenen Schulbeginn. Im Klassenraum gibt es sehr viel zu entdecken, die Kinder lernen sich gegenseitig und wir uns kennen und nach dem Morgenkreis sind die ersten müde und erschöpft und brauchen eine Pause.

Wir gehen das Wagnis ein, am zweiten Schultag sämtliche Materialien gemeinsam wegzupacken. Der damit losgelöste Tumult lässt sich kaum mit Worten beschreiben.
"Wohin muss das?", ist die meistgestellte Frage, gefolgt von: "Kann ich zum Klo?"

Viele kleine Hände zuppeln an mir herum, jeder möchte ganz dringend meine Aufmerksamkeit und irgendwie fällt immer wieder mal etwas vom Tisch, aus der Tasche oder einfach nur um.

Der Zauber eines ersten Schultags lässt sich nicht beschreiben, nicht die leuchtenden Augen, nicht das überwältigende, kurzzeitige Chaos, nicht die Liebenswürdigkeit all dieser mir anvertrauten Kinder.
Wie eine Urgewalt stürmen all die Minimenschen über mich hinein und erobern mein Herz im Nu.

Wir packen ein, wir packen zusammen, wir bestaunen, wir probieren aus, wir sammeln Mappen, Hefter und Wasserfarbkästen.
Wir lernen Schubladen und Ablageorte kennen, finden unsere Namensschilder, erkunden die Schule, singen und tanzen und beschließen letztendlich, morgen wohl wiederzukommen.

Meine Hände, Augen und Ohren reichen nicht aus, um all diesen Kindern am ersten "richtigen" Schultag gerecht werden zu können, aber ich gebe mein Bestes, um allen zu vermitteln, dass sie willkommen sind und ich mich freue, dass sie in unsere Klasse gehen.

Nach vier Unterrichtsstunden verabschieden wir uns erschöpft aber meinerseits ziemlich glücklich und mit dem überwältigenden Gefühl wieder einmal angekommen zu sein und an der richtigen Stelle zu stehen.


Lachend winken die Kinder und mich umschwirren ihre Worte:
"Ich komm morgen wieder!", "Ich gehe jetzt zu Mama!", "Ich hab Hunger!", "Muss ich OGS?", "Bist du morgen wieder hier?"

"Ja!", bestätige ich die letzte Frage "morgen und an allen weiteren Tagen! Und ich freu mich darauf!"

Susanne Schäfer 11.09.2016, 18.28| (10/10) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

Zeit für HERZlichkeit

"Guck mal, Frau Schäfer, ich kann Herzen malen!", rief mir ein Kind meiner Klasse im Unterricht entgegen und präsentierte mir stolz sein Mathebuch.



Eifrig malte das Kind weiterhin Herzen in sein Buch, statt die offensichtlich eher langweiligen Aufgaben zur Mengenerfassung zu bearbeiten.
Natürlich war ich im ersten Moment geneigt darauf hinzuweisen, dass jetzt eigentlich eine andere Aufgabe an der Reihe war. Von Herzchenmalen hatte ich schließlich nichts gesagt.
Das Kind malte aber mit äußerster Hingabe und hoher Konzentration Herz um Herz in das Mathebuch, ganz gefangen in sein Tun und voller Hingabe.
Jedes Herz wurde größer und die Form immer gleichmäßiger. Der Stift fuhr immer flüssiger über das Blatt und das Kind stellte selbst fest: "Ich mach das super!"
Ja, es machte das in der Tat super und vor allem mit einer solchen Liebe zur Arbeit, dass ich nur schwerlich auf die eigene Aufgabe verweisen wollte.

Warum sollte ich das hochkonzentrierte und motivierte Kind, das sich nur schwerlich motivieren ließ, langweilige Schwungübungen mitzumachen, nun in seiner selbstgewählten Arbeit unterbrechen?
Wem schaden einige Herzen im schnöden Mathebuch?

"Ja, du machst das wirklich super!", bestätigte ich und dachte mit Bangen kurz darüber nach, ob jetzt wohl der Rest der Klasse auch inflationär Herzen malen wollen würde.....

Lehrerängste, unbegründet und unrealistisch.
Die anderen Kinder arbeiteten an ihren jeweiligen Aufgaben weiter und niemand fand es befremdlich, dass sich das Mathebuch an einem Tisch nun mit kleinen und großen, dicken und dünnen, roten und blauen Herzen füllte.

Für die Kinder, das merke ich immer wieder, ist es viel natürlicher als für mich, dass jeder seinen eigenen Weg geht.
Und hier war es nunmal gerade Zeit für HERZlichkeit!

Und Zeit für mich, von den Kindern zu lernen.

Schließlich steht nicht umsonst in unseren Schulfenstern geschrieben: Schule mit Herz!

Susanne Schäfer 10.09.2016, 18.07| (6/6) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

Die Ehre der Kopierten

Die Schuleingangskonferenz stellte, neben unzählig vielen anderen Themen, auch das Bereitstellen unseres schulinternen Logbuchs auf der Homepage zur Diskussion.
In den Vorjahren hatte sich gezeigt, dass benachbarte Schulen - jedoch nicht nur diese - gerne auf die in unserem Team entwickelten und erarbeiteten Ideen und Konzepte zurückgriffen.

Während ich auf der Konferenz noch die Ehre der Kopierten zu vermitteln suchte, dafür warb, weiterhin so transparent wie möglich zu agieren und unsere Konzepte, Ideen und entwickelten Projekte auch weiterhin frei zugänglich zu machen, wurde ich durch einen Zeitungsartikel in der hiesigen Presse doch nachdenklich.



Eine von uns - nach der Idee einer Kollegin unseres Teams - vor einigen Jahren entwickelte Idee zur Bergüßung der neuen Erstklässler wurde 1:1, ohne jegliche Modifikation, von uns übernommen und eine andere Schule präsentierte sich nun voller Stolz damit in der Presse.

Ein Anruf der Schulleitung einer weiteren Schule ließ mich weiter stutzen:

"Wir arbeiten ja jetzt mit Eurem Rechtschreibkonzept, aber nun haben die Eltern folgende Fragen, wie geht Ihr denn damit um?", wurde ich gefragt und wusste zunächst nichts weiter zu erwidern als: "Wieso arbeitet Ihr denn mit unserem schuleigenen Konzept, das haben wir doch passgenau für unsere Kinder entwickelt und Ihr arbeitet doch eigentlich methodisch ganz anders?"

Mit einem unbestimmten Bauchgrummeln  beendete ich das Gespräch.
Schulleitung bedeutet für mich - oder ich muss sagen für UNS - immer zuerst zu schauen, welche Bedürfnisse, welche Ausgangsbedingungen haben wir an unserer Schule und wie können wir Konzepte und Methoden und Ideen entwickeln, die passgenau für unsere Schule sind.
Der eigenen Schule ein individuellen Profil zu geben bedeutet Arbeit und das gesamte Team muss an einem Strang ziehen. Innovation, Teamgeist, Engagement und Fachwissen sind von allen Beteiligten gefragt.
Und das bedeutet Arbeit. Viel Arbeit.
Selbstverständlich kenne ich den Ausdruck: "Man muss das Rad nicht neu erfinden!" und für gewisse unterrichtliche Bereiche möchte ich dem zustimmen.
Schulentwicklung jedoch lässt sich meiner Meinung nach nicht durch bloßes Kopieren betreiben.

Die Entdeckung, dass eine Nachbarschule nicht nur dies und jenes, sondern so gut wie alles von uns kopiert, nachmacht und als eigene Idee darstellt, sich nach außen hin damit brüstet und dabei noch mit spitzen Bemerkungen gegenüber Kooperationspartnern gegen uns arbeitet, macht mich nachdenklich.

Natürlich schauen wir auch nach den Ideen anderer Schule, lassen uns inspirieren, bereichern oder durchaus auch mal abschrecken, aber im Fokus stehen immer unserer Kinder und das, was für eine andere Schule passt, passt noch lange nicht zu uns und so tragen wir zusammen, sammeln, bilanzieren, diskutieren, werten aus und am Ende steht immer ein individuelles Konzept, Produkt oder Ergebnis - nur so entwickelt sich Schule weiter und zwar zugunsten der Schülerinnen und Schüler und aller an Schule Beteiligten.

Es gibt nun, wie immer, mehrere Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen. Weitermachen wie bisher ist die eine Option. Nicht beirren lassen durch effekheischende Nachmacher, transparent und angreifbar und kopierbar bleiben.
Offensiv an die Situation herangehen und nachfragen.
Sich im stillen Kämmerlein ärgern oder aber stolz darauf sein, dass wir anscheinend so gute Arbeit leisten, dass andere sie für wert erachten zu kopieren.

Letzteres ist für den eigenen Seelenfrieden sicherlich die beste Lösung.  Und damit kann man ja durchaus offensiv umgehen. Freuen wir uns doch einfach, dass andere Schulen genau das machen möchten, was wir machen. Im Grunde ist das ein unglaublich toller Achtungserweis, eine ganz besondere Wertschätzung unserer Arbeit.
Und darauf kann man die Kollegen ja durchaus anssprechen: "Wir freuen uns, dass euch unsere Arbeit so gut gefällt, dass ihr sie 1:1 bei euch umsetzt. Danke für die Wertschätzung!"

Anerkennung ist nicht nur für unsere Kinder wichtig. Auch für uns. Erfahren wir sie eben auch diese Art und Weise und lassen uns dadurch bestärken und motivieren so weiterzumachen wie bisher.
Sich langfristig zu ärgern schadet der eigenen Motivation, der eigenen Einstellung und letzlich der eigenen Arbeit.

Relativieren wir einfach unsere Sichtweise, schließlich wird uns nicht geschadet. Und vor allem unseren Kindern nicht.
Und letztlich geht es ja um sie und nicht um uns.

Und eines, das kann nicht kopiert werden: Das Team!
Damit steht und fällt einfach alles.

Susanne Schäfer 10.09.2016, 17.50| (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulleitung

Anpassungsschwierigkeiten

Die ersten beiden unterrichtsfreien Ferienwochen waren geprägt vom Umzug. Von all den vielen unterschiedlichen Aktivitäten, Terminen, Räumungen, Planungen und Tätigkeiten, die eben anfallen, wenn eine gesamte Schule in ein anderes Gebäude umsiedelt. Die Zeit verging wie im Fluge, zwar ohne Hetze, aber angefüllt mit motivierender Arbeit.

Sich dann plötzlich und unerwartet im Krankenhaus wiederzufinden, herausgerissen aus der umtriebigen Aktivität, hereinkatapultiert in die erzwungene Passivität führte zunächst dazu, dass ich mich in den ersten Tagen - auf eine Operation wartend - innerlich unruhig, zwangsweise ruhiggestellt und voller Kribbeln fühlte.
Der behäbige Rhythmus des Krankenhaus, die Operation, das viele Liegen und Nichtstun haben dazu geführt, dass ich nun - wieder daheim - Schwierigkeiten habe, wieder in die Arbeit zurückzufinden.



Die Tage vergehen nichtstuend und lesend, Planungen und Ideen bleiben vorerst nur Gedanken und hin und wieder - in einer Schrecksekunde - wird mir klar,
dass noch sehr viel zu tun ist.

Am kommenden Montag beginnen unsere Feriencamps. Die entsprechenden Räume sind vorbereitet, die Mitarbeiter auch, aber dennoch plagt mich das Gefühl etwas tun zu müssen.

Andererseits erscheint es mir so, als bräuchte ich dringend noch einige Tage wirklicher Auszeit, krankenhauslos, um dann wieder gut und gesund und voller Elan beginnen zu können.

Also habe ich mich entschlossen, das schlechte Gewissen zu ignorieren und mir bis Montag eine Auszeit zu gönnen. Die Arbeit wird warten können, es liegt nichts an, was heute oder rmorgen besser erledigt werden könnte als noch nächste Woche.

Dass der Blog ruht, bedeutet nicht, dass die Gedanken ruhen, aber hier wird es erst wieder betriebsamer zugehen, wenn es wieder konkreter wird.
Mittlerweile sind die Sommerferien in allen Bundesländern angekommen, in einigen bald schon wieder vorbei. Bleibt, allen Kolleginnen und Kollegen eine erholsame Auszeit zu wünschen!

Susanne Schäfer 02.08.2016, 10.31| (12/12) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Dickhäuter

Manchmal werde ich gefragt, welche Bücher sich eignen, um sich auf die Schulleitungsfunktion vorzubereiten oder in den ersten Monaten gut zurecht zu kommen.
Ich antworte in der Regel, dass es keine Bücher gibt, die auf die Realität vorbereiten, aber wenn ich noch einmal diesen Weg gehen würde - und das würde ich immer wieder - würde ich mir selbst raten, nicht ganz so naiv in die neue Funktion zu gehen.





Ich habe in der Tat immer gedacht, es reicht aus, nett zu sein, seinen Beruf mit Professionalität, Hingabe, Kompetenz und Leidenschaft auszuüben, immer das Beste für Kinder, Eltern und Kollegen zu wollen und Probleme konstruktiv anzugehen und versuchen Lösungen zu finden.

So einfach ist es nicht. Das habe ich schnell gelernt und kein Buch der Welt hat mich darauf vorbereitet.

Das, was man wirklich braucht, ist eine "dicke Haut".
Darum gefällt mir das Bild des Elefanten so gut, auf das ich schaue, wenn ich daheim am Laptop sitze.

Die unterschiedlichen Bedürfnisse und Ansprüche, die von vielen Seiten auf Schulleitung einströmen, sind nicht immer leicht unter einen Hut zu bringen.
Die Balance zu halten zwischen Kooperation und Selbstbehauptung, das Aufeinanderabstimmen der Erwartungen aller Beteiligten ist und bleibt immer  spannend, kann aber auch zuweilen nervenaufreibend und zermürbend sein.

Die Vision des Teams von "guter Schule", die eigenen Visionen, das, was man bewirken möchte, kollidiert so manches Mal mit den Vorstellungen von Schulträger, Schulaufsicht, Erlassen, Gesetzen, Reformen und Lehrplänen. Ganz zu schweigen von Elternerwartungen, das, was unsere Kinder brauchen und dem, was das Team zu leisten vermag.

Rahmenbedingungen sind nicht immer optimal, die Fähigkeit zu minimieren, zu reduzieren, umzudenken und fantasievoll und effektiv mit den Gegebenheiten vor Ort umgehen zu können, fiel und fällt mir nicht immer leicht.

Aber ich habe gelernt, unbequem zu sein. Nicht zu netzwerken, wenn das Netzwerktreffen sinnlos erscheint. Nicht "ja" zu sagen, wenn wir "nein" meinen und durchaus auch mal als Querulantin und Hauptbedenkenträgerin aufzutreten und zu gelten.
Das liest sich sehr viel leichter als es ist und kostet manch schlaflose Nacht. Vielleicht, weil die Haut letztlich immer noch nicht dick genug ist, vielleicht weil Diplomatie nicht meine Stärke ist.

Das, was für mich am schwierigsten zu akzeptieren war ist, dass nicht alle Menschen einverstanden sind mit dem was wir und wie wir es tun.
Dass es immer Menschen gibt, die Fehler finden, die unzufrieden sind, die uns ihre eigenen Ideen "überstülpen" möchten, sich beschweren und das nicht konstruktiv, sondern niedermachend und durchaus auch verletzend.

Der Wechsel vom Lehrer- zum Schulleiterdasein ändert dahingehend die Position, dass die Anzahl der Institutionen, Menschen und Kooperationspartner mit denen wir uns vernetzen möchten, sollen und müssen, sich zahlenmäßig mehr als verdoppeln und wir uns mit den Erwartungshaltungen dieser Einrichtungen und Menschen intensiv auseinandersetzen müssen.

Das, was am meisten zählt, was unabdingbar ist und wertvoll ist ein gutes Team.
Wir haben das große Glück, zum einen ein Schulleitungsteam zu sein (Rektorin/Konrektorin), etwas, das heute längst nicht mehr selbstverständlich ist, aber eine ernorm wichtige Ressource, weil wir uns gegenseitig stützen, helfen und durchaus auch erden können.
Zum anderen steht ein Team hinter uns, das sich begeistern lässt, das zuverlässig ist, zusammenhält, motiviert ist und Schulentwicklung aktiv betreiben möchte und betreibt.

Ohne diese beiden verlässlichen Teams wäre Schulentwicklung nahezu unmöglich.
In dem Wissen, das Team stärkt uns als Schulleitung den Rücken - und sicher auch umgekehrt - fällt es ein wenig leichter, unbequem zu sein und Angebote von Kooperationspartnern auch einfach mal abzulehnen, wenn sie wenig sinnvolle und keine entlastende Strukturen aufweisen.

Zu lernen bleibt dennoch viel. Die "dicke Haut" wächst nicht über Nacht, auch nicht die Fähigkeit über einigen Dingen zu stehen.
Aber es lernt sich nicht aus Büchern, obwohl ich viele las, es lernt sich nur im Schulalltag und mit den richtigen Wegbegleitern.

Es war ein steiniger Weg bis heute, bis dort, wo unsere Schule jetzt steht. Es gab viele Rückschläge und ich stand oft kurz davor, alles "hinzuwerfen".
Nun bin ich froh, dass wir gemeinsam durchgehalten haben und freue mich auf den Neubeginn.

Das, was sich hier alles so leicht und nett liest, war und ist nicht immer so entspannt wie es klingen mag.
ABER es lohnt sich und ist jede Mühe wert!

Susanne Schäfer 21.07.2016, 09.21| (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulleitung

Schulinternes Logbuch

Im vergangenen Schuljahr haben wir uns damit beschäftigt, ein Logbuch für unsere Schule zu gestalten und anschließend ein halbes Jahr zu erproben.



Zunächst standen die Überlegungen im Raum, welche Intention eines solches Logbuch an unserer Schule haben sollte.
Zum einen, das war uns sehr wichtig, sollte es als Kommunikationsmittel zwischen allen an Schule Beteiligten genutzt werden.
Vormittagsbereich und Betreuungsformen sollten hier zusammegeführt werden, um gemeinsam mit Eltern und Kindern zu kommunizieren.

Gleichzeitig sollte das Buch als Kalendarium, Hausaufgabenheft sowie Elternhilfe angelegt sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt war, dass wir Wochenziele der Kinder festhalten und reflektieren wollten.
Das alles zusammen sollte nun aber übersichtlich, schülergerecht und klar strukturiert sein.

Wir entwarfen ein Logbuch und haben es im vergangenen Jahr erprobt.
Aus Kostengründen haben wir die Logbücher kopiert und jeder Kollege hat die Bücher für seine Klasse mit einer Drahtspirale gebunden.
Am Ende des Schuljahres haben wir eine Elternabfrage (schriftlich) durchgeführt, um den Optimierungsbedarf zu ermitteln und haben uns in einer Lehrerkonferenz auch noch einmal mit dem Buch beschäftigt.

Unser Logbuch ist immer für ein halbes Jahr angelegt, damit es übersichtlich bleibt und weil die Lebensdauer selten darüber hinausgeht.

Im einzelnen sieht das Logbuch in der aktuellen Version so aus:



Auf dem Titelblatt schreiben die Kinder ihren Namen, weiter geht es mit dem Impressum, das auf der Rückseite des Titelblattes gedruckt wird und es folgt die oben abgebildete Seite mit wichtigen Informationen.
Die versierten Schüler tragen den Stundenplan selbstständig ein, in Jahrgang kleben wir einen Ausdruck ein.





Der Offene Ganztag hat eine eigene Seite kreiert, die so wie oben abgebildet ausschaut.
Es ist sehr hilfreich, hier noch einmal die Abholzeiten verschriftlicht zu haben.



Seite 3 beschäftigt sich mit den Daten und Angaben des Schülers und sollte, sofern schon möglich selbstständig ausgefüllt werden. In Klasse 1 ist dabei in der Regel natürlich Hilfe notwendig und u.a. werden dann auch die Eltern gebeten, mitzuhelfen.




Es folgen drei Seiten, auf denen die Eltern die Möglichkeit haben, ihr Kind zu entschuldigen. Von einigen Eltern werden die Seiten dankend und gerne angenommen, andere schreiben weiterhin separate Entschuldigungen. Es handelt sich um ein Angebot, das genutzt werden kann, aber nicht genutzt werden muss.
Für uns ist die Bündelung natürlich praktisch.




Jede Woche besteht aus dieser Doppelseite. Montags werden die Daten der Woche eingetragen sowie die Wochenziele der Kinder. In Jahrgang 3 und 4 formulieren die Kinder individuelle Wochenziele, in Jahrgang 1, insbesondere zu Schuljahresbeginn werden allgemeine Ziele besprochen, ein Ziel favorisiert und der Lehrer tippt es, damit die Kinder es einkleben können.

Auf dieser Doppelseite können Termine und Hausaufgaben vermerkt werden, aber auch Hinweise des Lehrers oder Erziehers und Hinweise der Eltern.
Am Ende der Woche reflektieren die Kinder und entscheiden, ob sie ihr Wochenziel erreicht haben.
Das kleine Schiff fährt entsprechend weit - kommt es an der Insel an, wurde das Ziel erreicht.

Lern- und Sozialverhalten werden am Ende der Woche auch durch die Kinder reflektiert und mit dem Lehrer besprochen.
Eine Spalte dient dazu einzutragen, welche Materialien fehlen.

Das Bild oben links ist eine Orientierungshilfe. Jede Woche hat ein anderes Bild und so können sich auch die jüngeren Kinder sehr schnell und einfach orientieren.
"Sind wir in der Delfinwoche?", wird dann beispielsweise gefragt.
Oben rechts zeigen ein Schrägstrich und eine Schere an, dass eine Ecke abgeschnitten werden kann.
So schlägt man immer schnell die richtige Seite auf.
Diese Ecke haben wir neu gestaltet, die Idee kam von Elternseiten und wir fanden sie ausgesprochen gut und sinnvoll.

Im besten Fall unterschreiben die Eltern am Ende der Woche diese Doppelseite und wir wissen, dass alles gesehen wurde.

Das Logbuch endet mit den Ferienzeiten und unseren Schulregeln - beide Seiten hier nicht im Bild zu sehen.

Bislang war die Resonanz aller Beteiligten sehr positiv.
Wie alles im Schulleben, wird sich auch unser Logbuch sicherlich weiterentwickeln. Auch deshalb macht es Sinn, das Buch nur für ein halbes Jahr anzulegen.
So hat man mehr Optimierungs- und Modifizierungsspielraum.

Susanne Schäfer 20.07.2016, 19.52| (8/7) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Organisation

Im Groben fertig, die Feinheiten folgen

Vorgestern und gestern widmete ich mich nun also dem Klassenraum.
Vorgestern hatte ich netterweise Hilfe durch eine befreundete, liebe Kollegin - so dass wir gemeinsam gut vorankamen beim Kistenauspacken.




Gestern wurde ich grob fertig, alles ist ausgepackt, verstaut und die Möbel sind gestellt. Auf der schulischen Facebookseite kann man verfolgen, wie sich der Raum entwickelt und verändert hat.
Ab dem 8. August finden bereits Ferien- und Sprachcamps in den neuen Räumen statt und der zukünftige Klassenraum der "Eisbären" wird dann schon genutzt werden.
Mir lag sehr viel daran, den Raum also möglichst rasch einzurichten, so dass er nutzbar ist.

Die Bücher sind noch ungeordnet, es fehlen viele Details, der Rechner im Schrank muss noch angeschlossen werden - das jedoch wird von den Stadtwerken ausgeführt.

Es ist hier und da noch sehr schmutzig, aber man kann die groben Raumzüge erkennen und ich mag den neuen Klassenraum wirklich sehr.
In die Kreismitte kommen weitere kleine Tische. Das hat den Vorteil, dass man diese auch anderweitig nutzen und flexibel arrangieren kann.
Zusammen bilden die kleinen Tische einen großen Tisch, den wir für viele unterschiedliche Arbeiten brauchen werden.

Es mangelt an Stauraum, so dass ich mich von vielen Dingen getrennt habe, trennen musste - was durchaus positiv ist, denn man kann sich so wieder mehr auf das Wesentliche konzentrieren.

Als endlich alle Kisten ausgepackt, die Materialien verstaut, der Müll entsorgt war, war ich nicht nur riesig froh, sondern vor allem auch sehr sehr müde.
Dadurch, dass immer wieder Handwerker kamen und Fragen hatten, ich hier oder dort schauen sollte, ergab sich kein flüssiges Arbeiten , sondern eher so ein Kleckerwerk.
Das entspricht gar nicht dem, wie ich sonst gerne arbeite und ich fand das zeitweise sehr anstrengend und zermürbend.
Das jedoch kann auch daran liegen, dass privat derzeit nicht alles rund läuft und ich ohnehin angespannter als sonst bin.

Letztlich entschied ich mich, eine Gebäudeauszeit zu nehmen und war heute in der Tat nicht in der Schule, sondern bereitete hier zu Hause Dinge vor, die erledigt werden mussten.

Die Terminliste steht den Kollegen seit gestern im Teambereich zur Verfügung, heute habe ich mich der Aktualisierung des Logbuchs gewidmet, unterbrochen von diversen Corel Draw Abstürzen, die mich verzweifeln ließen.
Sobald die aktuelle Version unseres schulinternen Logbuchs fertig ist, werde ich hier ein wenig dazu berichten.

Jetzt geht es verstärkt an die inhaltliche Planung des ersten Schuljahres. Darauf freue ich mich schon, denn wie immer ist es spannend, mit neuen Kindern in einer Eins zu starten!

Susanne Schäfer 20.07.2016, 18.50| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: vor der Einschulung

So viel geschafft -- so viel zu tun

Die Umzugswoche liegt hinter uns und wir haben wirklich viel geschafft. Auf unserer Facebookseite haben wir regelmäßig in Bildern festgehalten, wie es nun im Gebäude aussieht.
Obwohl das Team Stunden über Stunden eifrigst gewerkelt hat, bleibt noch eine Menge zu tun.
Hauptsächlich in den Klassenräumen.







Heute morgen konnte man meinen zukünftigen Klassenraum kaum betreten. Ein wenig Zeit hatte ich, um zumindest das Mobiliar an Ort und Stelle zu rücken und ganze drei Kisten auszupacken.

Unendlich viele Kisten warten noch darauf, ausgepackt zu werden und vom Gefühl her, hätte ich den Raum gerne fertig, ehe ich versuche, in die Sommerentspannung zu gehen.
Da viele Termine mit dem Schulträger und/oder Handwerkern ausstehen, habe ich keinen Urlaub geplant, aber ich denke, ein wenig Schulabstinenz muss sein, um in den letzten beiden Ferienwochen dann wieder ausgeruht beginnen zu können.

Auch, wenn es goßen Spaß macht so einen nagelneuen Raum einzurichten, bleibt es eine Menge Arbeit und ich freue mich, dass ich töchterlicherseits Hilfe bekommen werden.

Der Raum als Lernumfeld gilt nicht nur in der Literatur als "dritter Pädagoge", auch ich habe die Erfahrung machen können, dass das Lernumfeld, die Lernumgebung maßgeblich zu Lernerfolgen motivieren und hinführen kann.

Wesentlicher Bestandteil meines Klassenraums ist nach wie vor der fest installierte Bänkekreis, den ich in diesem Jahr direkt an die Fensterfront stellen kann, ein lichter und heller Platz, der mir sehr gut gefällt. Anders als in den Vorjahren hat mein Klassenraum wieder eine Tafel.
Nicht, weil ich darum gebeten habe - im Gegenteil - sondern weil er offensichtlich zu einer Klassenraumausstattung gehört und ich mit meinen Argumenten diesmal nicht überzeugen konnte.
Die Fachkollegen wird es freuen und ich habe andere Möglichkeiten gefunden, meine Regale unterzubringen.

Ein wenig Sorge bereitet mir das Material und die vielen Bücher, da meine Unterbringungsmöglichkeiten eher begrenzt sind. Möglicherweise muss ich auch an dieser Stelle einfach minimieren und auf das Nötigste beschränken.

Als fatal hat sich meine Faulheit erwiesen.
Obwohl ich den Kolleginnen und Kollegen ewig in den Ohren lag, alle Kisten ordentlich mit dem Inhalt zu beschriften, ich das mit den Bürokisten auch getan habe, wurde ich bei meinen Klassenraumkisten sorglos oder eher gesagt schlunzig und erlebe nun beim Öffnen jeder Kiste so etwas wie eine kleine Überraschung.
Das erschwert das Einräumen ganz erheblich, weil man eben nicht strukturiert vorgehen kann.
ABER da muss ich wohl oder übel die eigene Faulheit ausbaden und zwar verdient.

Bis spätestens Mitte nächster Woche möchte ich den Raum fertig haben, um mich dann mehr den inhaltlichen Vorbereitungen widmen zu können.
Mal sehen, wie gut ich vorankommen werde...

Susanne Schäfer 15.07.2016, 18.46| (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

Organisationsüberblick

Zwischen den ganzen Umzugskisten und Familienfeiern, bleibt immer auch ein klein wenig Schulleitungsarbeit übrig. In diesem Jahr "hinken" wir leicht hinterher, die Halbjahresterminliste - sonst vor den Ferien fertig - liegt noch brach und muss dringend angegangen werden.
Aber da auch wir nicht mehr als arbeiten können, muss das bis nächste Woche warten.




Heute wollte ich mich eigentlich um meinen zukünftigen Klassenraum kümmern, doch zunächst gab es noch zu viel anderes im Gebäude zu tun und erst als ich ab 14.00 Uhr allein im Schulgebäude war, konnte ich ein wenig im Klassenraum herumwerkeln.  So richtig weit bin ich nicht gekommen, aber einen ersten Überblick habe ich mir verschafft.

Nachdem dann ein wenig familiäre Organisation und Teenagerbespaßung anstand, habe ich gerade eben die erste Checkliste für den Schulbeginn fertigstellen können.
Sie kann, muss aber nicht genutzt werden von den Kolleginnen und Kollegen.
Seit rund drei Jahren lege ich eine solche Liste in die Lehrerzimmerfächer. Einige nutzen sie dankbar, andere empfinden sie mitunter als einengend und belastend. Das wird sehr unterschiedlich wahrgenommen.
Da mich Strukturen sehr entlasten, ist diese Liste einfach als Hilfe gedacht. Wer sie nicht benötigt, legt sie beiseite.
Gerade zu Schulbeginn gibt es immer so viel zu erledigen und zu organisieren, dass man im Gewusel sehr schnell den Überblick verlieren kann.

So jedenfalls geht es mir manchmal, daher kam die ursprüngliche Idee dieser Liste.

Während andere nach getaner Arbeit zum Sport gehen und dort entspannen, entspanne ich am Rechner und habe Spaß beim Erstellen von Listen, Schildchen & Co.

Susanne Schäfer 15.07.2016, 18.17| (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulleitung

Umzugstag 3

Das alte Gebäude ist nun komplett leergezogen, aber schon wieder vollgestellt mit Kita Einrichtungen, die dort zwischenlagern.
Das  hat die heutige "Abnahme" ein wenig erschwert, da die Räume eben nicht leer waren und wir genau schauen mussten, sind das nun Restbestände von uns oder schon neu eingelagerte Möbel anderer Einrichtungen.



Heute früh ging es bereits um 7.15 Uhr los. Die LKWs waren bereits gestern vorgepackt worden und das Auspacken konnte sofort beginnen. In den ersten beiden Stunden gab es wenig zu helfen, so dass ich mich zunächst Schulleitungsaufgaben widmen konnte und sehr froh war, dass unser Büro so super schnell wieder funktionsfähig war.

Nach und nach trudelte das Team (größtenteils) ein und erledigte Aufgaben in den allgemeinen Räumen. Die neue Schulbibliothek wurde bestückt, Bücher einsortiert, der Medienraum hergerichtet und sortiert, der Themenkistenraum noch einmal neu geplant und ebenfalls direkt bestückt, das Lehrerzimmer weiter aufgeräumt und aufgehübscht, Unkraut im Innenhof gezupft, Pin- und Magnetwände in den Klassen befestigt und und und....

Gegen Mittag beendete das Umzugsunternehmen seine Arbeit und wir verabschiedeten uns mit einem Minigrillen und Bratwürsten.

Zu tun gibt es immer noch genug. Ich freute mich riesig, dass unser Hausmeister und unser einzig männliche Lehrerkollege in meinem Klassenraum diverse Regale, Pinnwände, Magnetwände etc. andübelten, so dass ich letztlich "nur noch" einrichten und unzählig viele Kisten auspacken muss.

Dazu kam ich heute noch wirklich, da immer irgendwer rief, nachfragte, etwas wissen wollte, Unterschriften wollte oder etwas anderes zu besprechen hatte.

Die ersten Kolleginnen verabschiedeten sich in den wohlverdienten Urlaub und erst in den letzten beiden Ferienwochen wird das Gesamtteam wieder aufeinandertreffen.

Da dann aber bereits unsere Feriencamps und die Lernmäuse im Gebäude stattfinden bzw. unterwegs sein werden, muss mein Klassenraum auf jeden Fall vorher
eingerichtet und unterrichtsbereits sein.

Ich bin guter Dinge, dass ich das im Laufe der kommenden Woche schaffen werde.
Morgen jedoch verbringe ich nur den Vormittag im neuen Gebäude, der restliche Tag gehört der Familie, da wir einen Geburtstag zu feiern haben.

Wir alle sind müde, erschöpft und immer wieder sehr sehr staubig und dreckig.
ABER mit jedem Raum, der fertig wird, steigt auch das Gefühl der Zufriedenheit und die Überzeugung, dass wir es wirklich sehr gut getroffen haben und unsere Schule einfach toll wird!
Das motiviert ungemein, denn das neue Gebäude bietet einfach zahlreiche neue Möglichkeiten und so ein Ausmisten und Entrümpeln ist ja immer auch ein Neuanfang.

Trotzdem rufen jetzt ersteinmal wieder Dusche und Bett.
Der Geburtstagskuchen ist gebacken. Mal sehen, was der neue Tag zu bieten hat.....

Susanne Schäfer 13.07.2016, 20.38| (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in:

Umzugstag 2

Ich bin furchtbar müde, äußerst dreckig und kurz vor dem Einschlafen.





Auch heute begann der Tag sehr früh und endete nach 12 Stunden Auspacken, Schieben, Schleppen, Falten, Dekorieren, Telefonieren, Aufbauen, Umbauen und
ähnlichen Tätigkeiten.
Obwohl wir - zumindest im Schulleitungsbüro - sehr viel zu Lachen hatten, war am Abend merklich die "Luft raus" und wir sehnten uns einfach nach einer Dusche, dem Sofa oder anderer Entspannung.

Das Umzugsunternehmen hat sich verkalkuliert. Was heute beendet werden sollte  - der Transport aller Kisten, Möbel etc. in das neue Schulgebäude  - muss nun morgen beendet werden.

Immer noch konnte nicht alles herübertransportiert werden. Also heißt es morgen erneut für das Team zusammenkommen und weitermachen. Zum dritten Male organisieren wir ein einfaches Mittagessen für uns und die Umzugshelfer und hoffen, dass letztlich morgen wirklich alles im neuen Gebäude beisammen sein wird.
Selbst dann gibt es noch viel zu tun.
Auch wenn wir bereits eine Menge geschafft haben, bleibt manchmal das Gefühl des "nicht-enden-wollens". Aber das ist recht normal bei einem Umzug und in dieser Größenordnung ohnehin.

Hin und wieder landen Kisten an falschen Stellen oder Regalbretter fehlen. In einem Raum liegen nun 50 Eigentumsfächer, in einem anderen gibt es (noch) keine Stühle.
Das Chaos hält sich jedoch in Grenzen und ist überschaubar, obwohl die neue Schule wirklich riesengroß ist und man sich durchaus darin verlaufen kann.

Im alten Gebäude wurden derweil  Möbel einer Kita zwischengelagert, was kurzzeitig für Verwirrung im Ablauf sorgte, aber auch das scheint nun geregelt zu sein und morgen früh kann es in alter Frische weitergehen.

Hier schrieb jemand in den Kommentaren, dass eine Schule in Abwesenheit des Teams umzieht. Nach den zwei Tagen kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Überhaupt gar nicht.
Ohne das gesamte Team ginge rein gar nichts. Jede Hand wird dringend gebraucht. Mitdenken, Mitanpacken, Mitorganisieren wird von allen verlangt und minütlich ruft jemand nach uns, um nachzufragen, Dinge zu klären und abzusprechen.

Nachdem wir der Meinung waren, unser Schulleitungsbüro sei fertig und tippitoppi, schickte uns jemand (der gerade im alten Gebäude war) ein Foto von 12 Umzugskisten, die vergessen worden waren und offensichtlich noch in unser Schulleitungsbüro sollten.
Nach kurzer Atemlosigkeit - unsere Schränke waren längst voll - fuhren wir mit eigenen Augen nachschauen, was da los war.
In der Tat gehörten noch fünf Kisten in unser Büro, der Rest jedoch waren Akten und Chroniken für den neuen Archivraum - ein Luxus, den wir im alten Gebäude so nicht hatten.

Letztlich konnte durch Umpacken und Umsortieren alles untergebracht werden und zumindest das Büro ist in der Tat nun komplett fertig.

In meinem Klassenraum jedoch - siehe Foto - herrscht noch das ganz große Chaos.
Aber die Ferien dauern noch eine Weile an und auch das wird sich alles finden.
Nacheinander.
Und vor allem nach einer Portion Schlaf.

Jetzt.
Ganz dringend.

Susanne Schäfer 12.07.2016, 21.08| (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

Umzugstag 1

Lange haben wir darauf gewartet, nun ist der erste Umzugstag - dank tatkräftiger Hilfe des gesamten Teams - geschafft.




Morgens um halb acht ging es los und zehn Stunden lang packten wir Kisten aus, schoben die ersten Tische und Stühle hin und her, richteten das Lehrerzimmer und das Büro wieder ein, aßen gemeinsam, dekorierten schon hier und dort und versuchten dem Umzugschaos Herr zu werden.

Unfassbare 916 Umzugskisten haben wir in den vergangenen zwei Wochen gepackt. Nicht zu vergessen all das Umzugsgut, das sich nicht in Kisten pferchen ließ und einfach so etikettiert wurde.

Wir baten das Umzugsunternehmen darum, zunächst das Lehrerzimmer und die Verwaltung zum neuen Standort zu transportieren.
Das Lehrerzimmer, um im Umzugstrubel einen Rückzugsort zu haben, die Verwaltung, um schnellstmöglich wieder arbeitsfähig zu werden.

Und es hat geklappt.
Das Schulleitungsbüro ist fertig, bis auf die Magnetwände, die heute früh angebracht werden müssen.
Das Lehrerzimmer steht, hielt schon das erste gemeinsame Essen aus - lediglich die Küchenzeile ist noch nicht funktionsfähig.
Unser Schulsekretariat muss zunächst mit dem Handicap leben, dass die neuen Möbel noch nicht da sind, aber unsere Schulsekretärin hat sich wunderbar provisorisch eingerichtet, die Verwaltungsrechner laufen, die Telefone funktionieren bereits wieder.

Ohne den Einsatz unseres Teams wäre allerdings nichts gegangen. Von früh bis spät putzten, schoben, räumten die Kolleginnen und Kollegen ein und aus, bauten Gartenmöbel zusammen, ordneten das Material neu um und ein. Sortierten aus, warfen weg, holten aus dem Müll zurück....

Es herrschte reges Treiben und das in den eigentlich wohlverdienten Ferien.

Heute nun ist der zweite und geplant letzte Umzugstag, wobei nicht einmal die Hälfte geschafft ist.
Es bleibt also abzuwarten, ob heute der Rest transportiert und gestellt werden kann.
Die Möbel und Kisten der meisten Klassenräume, der alternativen Betreuung "Drachenhöhle" sowie des Ganztags müssen noch transportiert werden.

Gestern hörte man einige Mitarbeiter des Umzugsunternehmens fluchen: "Die Klasse 1a hasse ich schon jetzt!"
Dies war lediglich der Tatsache geschuldet, dass mein Klassenraum eine eigene LKW Ladung ausmachte.
Einräumen kann ich meine Klasse noch nicht, da hier das Transportband des Umzugsunternehmens anliegt und sämtliche Möbel und Kisten für die 1. Etage hier ankommen und dann an Ort und Stelle gebracht werden.

Das Farbleitsystem hat sich als sehr praktisch erwiesen und bislang kam es zu keinen Problemen.
Ich finde den Umzug furchtbar spannend und liebe das neue Gebäude schon jetzt - wenn wir auch hin und wieder aufgrund der Größe noch Orientierungsprobleme haben.

Nun geht es in die zweite Runde!

Unserem Team auch an dieser Stelle ein dickes Dankeschön! Ihr seid super!

Susanne Schäfer 12.07.2016, 07.00| (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

Die Freiheit der Presse

Und schon wieder ist es geschehen.
Möglicherweise bin ich einfach zu naiv für den Umgang mit der lokalen  Presse, ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum ich in der Zeitung angebliche Zitate von mir lesen muss, die ich so nie ausgesprochen habe und aussprechen würde.





Mich ärgert das jedesmal aufs Neue sehr, insbesondere wenn es um die Zusammenarbeit mit außerschulischen Kooperationspartnern geht, die meine angeblichen Worte sicherlich auch lesen und befremdlich finden werden.

Im aktuellen Fall geht es um unseren morgigen Umzug in das renovierte und sanierte Schulgebäude einer ehemaligen Hauptschule.
Auf die Frage des Journalisten, ob wir (Schulleitung) denn überhaupt schon einmal im neuen Gebäude gewesen wären, antwortete ich sinngemäß, dass wir natürlich sehr oft - nahezu täglich in der letzten Zeit - im dem neuen Gebäude waren, um umzugsorganisatorische Absprachen mit dem Schulträger zu treffen, Räume für die Möbel auszumessen und letztlich vor langer Zeit auch, um die Räume aufzuteilen und zu verteilen.

Die Frage selbst erstaunte uns schon, denn wie ließe sich ein Umzug dieser Größenordnung organisieren, wenn wir nicht wüssten wohin es geht und wie es im neuen Gebäude ausschaut.
Noch mehr erstaunte mich, was ich dann in der Presse las.
Das Zitat, das man mir in den Mund legte, lautete: "Wir waren fast jeden Tag dort und haben den Handwerkern auf die Finger geschaut!"

Ich nehme an, hin und wieder wird die Pressefreiheit anders ausgelegt, als ursprünglich gedacht.
Falls das unter "künstlerische Freiheit" fällt, bin ich doch sehr irritiert.

Nichtsdestotrotz steht nun ersteinmal der morgige Umzug im Vordergrund.
Beim heutigen Beschriften der Türen erhielt ich schon ein Vorgefühl dessen, was uns im neuen Gebäude erwartet.
Und das wird großartig werden.

Unabhängig davon, was in der Zeitung zu lesen sein wird.

Susanne Schäfer 10.07.2016, 12.18| (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulleitung

Willkommenskultur

Etwas, das wir wie selbstverständlich leben ohne uns darüber viele Gedanken zu machen, die Willkommenskultur unseren Flüchtlingskindern und deren Familien gegenüber, gerät untereinander zu häufig in Vergessenheit.

Ich erinnere mich voller Schaudern an mein Willkommen an der Schule, an der ich mein Referendariat absolvierte. Man teilte mir direkt und unmissverständlich und in exakt diesem Wortlaut mit, ich sei als Lehramtsanwärterin in der "unteren Kaste" und hätte niedere Dienste für die gestandenen Kollegen zu erledigen.
Die zwei Jahre an der katholischen Grundschule gestalteten sich zuweilen als recht schwierig.

Als ich meine erste Vertretungsstelle nach dem Referendariat antrat, begrüßte mich der Schulleiter mit den Worten: "Sehen Sie zu, dass Sie in die Pötte kommen. Sie übernehmen ab morgen unsere I-Klasse und das ist die schlimmste Klasse hier!"

An beiden Schulen startete ich desillusioniert und frustriert, fühlte mich unwillkommen, nicht angenommen und herumkommandiert.
Das waren keine Einzelerlebnisse. Ich lernte andere Schulen, andere Schulleitungen und andere Teams kennen und immer wieder stieß ich auf eine wenig ausgeprägte Willkommenskultur.




Der erste Eindruck ist prägend. Das ist meine feste Überzeugung. Neue Mitarbeiter "zu bekommen" ist doch grundsätzlich ein wunderbar positives Ereignis, über das ich mich als Schulleitung ganz unbedingt freue.
Warum also nicht etwas von dieser Freude weitergeben und die neue Kollegin, den neuen Kollegen auf vielfältige Weise herzlich willkommen heißen?

Manchmal verstehe ich nicht, warum wir uns so schwer tun im eigenen Umgang miteinander.
Meine geschilderten Erlebnisse liegen Jahrzehnte zurück und ich war damals weit davon entfernt daran zu denken, in die Schulleitung zu gehen.
Doch als ich diesen Schritt gegangen bin, wollte ich besser machen oder anders machen, was ich selbst als negativ erfahren und erlebt hatte.

Darum kam mir die Einstellung unserer Konrektorin so entgegen: "Alle sollen gerne und ohne Bauchschmerzen in unsere Schule kommen!"
Etwas, das so simpel klingt, nicht immer einfach ist, aber zu so etwas wie unserem Leitsatz geworden ist.

Daran arbeiten wir täglich und immer wieder neu. Mal mit Rückschlägen, vielleicht weil wir selbst einen schlechten Tag hatten, mal sehr erfolgreich.

Morgen nun  wird sich eine neue Kollegin vorstellen. Eine Kollegin mit Berufserfahrung, die mirnichtsdirnichts erfahren hat, dass sie zu uns abgeordnet wird.
Das kann positiv sein und aufgenommen werden, aber auch als Belastung empfunden werden.
Und unsere Aufgabe ist es nun, eine Willkommenskultur zu entwickeln, die der Kollegin Lust macht auf unser Team, auf unsere Schule, auf uns.
Das Wichtigste dabei für uns ist sicherlich das persönliche Gespräch.

Normalerweise spielt der Raum eine große Rolle. Morgen wird das zumindest schwierig, da wir zwischen all den gepackten Kisten sitzen und allein mit unseren Schilderungen Lust machen müssen auf das neue Gebäude und den Umzug.

Neue Kolleginnen und Kollegen erhalten am ersten Tag immer ein kleines Willkommensheft.
Dabei ist das Layout natürlich Geschmackssache, aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Bündeln erster wichtiger Informationen als positiv empfunden wird.
Hier kann man in Ruhe noch einmal nachlesen, was man im Gespräch überhört oder anschließend in all der Aufregung und Im Wust all der Informationen vergessen wird.

Wir haben das Heft auf das Allernötigste reduziert, da wir keine umfangreiche und erschlagende Lektüre, sondern einen kurzen Überblick zur Hand geben möchten.
Alles Weitere ergibt sich in der Regel in Gesprächen und im Schulalltag.

Zu zeigen, dass jemand herzlich willkommen ist, wir die Unterstützung im Team brauchen und uns sehr darüber freuen ist die Basis für eine gute, vertrauensvolle und kooperative Zusammenarbeit.

Und wir freuen uns sehr auf die neue Kollegin und hoffen, dass Sie unsere Schule als Bereicherung und nicht als Belastung empfinden wird!

Susanne Schäfer 05.07.2016, 18.59| (9/9) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulleitung

Zwischen Zeugnissen und Umzugskisten

Die Tage sind aufregend und geprägt von vielen unterschiedlichen Aufgaben. Während die Zeugnisse aller Kolleginnen und Kollegen gelesen, gesiegelt und unterschrieben sind, muss ich meine eigenen noch schreiben. In Klasse 4 geht das glücklicherweise leicht von der Hand. Derzeit pendeln wir zwischen dem alten und neuen Gebäude, packen Kisten über Kisten und staunen, wie viel Inventar so ein einzelner Klassenraum beherbergen kann.





Nachdem wir uns heute, als Schulleitung, sehr lange auf der Baustelle umgesehen und anschließend diverse Telefonate geführt und E-Mails geschrieben haben, weiter Umzugskisten gepackt haben, zwischendurch im Unterricht waren, Absprachen mit der Musikschule getroffen, neue Kinder aufgenommen, uns um zerbrochene Brillen und fehlendes Ausflugsgeld gekümmert haben, nutzte ich die erste häusliche Phase zum Entspannen und Eintüten zweier Briefe an die Kinder und Eltern meiner neuen ersten Klasse.

In das Kuvert kam jeweils noch der Eisbärbutton und morgen gehen alle Umschläge in die Post. Das war so eine herrliche unbeschwerte und unkomplizierte Beschäftigung, ohne jedliche Ärgernisse und mit großer Vorfreude auf die neue Klasse.

Während ich die Briefe und Button mit der Post schicke, wählen Kolleginnen die Möglichkeit, die Briefe in den Ferien persönlich herumzubringen. Ich habe die Idee unmittelbar verworfen und mich aus pragmatischen Gründen des Zeitmanagement für die Postvariante entschieden.

In den letzten Schultagen bleibt genug zu tun.
Feinabstimmungen für den großen Schulumzug am kommenden Montag und Dienstag müssen getroffen werden. Im neuen Gebäude muss noch einiges getan werden, damit wir problemlos einziehen und dort arbeiten können.

Die Personalplanung und Absprachen mit dem Schulamt sind momentan ein brandaktuelles und wichtiges Thema und nicht zuletzt ist da auch noch meine vierte Klasse, die betreut und verabschiedet werden möchte.
Unser Abschiedsfest im Heu liegt hinter uns und nun haben wir noch den morgigen Schultag (mit einem Gang zur Eisdiele) sowie einen gemeinsamen Schulausflug mit allen Klassen zur Freilichtbühne nach Coesfeld am Donnerstag vor uns, ehe es am Freitag endgültig Abschiednehmen heißt. Nicht nur von den vierten Klassen, auch von einem sehr alten Schulgebäude, mit dem so manch einer nahezu historische Erinnerungen verknüpft.

Ich bin noch nicht lang genug an der Schule, um so etwas wie Wehmut beim Abschiednehmen vom Gebäude zu empfinden.
Das neue Gebäude mag von außen nicht so schön anzusehen sein, wie unser derzeitiger Backsteinbau, aber die Räumlichkeiten eröffnen uns ganz neue pädagogische Perspektiven und Möglichkeiten und darauf freue ich mich sowohl als Lehrerin, als auch als Schulleiterin sehr.

Doch vor der Freude kommt die Arbeit. Ich gestehe, mein Klassenraum hat definitiv zu viel Material. Die Kisten, die ich falten und füllen konnte nahmen kein Ende und obwohl fast alles verpackt ist, bleibt ein Rest und ich nehme an, auch der wird noch etliche Kisten füllen.
Das Büro ist nahezu ganz eingepackt. Unsere Verwaltungsrechner werden am Freitag Mittag abgebaut und gehen hoffentlich in der kommenden Woche schnell wieder ans Netz.
Selbiges hoffen wir von der Telefonanlage, haben diesbezüglich heute lieber noch einmal nachfragt und wurden von einem sehr netten Mitarbeiter der Stadtwerke beruhigt.
Es scheint alles seinen Lauf zu nehmen.

Das Team packt nun seit gut einer Woche, die einzelnen Arbeitsgruppen sind gut vorangekommen und das alte Schulgebäude gleicht einem Labyrinth. Überall stehen gestapelte Umzugskisten oder auch aussortierter Müll.
Während die einen im Müll noch wahre Schätze finden, sind die anderen froh, Ballast los zu werden. So unterschiedlich ist das.

An den Nachbarschulen freuen sich die Kollegien auf die Ferien und den Urlaub. Wir haben aufgrund des Umzugs darum gebeten, in der ersten und den letzten beiden Ferienwochen vor Ort zu sein, um unsere Schule einzurichten, herzurichten und lern- und lebenstauglich zu machen.

Ein Kraftakt für ein wirklich ferienreifes Team und wir sind stolz und froh, so tolle Kolleginnen und Kollegen zu haben, die ohne zu murren Kiste um Kiste packen, stapeln, beschriften und stemmen.

Das alles neben dem Unterrichtsalltag, der gerade zu Schuljahresende meist noch einmal ein richtiger Kraftakt ist. Viele Elterngespräche werden geführt, Buchgeld (Elternanteil) eingesammelt, Instrumente gesucht und manchmal auch wiedergefunden, Hefte verteilt, Abschiedsfeiern gefeiert, gesungen und für Gottesdienst und Feierlichkeiten geprobt.

Es fällt noch schwer, sich vorstellen zu können, dass wir in wenigen Tagen "drüben" sein werden.
Bis dahin könnten die Tage ein paar mehr Stunden haben.
Oder wir wagen auch hier die Entschleunigung. Schaden kann es ja nicht!

Susanne Schäfer 05.07.2016, 17.35| (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

Intelligenzentwicklung

Meine heutige Lesezeit verbrachte ich mit dem Buch "Ganzheitliche Intelligenz-Entwicklung mit Kindern von 3 bis 6" von Katharina Bäcker-Braun.
Ein - wie ich finde - äußerst spannendes Buch, das davon ausgeht, dass unsere unterschiedlichen Intelligenzen uns differenzierte Zugänge zur Welt ermöglichen.



Damit gemeint ist nicht etwa unser Intelligenzquotient, sondern acht ineinandergreifende Fähigkeiten bzw. intellektuelle Kräfte oder Kompetenzen, die harmonisch zusammenspielen.

Der ganzheitliche Ansatz des Buches ist sehr schlüssig und spiegelt das wieder, was wir täglich in Schule, Unterricht und Leben erleben.
Nach einer kurzen und sehr gut strukturierten Einleitung darüber, was Kinder brauchen, um ihre Intelligenz zu entwickeln, folgen einzelne Kapitel, die immer gleich aufgebaut sind.
Ein Zitat, ein Aphorismus leitet das Kapitel jeweils ein. Es folgt ein kurzer theoretischer Abriss und anschließend findet man zahlreiche Praxisbeispiele zu den einzelnen Bereichen.

Einge dieser Beispiel sind sehr nützlich, andere altbekannt und wieder andere (zumindest für mich) nicht umsetzbar und dies aus unterschiedlichen Gründen.

Jedes Kapitel endet mit Impulsfragen zur Beobachtung der Kinder.

Was mich besonders beeindruckt hat an dem Buch ist das Herausstellen der Komponenten, die Kinder brauchen, um lernen zu können und zu wollen.

Eine angstfreie Atmosphäre wird da zunächst angeführt, "damit sie sich in Ruhre ihrem Spiel- und damit Lerninhalt widmen können". (S.9) Auch das Bedürfnis der Kinder nach einer guten Beziehung wird aufgegriffen und es wird herausgearbeitet, dass Kinder "nicht zu vielen Reizen ausgesetzt werden." (S.9) Bezugnehmend auf Gerald Hüther, der betont: "Denn dann lernt das Gehirn nicht mehr, sondern wird nur verwirrt!"

Einen besonders großen Raum nimmt die Sprachentwicklung in dem Buch ein, die in jedem Bereich wieder aufgegriffen wird. Auch dem Erleben in der Natur werden zahlreiche Ideen gewidmet, von denen mir einige ausgesprochen gut gefallen.

Das Buch schließt mit dem ab, worauf es wirklich ankommt und diese Aufzählung kommt mir bekannt vor und vor allem sehr entgegen.
"Der Weg ist wichtiger als das fertige Ergebnis" (S. 188) ist nur eine dieser Feststellungen.

Wichtiger als der didaktische Erfolg sind Lernspaß und Lernfreude. Anstatt unser eigenes Programm auf Biegen und Brechen durchzuhetzen, müssen wir vielmehr auf die Fragen der Kinder eingehen und aufmerksam sein für die "Lernfenster" der uns anvertrauten Kinder.

Oder wie Maria Montessori einst sagte:
"Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren!"

Wir sind nach wie vor geneigt, Kindern Wissen zu vermitteln, statt Möglichkeiten zu schaffen, sich Wissen selbstständig zu erwerben. Es müsste mehr Bücher wie dieses geben. Wir müssen wegkommen von der Wissensvermittlung und hinkommen zum Wissenserwerb. Heraus aus der Passivität in die Aktivität.

Vielleicht ginge dann Schule endlich in die Richtung, die schon Fröbel nannte:

"Bei der Erziehung des Menschen muss man etwas aus dem Menschen herausbringen, nicht in ihn hinein!"

Ein wunderbarer Ansatz, um Schule anders zu denken. Nicht neu, aber dennoch wegweisend!

Susanne Schäfer 26.06.2016, 18.23| (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: QUERgelesen

Abschied und Neubeginn

Die letzten beiden Schulwochen vor den Sommerferien stehen bevor und in unseren vierten Klassen, auch in "meiner", steht der Abschied an.





Während wir unsere Abschiedsnacht am kommenden Freitag - eine Übernachtung im Heu - planen, die Zeugnisse geschrieben werden und der Klassenraum langsam geleert und ausgeräumt wird, verbringe ich gedanklich schon viel Zeit mit meinem neuen ersten Schuljahr.

Ein Abschied, so traurig er sein mag, ist ja auch immer wieder ein Neubeginn und der wiederrum ist sehr spannend.
Da bastle ich zum einen Abschiedsboxen für die Vierer und bin zum anderen damit beschäftigt, Material für die kommende Eins zu sichten, zu sortieren und zu erstellen.

Übermorgen werden die Umzugskisten geliefert, denn der diesjährige Abschied von Jahrgang 4 ist auch der Abschied von unserem alten Standort und Schulgebäude und dementsprechend trubelig werden die kommenden zwei Wochen.

Ich freue mich sehr darüber, dass die Eltern in Eigenregie eine Übernachtung im Heu organisiert haben. Ich war mit vielen Klassen schon sehr häufig auf Preens Hoff und es ist immer wieder ein wunderbares Erlebnis.

Im Klassenrat haben wir besprochen, wie wir die Abschlussfeier gestalten möchten und die Kinder haben einstimmig entschieden: "Wir möchten kein Programm! Wir möchten spielen und toben!"

Wie in meinen anderen Beiträgen geschrieben passt das wunderbar in die Themenfelder "Zeit", "Gelassenheit", "Weniger ist mehr"....
Dennoch schlug mein Herz sofort in die Richtung: "Aber das geht doch nicht, man braucht doch ein Programm!"
Ich dachte darüber nach und kam zu dem Ergebnis: Die Kinder möchten kein Programm. Ich brauche kein Programm, aber ich denke, die Erwartung der Eltern ist, dass wir etwas aufführen etc.
Ich ließ mich also von dem leiten, was ich meinte, was die Eltern dächten oder erwarten würden.
Das ist doch verrückt!

Nach Rücksprache mit zwei engagierten Müttern stellte ich jedoch fest, dass meine Gedanken über elterliche Erwartungen gar nicht immer richtig sind.
Das war ein beruhigender Moment, auch wenn es für mich hieß, dass ich mich geirrt hatte.

Nun fahren wir also in Heu.
Wir werden toben, tollen, Spaß haben.
Wir werden grillen, ein Lagerfeuer machen und es uns gut gehen lassen.
Wir werden nichts auswendig lernen, nichts vorführen, nichts darbieten.
Und dennoch bin ich sicher, wir werden uns lange an diese Abschlussfahrt erinnern.

Susanne Schäfer 25.06.2016, 13.04| (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulalltag

ALLES ist einfach zu wenig

Stundenplanbesprechung mit der Musikschule.
Wie in jedem Jahr ringen wir um die vielen JeKi und mittlerweile auch JeKITS Stunden und wie bereits seit mehreren Jahren frage ich mich, warum wir nicht den Mut haben, dieses Projekt an unserer Schule auslaufen zu lassen.....



Wir inkludieren Kinder mit den unterschiedlichsten Förderschwerpunkten, schulen zunehmend früher bzw. jünger ein, integrieren Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse, unterrichten Englisch ab Klasse 1, fördern und fordern, holen jedes Kind dort ab, wo es steht, leben mit gänzlich überfrachteten Lehrplänen, bemühen uns um JeKi und JeKITS und erkennen in all dem Wust nicht, dass das ALLES viel zu wenig ist für unsere Kinder.

Denn längst schon machen wir nichts mehr richtig, sondern alles halb.
Weniger wäre mehr.
Mehr WERT für unsere Kinder.

Das zu sagen ist nicht Mainstream. Das öffentlich zu äußern nahezu empörend. Klingt es doch danach, als gönne man den Kindern den musischen Genuss nicht. Die gänzlich andere Lebenserfahrung und kulturelle Bereicherung.

Was ich unseren Kindern vor allem gönne ist ein Lernen Ruhe und Muße. Zeit für das Lernen, das Ausprobieren. Lernen ohne Hetze. Alles mitzumachen, jedes Projekt zu unterstützen, den Vormittag noch voller werden zu lassen ist zu wenig für unsere Kinder.
Sie haben viel mehr verdient.

Sie haben es verdient, sich mit einer Sache so lange auseinanderzusetzen, bis sie sie begriffen, erlebt, durchlebt, erfahren haben.
Das ständige Anreißen von unzählig vielen Lernmomenten und unterschiedlichen Projekten bleibt nicht nachhaltig.
Vordergründiger Aktivismus, der eine tolle Außenwirkung hat, den Kindern aber keine neuen Erfahrungsräume erschließt, sondern zu Stress führt.

Natürlich ist es für Eltern eine tolle Sache, wenn die Kinder im Vormittagsbereich in den Genuss einer instrumentalen Ausbildung kommen.
Nur zu welchem Preis?
Was für die Eltern bequem ist, ein Nachmittagstermin fällt weg, bedeutet für die Kinder eine noch vollgestopftere Schulwoche. Ein nahezu unmöglich zu leistendes Organisationspensum.

Ich sehe meine eigene Tochter noch heute in Klasse 2 mit Tornister, Turnbeutel und Gitarrenkoffer zur Schule gehen. Leider gab es an ihrer Schule nicht die Möglichkeit, Jeki freiwillig mitzumachen, sondern jeder musste, ob er wollte oder nicht.

Bei uns muss nicht jeder, aber viele möchten. Viele Eltern. Bei den Kindern bin ich mir da nicht so sicher.

Nach fünf Stunden Unterricht folgt die Jekistunde. Natürlich ist die Konzentration und Motivation nicht so gegeben, wie am Nachmittag, wenn Kinder möglicherweise freiwillig Musikschulunterricht nehmen.

Kaum jemand macht sich klar, welch volle Woche die Kinder mittlerweile schon in der Grundschule haben.
Wir machen eben ALLES.
Und das klingt erstmal toll.
Ist es aber nicht.

Die Musikschule hier vor Ort leistet eine hervorragende Arbeit. Die JeKistunden an allen Schulen zu organisieren,  von Schule zu Schule zu hetzen, immer unter Zeitdruck zu stehen, Kinder an Instrumenten zu unterrichten, die möglicherweise gar nicht "ihre" sind - all das ist mit einer hohen Belastung verbunden und ich zolle den Kolleginnen und Kollegen all meinen Respekt.


Als Mama oder Papa möchte man selbstverständlich das Beste für das Kind. Und das Beste heißt in unserer Gesellschaft: Möglichst viel, möglichst früh!
Ich halte das für den gänzlich falschen Ansatz.

Da wundern wir uns, dass Kinder bereits hektisch sind, unruhig, unkonzentriert.
Das darf uns nicht wundern, denn wir machen die Kinder zu dem, was sie sind.
Wir überfrachten und überladen, immer im besten Sinne und guten Glauben, aber längst nicht gut getan.

Ich möchte zurückkehren zur Langsamkeit. Zur Nachhaltigkeit, zur Sinnhaftigkeit.
Nicht jedes Kind muss ein Instrument erlernen. Vielleicht fangen wir ersteinmal mit der deutschen Sprache an und lernen nacheinander und nicht zeitgleich ALLES.
Das macht unsere Kinder nicht zu klügeren, besseren, schnelleren, tolleren, begabteren Menschen.
Es vereitelt unseren Kindern die Chance auf angemessenes und geruhsames Lernen.

Je mehr Projekte, Vorhaben und Kooperationspartner wir in die Schule holen, je lebendiger wird es bei uns.
Aber lebendig ist nicht immer so positiv, wie es klingt.
Raumorganisation, Übergänge, fliegende Wechsel bringen vor allem eine Unruhe in die Schule, die nicht immer förderlich ist.

Alles machbar, alles organisierbar, alles strukturierbar, aber auf Kosten aller Beteiligten.

Wir holen mehr und mehr in unsere Schulen und überfrachten das System. Auch unser Schulvormittag hat nur sechs Stunden. Und Kinder brauchen Raum und Zeit zum Kindsein und Spielen. Für fantastische Kinderwelten bleibt kaum Zeit, weil die Tage exakt durchgetaktet sind.

Ich bedauere diese Entwicklung sehr. Und ich habe nicht den Eindruck, dass sie zu viel Gutem führt.

Aber als Schulleitung entscheidet man nicht (immer) autark und uneingebunden.

Versuchen wir also an anderer Stelle nachhaltig und in Ruhe zu agieren und Lernräume  und -möglichkeiten zu schaffen, die den Kindern entgegenkommen.
Wenn uns das gelingt, gelingt uns viel.

Susanne Schäfer 23.06.2016, 20.06| (12/12) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Wertschätzung

Heute nahm sich eine Kollegin die Zeit, mich kurz an die Seite zu nehmen um mir von einem Gespräch mit einer mir unbekannten Kindergartenleitung zu berichten. Diese Kindergartenleitung hatte sich sehr anerkennend und wertschätzend über die Arbeit an unserer Schule geäußert.
Und mich freute das!



Im Umgang mit den Kindern sparen wir nicht an Lob und Anerkennung. Sparsamer sind wir untereinander, noch weniger aktiv diesbezüglich im Umgang mit Eltern.
Dabei kennt jeder das warme und motivierende Gefühl, das einen durchfließt, wenn man anerkannt und gelobt wird, die eigene Arbeit, die eigene Person wertgeschätzt wird.

Ich habe mich aus zwei Gründen heute gefreut. Zum einen über das Lob einer mir unbekannten Person, das Wahrnehmen unserer Arbeit auch in Gebieten, in denen wir das nicht vermuteten und zweitens fand ich es bemerkenswert, dass die Kollegin sich die Zeit nahm, mir von dem Gespräch zu berichten!

Nichts ist ernüchternder und frustrierender als das Nichtwahrnehmen von Engament, Einsatzfreude und Kompetenz. Zu oft bleiben die Aussagen der überall zu findenden Hauptbedenkenträger hängen, überwiegen das Lob von anderer Stelle oder lassen es untergehen.

Wir wissen um die Wichtigkeit des Lobens, der Wertschätzung, der Anerkennung und dennoch denken wir zu häufig Nettigkeiten, statt sie auszusprechen.
Dabei wäre es so leicht, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, in dem man anerkennt, was sie leisten und das täglich aufs Neue.

Mich hat das kurze Gespräch heute berührt und daran erinnert, sich nicht im eigenen Dunstkreis gefangen zu halten, sondern den Blick vermehrt nach außen zu wenden und wieder bewusst wahrzunehmen, was da neben mir, um mich herum und mit mir tagtäglich geleistet wird!
Und auszusprechen, was wahrgenommen wird. Nicht davon auszugehen, dass andere um die Anerkennung wissen, die Wertschätzung erahnen.

Sondern deutlich und klar zu zeigen, wie schön es ist, dass der andere da ist, wie wichtig seine Person, seine Arbeit, sein Engament, sein Fachwissen, seine Kritikfähigkeit etc. sind.
Wenn es uns jetzt noch gelänge, das, was wir in den Klassen immerzu praktizieren auch ins Team zu tragen, ließe sich so manch eine suboptimale Situation besser auffangen und tragen.

Es ist viel einfacher als man denkt.
Man muss es nur einfach wagen.
Wertschätzung muss zur Chefsache werden.
Nicht nur, aber unbedingt auch!

Susanne Schäfer 21.06.2016, 18.37| (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Der erste Elternabend vor den Ferien

Für morgen Abend haben wir die Eltern unserer zukünftigen Erstklässler eingeladen.
Immer vor den Sommerferien gibt es die ersten wichtigen Informationen und sofern das möglich ist, lernen die Eltern die zukünftige Klassenlehrerin oder den zukünftigen Klassenlehrer kennen.





Im Laufe der letzten sechs Jahre hat sich dieser Elternabend immer wieder einmal verändert. Auch an dieser Stelle haben wir gelernt zu minimieren und zu reduzieren. Während früher der Abend mit einer Vorstellung unseres Bezirkspolizisten und dessen umfangreichen Ausführungen zur Sicherheit im Straßenverkehr begonnen hat, verzichten wir mittlerweile auf diesen Teil des Abends, da wir feststellen konnten, dass die Eltern nach der 30 minütigen Ausführung - verbunden mit einem kurzen Fernsehfilm - bereits das Interesse verloren und ungeduldig wurden.

Auch die Ausführungen der Musikschule zum Bereich Jeki, jetzt Jekits, waren für die meisten Eltern an diesem ersten Abend noch nicht von bedeutendem Interesse.
Die Fülle an Informationen erschlug die Zuhörer und wir haben gelernt, uns auf das Wesentliche zu beschränken.
Für alles andere bleibt im laufenden Schuljahr noch Zeit genug.

Nach einem allgemeinen Teil, den wir als Schulleitung moderieren, ziehen sich die zukünftigen Klassenlehrerinnen mit den Eltern ihrer Klasse in einen Klassenraum zurück und stellen dort sich selbst, Lehrwerke, Materialien und unser schulinternes Logbuch vor.

In  diesem Jahr können die Eltern noch keinen Blick in das zukünftige Klassenzimmer werfen, da die Einschulung bereits im neuen Gebäude stattfinden wird.
Die Raumaufteilung und das Unterrichten können wir aber auch in unseren alten Räumen lebhaft vor- und darstellen.

Für mich gestaltet sich der Abend morgen in Doppelfunktion. Während der allgemeine Teil keiner großartigen Vorbereitung mehr Bedarf, sieht man von einigen Ausdrucken für die Hand der Eltern ab, bereite ich mich als Klassenlehrerin durchaus noch sehr intensiv vor.

Ich versuche nach oben bebilderter Devise vorzugehen und nicht zu viel zu erklären und nicht zu schnell vorzugehen und vor allem mich selbst als Lehrperson nicht als zu wichtig anzusehen, denn wichtig sind an diesem Abend die Eltern und ihre Fragen, Sorgen und Anregungen.

Erstmalig werde ich ein erstes Schuljahr in Deutsch mit dem "ABC der Tiere" unterrichten, für mich ein ganz neuer und somit sehr spannender Weg. Unsere Schule konnte nun bereits mehrere Jahre Erfahrungen mit dem Lehrwerk sammeln und ich mache mich gerne auf diesen neuen Weg, ganz weit weg von meinen alten Lernwegen.

Lehrersein ist ständige Weiterentwicklung, das ist es, was diesen Beruf immer wieder spannend macht und ihn  neu erleben lässt.

Wir werden versuchen, den morgigen Abend so praxisnah wie möglich zu gestalten. Das Material der Materiallisten liegt in allen Klassen vor, so dass die Eltern einen ersten Überblick erhalten und wir erläutern können, was wozu gebraucht wird.
Obwohl wir in der Schule konzeptionell parallel arbeiten, gestalten sich die Materiallisten ganz unterschiedlich und jeder Lehrer geht in unserem festgelegten Rahmen durchaus eigene pädagogische Wege.

Ich freue mich sehr auf diesen Abend und bin gespannt, wie viele Eltern den Weg zu uns finden werden.
Die Eltern bringen den Kindern auch eine Kleinigkeit mit nach Hause. Ein erstes Blatt zum Ausgestalten, damit die Klasse schon mit den Werken der Kinder geschmückt werden kann und diese etwas Vertrautes vorfinden, wenn sie eingeschult werden.

Susanne Schäfer 19.06.2016, 16.28| (5/5) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: vor der Einschulung

Logistische Planungen

Unsere Schule zieht um.
Unser altes Gebäude ist für uns zu beengt geworden, zudem wird der Schiefstand zunehmend gravierender. Nun haben wir also das große Glück in ein komplett saniertes und renoviertes Schulgebäude einer ehemaligen Hauptschule ziehen zu dürfen.





Wenige Minuten Fußweg von unserem jetzigen Schulgebäude entfernt, wird noch fleißig renoviert und erneuert. Jedesmal, wenn wir vor Ort sind, entdecken wir Neues und die Aufregung steigt langsam aber sicher.

In meinem zukünftigen Klassenraum steht ein einsames, knallrotes Regal, das darauf gewartet gefüllt zu werden und auch in all den anderen Räumen bleibt einiges zu tun.

Heute in fünf Wochen sollen all unsere Möbel und Materialien und Sachen und was man sonst noch alles in einer Schule braucht schon im neuen Gebäude sein.
Kaum zu glauben, denn im alten Gebäude nimmt ja noch alles seinen alten Gang, das Schulleben erfährt keinerlei Auswirkungen durch den bevorstehenden Umzug.
Wir sind entspannt - noch.

In 12 Schultagen werden die 800 bis 1000 Umzugskisten angeliefert und nach und nach verpacken wir unsere Einrichtung.
Die ersten beiden Ferientage werden dann für den Umzug genutzt, die Sommerferien für das Einrichten des neuen Gebäudes.
Für das Team bedeutet das, dass der Urlaub nur eingeschränkt geplant werden konnte und kann und alles sich mehr oder weniger um die Umzugslogistik rankt.

Entschädigt werden wir durch eine wunderschöne, riesengroße Schule. Die neuen räumlichen Möglichkeiten sind einfach wunderbar, allein  die riesige Aula im Eingangsbereich lässt sich vielfältig nutzen.

Die Klassenräume an sich sind minimal kleiner als unsere jetzigen und ich mache mir nun schon Gedanken, wie ich alles strukturiert unterbringen kann.

Während mein jetziger Klassenraum unmittelbar neben dem Schulleitungsbüro liegt - was sehr viele Vorteile für mich hat - ist im neuen Gebäude der Verwaltungsbereich im Erdgeschoss, die Klassenräume jedoch in der ersten und zweiten Etage.
Das bedeutet, ein schnelles Hinaushuschen ins Büro wird nicht mehr funktionieren. Positiv betrachtet heißt das aber auch, sich auf eine Sache konzentrieren zu können und nicht gleichzeitig eine andere zu beginnen.

Damit der Umzug nicht im Chaos endet, haben wir vorweg gemeinsam eingeteilt, wer für welche schulischen Räume und Bereiche zuständig sein wird.
Jeder Kollege kümmert sich natürlich um das Einpacken der eigenen Materialien und richtet den neuen Klassenraum her.
Die Gemeinschaftsräume wie Lehrer- und Konferenzraum, Musik- und Computerraum, Bibliothek, alternative Betreuungsform etc. werden von Arbeitsgruppen verpackt und entpackt. Jeder konnte sich in entsprechende Gruppen eintragen und die Gruppen agieren selbstbestimmt und zu selbst festgelegten Zeiten.

Das Schulleitungsbüro verpacken wir selbst und richten es natürlich auch eigenständig wieder ein.
Obwohl wir die Möglichkeit gehabt hätten, Rektoren- und Konrektorenzimmer zu trennen, haben wir uns wieder  für die gemeinsame Version entschieden, da das unserer Arbeitsweise eher entgegenkommt und es außerdem auch viel entspannter und lustiger zugeht.

Der Ganztag, jetzt noch in einem separaten Gebäude untergebracht, wird im neuen Gebäude ebenfalls im Erdgeschoss angesiedelt sein, was wir sehr begrüßen, da die Einheit Schule und Ganztag so besser gelebt werden kann.

Insgesamt ist es äußerst spannend, mit einer ganzen Schule umzuziehen.
Alles muss sehr genau organisiert und geplant werden.
Die Beschriftung jeder einzelnen Kiste, jedes Stuhls, jedes Tisches, aller Regale muss stimmen, damit die Dinge auch am rechten Ort landen.

Netterweise durften wir als Schulleitung am Farbkonzept der Schule mitarbeiten und haben uns für ein Farbleitsystem pro Etage entschieden, was die Orientierung in dem großen Gebäude erleichtern soll.

Jeder Schulanfang birgt ja immer viel Neues und Aufregendes, aber die Chance in einem ganz neuen Gebäude zu starten bietet so viele neue pädagogische Möglichkeiten, dass das eine echte Chance für Schulentwicklung ist.

Wir freuen uns auf den Umzug und das neue Schuljahr, auch wenn die Ferien ganz der Neugestaltung gelten werden.

Susanne Schäfer 07.06.2016, 16.16| (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Organisation

Stundenplanerstellung

In meinen Jahren als Lehrerin an unterschiedlichen Schulen, genauer an fünf anderen Schulen, habe ich es als sehr belastend empfunden, den Stundenplan für das neue Schuljahr erst am ersten Schultag bzw. manchmal auch erst Wochen später zu erhalten.

Aus diesem Grund ist es mir - ist es uns - als Schulleitung wichtig, das Team vor den Sommerferien zu informieren, damit Zeit genug bleibt, sich fundiert vorzubereiten.




In den vergangenen Jahren ist es uns gelungen, den Hauptstundenplan immer vier bis sechs Wochen vor den Sommerferien zu erstellen, auch wenn die personelle Planung von Seiten der Schulaufsicht dann in der Regel noch nicht abgeschlossen war.

Aber letztlich waren jeweils nur noch leichte Modifizierungen notwendig und der Hauptplan stand, das Team konnte sich darauf einstellen.

Jeder Kollege hat bei uns die Möglichkeit zwei Wünsche zum eigenen Stundenplan anzugeben und wir bemühen uns jedes Jahr sehr, diese auch zu erfüllen. Nicht immer gelingt und das, aber in den meisten Fällen schon.
Für unsere Planungsgrundlage füllen alle Kolleginnen und Kollegen einen "Wunschzettel" aus und reichen ihn rechtzeitig ein.
Anschließend kann das Stundenplanpuzzlespiel beginnen.

In meinem ersten Jahr als Schulleitung habe ich direkt ein Stundenplanprogramm angeschafft. Ich nahm an, das würde uns die Arbeit erheblich erleichtern. Obwohl ich wirklich äußerst viel am Rechner arbeite, erwies sich das als Trugschluss.
Die Stundenplanprogramme sind in der Regel so aufgebaut, dass man vorab eingeben muss, welcher Kollege in welcher Klasse welches Fach unterrichtet.

Wir erstellen aber erst das Grundgerüst nach Wünschen und unseren eigenen Vorstellunge bzw. unseren Rahmenbedingungen und schauen dann, wie eventuelle Lücken optimal geschlossen werden können.

Wir arbeiten also nach wie vor manuell bzw. in/mit einer schlichten Word Datei.

In diesem Jahr - der Plan steht bis auf wenige Stunden - stellt sich die Gestaltung als sehr tückisch heraus. Da wir Teilzeitkräften bis zu 16 Wochentunden einen freien Tag ermöglichen möchten und dies in diesem Fall schon drei Kolleginnen sind, eine Klasse noch keinen Lehrer hat und eine weitere Klasse über das Leo Einstellungsverfahren einen Lehrer erhalten wird, mussten wir an einigen Stellen improvisieren.

Die 21 Wochenstunden Schulleitungspauschale teilen wir auf mich und die Konrektorin auf, da wir uns als Schulleitungsteam verstehen und entsprechend agieren.
Ich werde mit 18 Stunden in meinem zukünftigen ersten Schuljahr unterrichten, unsere Konrektorin mit 19 Stunden in ihrer dritten Klasse. Die eingesparten zwei Wochenstunden sind momentan noch der engen personellen Situation geschuldet, aber manchmal  hält das Schulamt für uns positive Überraschungen zu Schulbeginn bereit und wir hoffen auch in diesem Jahr darauf!

Nachdem wir auf einen Beschluss der Lehrerkonferenz über mehrere Jahre erprobt haben, den Mathematikunterricht ab Klasse 3 als Fachunterricht zu erteilen, haben wir uns nach einer umfangreichen Evaluation entschlossen, den Mathematikunterricht wieder in die Hand des Klassenlehrers zu legen und den Fachunterricht auf ein Minimum zu reduzieren.
Das bedeutet, Schwimmen, in einigen Klassen auch Sport, Englisch und Religion in Jahrgang 3 und 4 werden von entsprechend ausgebildeten Fachlehrern erteilt und ansonsten bemühen wir uns, den Klassenlehrer einen Großteil seiner Stunden in seiner Klasse unterrichten zu lassen.
Hin und wieder wird auch Kunst oder Musik von Fachlehrern erteilt, meist dort, wo der Klassenlehrer mit weniger Wochenstunden unterrichtet als die Klasse Stunden hat.

Die Abwendung von Mathematik als Fachunterricht hat uns berechtigte Kritik und kritische Fragen von mehreren Seiten eingebracht.
Wir konnten jedoch entsprechend reagieren und verdeutlichen, dass das Negative am Fachunterricht, die minimalen positiven Seiten an unserer Schule überschattet hat.

Letztlich ist es schließlich unsere Aufgabe, die für die eigene Schule optimalen Bedingungen zu erkennen und im Rahmen unserer Möglichkeiten auszugestalten.
Der Fachunterricht hat uns alle vor allem zeitlich immens unter Druck gesetzt - etwas, das wir ja vermeiden möchten und das sich letztlich immer auch auf das Lernen der Kinder auswirkt. Die Festlegung im Stundenplan bedeutete auch, es wurde immer zu einer bestimmten Zeit mit einer bestimmten Lerngruppe 45 Minuten lang Mathematik unterrichtet, etwas, das unseren Lerngruppen nicht entgegenkam.

Raum- und Lehrerwechsel hektisierten den Schulalltag. Der von uns im Vorfeld thematisierte Aspekt, man habe so zwei unterschiedliche Lehrerblickwinkel auf die Kinder hat sich durchaus bewahrheitet, aber die Sichtweisen waren meist deckungsgleich.
Das Argument, wenn einige Kinder mit dem Klassenlehrer "nicht so gut zurechtkommen" haben sie so eine echte Alternative in einem Hauptfach erwies sich eher als:
"Wenn Eltern mit einem Lehrer nicht zurechtkommen..." - durchaus auch ein berechtiger Einwand - wollen wir die Eltern schließlich mit ins Boot holen und gemeinsam zugunsten der Kinder agieren.

Erwiesen hat sich in der Schullrealität aber, dass an vielen Stellen vermeidbare Unruhe entstand und die Kinder nicht mehr, nicht besser, nicht schneller, nicht netter und auch nicht mit einem höheren Wohlfühl- oder Akzeptanzfaktor lernten.

Schule heute ist ja weit mehr als Lernen, es ist miteinander leben, miteinander auskommen, erziehen, helfen, unterstützen und Lebensberatung.
Das alles sind Aspekte, die u.a. dafür sprechen, dass wir den Fachunterricht weitgehend zu reduzieren versuchen.

Aus Sicht der weiterführenden Schulen ist das ein großer Fehler. Wir sind an diesen Stellen, im Bereich der Übergangsteuergruppen, immer wieder im Gespräch und im Austausch, aber das hier und jetzt zu thematisieren würde zu weit führen.

Unser neuer Plan liegt nun also fast fertig auf dem Rechner und uns "ärgern" noch zwei Stunden in einem vierten Schuljahr, die wir nicht optimal besetzt bekommen.
Wir hoffen aber, dem Team schon bald den Plan über den Teambereich unserer Homepage offerieren zu können!
Dort finden dann alle Kollegen ihren eigenen Plan, den Plan ihrer Klasse sowie den Hauptstundenplan als Download.
Der eigene Plan und der Plan der Klasse liegt dann als Worddatei vor, so dass eventuell noch eigene Änderungen eingefügt werden können.
Im Hauptstundenplan ist das nicht möglich.

Es wäre spannend zu erfahren, wie andere Schulen die Stundenplanerstellung händeln bzw. wie das Team eingebunden ist oder vom Stundenplan erfährt.
Wir sind immer auf der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten!

Susanne Schäfer 05.06.2016, 09.39| (7/7) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulleitung

Individuelle Förderung von Anfang an

Meine heutige Frühstückslektüre bestand aus dem Persen Band "Individuelle Förderung im Anfangsunterricht" von Ramona Wolff.
Ausgewiesen mit dem Hinweis: "Sonderpädagogische Förderung" und untertitelt mit "Grundlegende Fähigkeiten".
Das hatte mich neugierig gemacht.




Grundlegende Fähigkeiten sind ja für alle Kinder wichtig und darum habe ich mir das Buch genauer angesehen. Genau wie viele Kolleginnen und Kollegen war ich auf der Suche nach nützlichem Material, weniger nach neuen Erkenntnissen und Einsichten.
Ein grundlegendes Problem in der Praxis, das vielen  bekannt sein dürfte.

Doch dann überraschte mich das Buch.
Doch der Reihe nach.
Zunächst geht es in einem Kapitel "Vor der Schule" darum, wie Ergebnisse der Schuleingangsdiagnostik umgesetzt und genutzt werden. Ein Beispielbrief wird vorgestellt und ich stellte fest, dass wir unseren ganz ähnlich aufbauen, dann jedoch auch den Vorteil des bereits beschriebenen Förderscouts haben, der entsprechende Familien und Kinder bis zur Einschulung begleitet.

Im Buch folgen nun Förderschwerpunkte, womit wir wieder bei der Defizitorientierung wären.
ABER das Buch stellt jedem Förderschwerpunkt ein: "Stellen Sie sich vor..." voran und das fand ich nicht nur überraschend, sondern extrem bereichernd.

Kurz und präzise wird an dieser Stelle jeweils erörtert oder mit einem Beispiel untermalt, worin das Problem bestehen könnte.

Ich nehme direkt das erste Beispiel des Buches. Hier geht es darum, dass Kinder nicht zuhören (können) und unter "Stellen Sie sich vor..." wird der Leser in die Situation einer zwar interessanten aber ermüdend aufgezogenen Fortbildungsveranstaltung versetzt, um anschließend unter dem Punkt "Schon gefragt......" in die Selbstreflexion geführt zu werden.

Eine, wie ich finde, absolut ausgezeichnete und sehr hilfreiche Idee, die mich weiterbringt, als Kopiervorlagen das je getan hätten oder könnten.

Nach den Fragen zur Selbstreflexion - womit wir nahe beim gestrigen Beitrag der Selbstveränderung wären - folgen "bewährte Tipps".
Natürlich sind darunter auch altbekannte und bewährte Methoden, Ideen und Hinweise zu finden, aber manchmal ist es hilfreich, sich diese Ideen wieder bewusst zu machen.
Einige weiterführende Ideen kannte ich in der Form noch nicht unbedingt, andere wende ich seit vielen Jahren erfolgreich an.

Das Buch hält auch einige Kopiervorlagen bereit, aber der wahre Schatz besteht darin, dass der Leser aufgefordert wird darüber nachzudenken, was ER als Lehrperson ändern kann, um dem Schüler oder der Schülerin zu helfen.

Insbesondere der Punkt "Elternarbeit" hält Hinweise und Fragestellungen fest, die man sich als Lehrperson nicht oft genug in Erinnerung bringen kann.
Denn wie oft projizieren wir - ungewollt? unbewusst? - Verhaltensweisen oder geben unsere eigene Verantwort ins Elternhaus ab?

Mir hat das Buch sehr gut getan und es wird nicht bei der einen Frühstückslektüre bleiben.

Susanne Schäfer 04.06.2016, 11.38| (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: QUERgelesen

Bildungsbewegung

"Fortschritt ist nur möglich, wenn man intelligent gegen die Regeln verstößt", so zitiert Matthias Horx in dem folgenden Video Borislav Barlog.
Über den historischen Abriss des Bildungsbegriff über die Kirche bis hin zu den paramilitärischen Zügen unseres Schulsystems leitet Matthias Horx in diesem zehnminütigen Ausschnitt uns hin zu einer Bildungsbewegung der Selbstveränderung, in dem jeder einzelne sich vom Jammern befreien und auf den Weg machen kann, Veränderungen zu leben.

Mir gefällt das oben genannte Zitat ausgesprochen gut.
Es knüpft an, an meine Gedanken zur Gelassenheit und Zeit und verdeutlicht sehr schön, das Dilemma in dem wir zu stecken scheinen.

Wir wissen um die Dinge, die sich verändern müssen, wenn wir gute Schulen auf den Weg bringen möchten, müssen aber offensichtlich "intelligent gegen die Regeln verstoßen", um Veränderungen zu initiieren.

Uns ist klar, dass die in dem Video genannten Metaqualifikationen wie Kreativität, Kritikfähigkeit, Teamfähigkeit und emotionale Intelligenz weitaus wichtiger sind, als das reine Wissen in einzelnen Bereichen und dennoch fällt es vielerorts schwer, sich von den Zwängen durch Richtlinien und Lehrpläne freizuschwimmen.

BildungsBEWEGUNG ist ein schöner Begriff, denn Bildung muss sich dringend BEWEGEN, damit Veränderungen wirksam werden.
Das bedeutet aber auch, dass wir - die wir uns in Bildungslandschaften bewegen - aktiv werden müssen. Herauskommen aus unserer Komfortzone, hinein in die Unbequemlichkeit.

Und dieser Gedanke kann lähmen und uns hineinkatapultieren in das Gefühl der Ohnmacht.
"Was denn noch alles?", mag man sich fragen oder gar "sollen doch die anderen, die Oberen, die Ministerien sich auf den Weg machen!"

Nur nicht ich.
Dabei übersehen wir, dass wir uns längst auf den Weg gemacht haben. Veränderungen brauchen Zeit, aber auch winzig kleine Schritte führen zum Ziel.
Ich hätte gerne mehr von dem Leuchten, das Matthias Horx beschreibt und weniger von dem Abschalten.

Und ich bin mir sicher, dass es unzählig vielen anderen Kolleginnen und Kollegen auch so geht und sich an vielen unterschiedlichen Orten schon Bewegung entwickelt hat und weiterentwickelt.
Und das macht Hoffnung auf mehr!

Und wenn es uns gelingt, die Menschen, die die Regeln entwickeln, denen wir zu unterliegen scheinen, in unsere Schulen zu holen, bewegt sich vielleicht auch dort etwas.
Am Ursprung.
Vielleicht wird Bildungsbewegung dann eine echte Bewegung und bleibt kein plakativer Begriff.

Wir müssen uns verändern, wenn wir etwas verändern wollen und die "das war aber doch schon immer so Kultur" hinter uns lassen.
Der beste Zeitpunkt ist immer JETZT.

Susanne Schäfer 03.06.2016, 14.53| (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Methodenkoffer

In diesem Jahr haben wir uns einerseits mit kooperativen Lernformen auseinandergesetzt und andererseits in diesem Zuge unseren schulinternen Methodenkoffer evaluiert bzw. stecken wir nach wie vor in diesem Prozess.





Prozesse dieser Art können nur initiert und verfolgt werden, wenn das Team bereit ist, sich aktiv in die Schulentwicklung einzubringen. Das, womit unsere Schule am meisten überzeugen kann, sind die Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiter und Fachkräfte - unser Team - das aktiv Prozesse anstößt, weiterverfolgt und bereit ist, zu reflektieren, zu evaluieren und sich weiterzuentwickeln.

Es hat mich daher besonders gefreut, dass das Team sich - auf Anregung einer Kollegin - in diesem Schuljahr entschieden hat, die "Methode des Monats" einzuführen und im Rahmen dessen den Methodenkoffer zu evaluieren.

"Methode des Monats" trifft es nicht so ganz exakt, denn wir konferieren nicht zwingend monatlich, aber in Anlehnung an unser "Motto des Monats" passte der Name ganz gut.

Die Ideengeberin erklärte sich netterweise bereit, jeweils eine neue oder auch durchaus bekannte Methode vorzustellen und für die Konferenz und die Hand der Kollegen vorzubereiten, damit wir die Methode anschließend in allen Klassen und Lerngruppen bis zur nächsten Konferenz in unterschiedlichen Lernarrangements ausprobieren können.

Jede Konferenz umfasst nun einen Tagesordnungspunkt "Methode des Monats". Zunächst tauschen wir uns darüber aus, wie die Methode eingesetzt wurde und wie sinnvoll sie in den einzelnen Klassen und Lerngruppen empfunden wurde. Anschließend erfolgt - nach regem Austausch - die Abstimmung darüber, ob die Methode in den Methodenkoffer aufgenommen werden soll und wenn ja, in welcher Form.

Ist das entschieden, wird die nächste Methode vorgestellt.

Das Verfahren hat mehrere Vorteile:

Zum einen muss nicht jeder alles für sich vorbereiten, zum anderen probiert man so auch Methoden aus, denen man aus der Theorie heraus nicht unbedingt nahe steht und erlebt zuweilen Überraschendes.
Der Austausch im Team bringt unterschiedliche Sichtweisen und Möglichkeiten zutage und wir fordern uns selbst heraus, stetig Neues oder Unbekanntes auszuprobieren und im Entwicklungsfluss zu bleiben.

Für uns als Schulleitungsteam hat es den Vorteil, dass ein Konferenzpunkt sehr zuverlässig von einer Kollegin vor- und nachbereitet wird.
Ein großer Service in mehren Bereichen.

Kritisch anzumerken ist, dass die Methode nicht aus der unterrichtlichen Arbeit erwächst, sondern man sozusagen eine Situation entdecken muss, in der die Methode passt.
Das Zeitfenster der jeweiligen Erprobung liegt zwischen vier und sechs Wochen und eigentlich ergibt sich immer eine sinnvolle Gelegenheit,  die Methode umzusetzen.

In Klasse 4, in der ich derzeit unterrichte, kann ich die Methode bereits wunderbar mit den Kindern reflektieren. Sie entwickeln aus einzelnen Methoden eigene, weiterführende Ideen und machen kritische Anmerkungen an Stellen, die mein Lehrerauge übersehen hätte.

Für unsere Schule ist das augenblicklich eine gute Möglichkeit, in methodischer Bewegung und darüber im Austausch zu bleiben.
Das ist durchaus sehr spannend und arbeitsentlastend.

Bleibt abzuwarten, was das Team daraus entwickeln wird.

Susanne Schäfer 02.06.2016, 17.49| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Fachliches

Wichtige Ressourcen

Heute habe ich - nach langer Zeit - wieder einmal das empfehlenswerte Buch "Positive Pädagogik" von Olaf-Axel Burow herausgesucht und quergelesen. Mir gefällt - wie an anderer Stelle beschrieben - der wertschätzende Blick auf uns Menschen und insbesondere die Schülerinnen und Schüler. Der Ansatz "sich auf den pädagogischen Auftrag zu besinnen und viele der Zumutungen von außen zurückzuweisen, um sich auf die eigentliche Bestimmung zu konzentrieren" ist das, was im Schulalltag häufig zu kurz kommt.






Wir fühlen uns gehetzt. Es scheint, so meinen wir, dass es an zahlreichen Ressourcen fehlt. Wir hätten gerne schönere und größere Räume, idealerweise lichtdurchflutet und mit einem kleinen Nebenraum versehen, in dem Kleingruppen selbstständig arbeiten können.

Wir wünschen uns mehr Material, besseres Material, differenzierteres Material, weil wir denken, die Kinder dann optimaler fördern zu können.

Und nicht zuletzt, so beklagen wir zu Recht immer und immer wieder, mangelt es an personellen Ressourcen und wir fühlen die Aufgabenlast wachsen und schwer auf unseren Schultern lasten.

Während man die Ressourcenklage an vielen Stellen durchaus nachvollziehen und verstehen kann und muss, das auch kommunizieren sollte und an die richtigen Stellen weiterleiten muss, unterliegen wir - das ist jedoch nur meine persönliche Meinung - in einer Ressourcenfrage einem großen Irrtum.

Es ist die Frage nach der Zeit.

Wir fühlen uns, ich schrieb es eingangs, gehetzt. Uns läuft die Zeit davon, so meinen wir und wir möchten in den vier Jahren Grundschulzeit immer höher, weiter und schneller hinaus mit unseren  Kindern. In der irrigen Annahme, sie würden mehr lernen, sich mehr Wissen aneignen und die eigene Zukunft so besser meistern können.

Neben all den sicherlich mangelnden und fehlenden Ressourcen haben wir eines ganz sicher: ZEIT

Nur, wir nehmen sie uns nicht. Wir nehmen uns sie nicht oft und nicht radikal genug, weil wir meinen, in den Zwängen und Tücken eines Systems gefangen zu sein, das uns antreibt immer schneller immer mehr Wissen zu vermitteln statt Erfahrungen erleben zu lassen.

Damit schließe ich mich an meine Ausführungen von Samstag an bzw. führe sie lediglich fort.

Ausschlaggebend war ein kurzes Gespräch heute in der Schule mit drei Kolleginnen, in dem wir überlegten, warum es in einer Klasse zu ungewöhnlichen vielen Streitigkeiten kommt.
Meiner Ansicht nach liegt das daran, dass diese Kinder in den ersten zwei Schuljahren mehr Zeit gebraucht hätten. Mehr Zeit, um sich kennenzulernen, miteinander ins Gespräch zu kommen, die Gefühle des anderen wahrnehmen zu lernen. Mehr Zeit, sich an Schule zu gewöhnen, neue Regeln zu entwickeln und Streitigkeiten gemeinsam zu klären. Mehr Zeit zum Spielen und Toben und Ausprobieren und Erfahrungen sammeln.

Insbesondere in der Schuleingangsphase braucht es an vielen Stellen viel Zeit - viel mehr Zeit als uns lieb ist, weil wir mit unseren Ideen, Planungen und schlauen Lehrerhandbüchern auf der Strecke bleiben. Der Alltag passt sich nicht unseren Zeitvorstellungen an. Wir fühlen uns gehetzt, weil wir uns nicht von den Kindern und deren Bedürfnissen leiten lassen, sondern lieber Handreichungen fremder Menschen vertrauen, die unsere Lerngruppe nicht kennen und gar nicht einzuschätzen vermögen, was gerade eben bei uns geschieht.

Wären wir so flexibel und würden wir uns von den Kindern mit in die Zeit nehmen lassen, gäbe es diesen Druck auch nicht - oder nicht in dem Maße.

Ich las heute erstmalig im Handbuch des "ABC der Tiere". Das war eine durchaus sehr schmunzelswerte Lektüre und ich behaupte jetzt, lange vor der Einschulung meiner neuen Klasse, dass ich niemals in der Lage sein werde, den angegebenen Zeitplan einzuhalten.
Es bliebe keine Zeit für Gespräche und Flitzepausen. Für Experimente und Abenteuer, für Lernfreude und Klassenrat....
Diese Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen.

Ich möchte kein Knecht einer Handreichung sein und werden.
Jedes Kind braucht seine Zeit. Wir brauchen unsere Zeit. Niemand wird in den Klassenraum stürzen und mich geifernd fragen, warum die Kinder nicht schon dieses oder jenes gelernt hätten.
Gut, sieht man davon ab, dass ohnehin "bei den anderen alles besser ist".

Zeit ist ausreichend da, wir müssen nur wagen, sie uns zu nehmen.

Denn nicht nur die Kinder, auch wir brauchen Zeit.

Zeit, uns zu entwickeln.
Zeit, uns zu hinterfragen.
Zeit, uns weiterzuqualifizieren.
Zeit, für vielfältige Interessen.
Zeit, für Freunde.
Zeit, zu leben.

Ich habe einen Vorsatz für das neue Schuljahr:
Ich möchte mir all diese Zeit hemmungslos und ohne Schuldgefühle nehmen.
Und ich möchte das Team unserer Schule mitnehmen und nicht nur Mut machen zur Gelassenheit, sondern Mut, sich der Zeit zu stellen und sich nicht hetzen zu lassen.

Von niemanden.
Schon gar nicht von beschriebenen Papier!

Susanne Schäfer 01.06.2016, 19.24| (9/9) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Vertretungsplan

Würde mich jemals jemand fragen - nicht, als ob das je geschähe - was ich an meinem Beruf am wenigstens gerne mache, würde ich immer auf den Vertretungsplan verweisen.



Grundsätzlich fahre ich ja eher gut gelaunt früh morgens ins Büro. Wohlwissend, dass dort einiges an Schreib- und Büroarbeit auf mich wartet. Jeden Tag hege ich wieder die Hoffnung, ohne einen Vertretungsplan auskommen zu können. In diesem Schuljahr geschah dies bislang an genau zwei Tagen.
Nun ist es nicht so, als wären wir ein durchweg krankes Team.
Fortbildungen und Ausflüge, schulische Veranstaltungen, die andernorts stattfinden und natürlich kleinere und größere Unpässlichkeiten machen es nahezu unerlässlich, morgens als erstes einen Vertretungsplan zu schreiben und zu organisieren.

Unser Team ist sehr gut vernetzt über eine Vielzahl an Medien, so dass der Plan meist recht schnell an alle versandt werden kann.
Immer wieder geschieht es, dass ich gerade einen Plan fertig habe und mich die nächste Hiobsbotschaft ereilt und der Plan aktualisiert werden muss.

Das wird jeder aus dem Schulalltag kennen.
In den letzten Jahren haben wir gemeinsam ein Vertretungskonzept erarbeitet, das immer dann gut funktioniert, wenn nicht zu viele Kolleginnen und Kollegen ausfallen.

Bei der letzten größeren Grippewelle fielen teilweise bis zu sieben Lehrer gleichzeitig aus und dann trägt auch kein noch so gut erarbeitetes Konzept mehr.
Glücklichweise haben diese Situationen Seltenheitswert.

Keinen Unterricht ausfallen zu lassen, wenn etliche Stunden fehlen, ist manchmal sehr schwierig und funktioniert häufig nur über Mehrarbeit und die Bereitschaft der Kollegen, Vertretungsklassen aufzufangen.

Für Eltern ist das häufig nicht sichtbar oder nachvollziehbar.
Aus diesem Grunde haben wir u.a. das Vertretungskonzept auf unserer Homepage transparent gemacht, damit interessierte Eltern sich einen Ein- und Überblick verschaffen können.

In dieser Woche ermöglichen wir aktuell drei Schulklassen den Aufenthalt in Jugendherbergen und sechs Kollegen begleiten sie.
Bedingt durch einen Krankheitsfall im Team wird es auch jetzt wieder personell eng.
Manchmal muss man dann Prioritäten setzen und überlegen, was vorgeht.
In diesem Fall fanden wir die geplanten Klassenfahrten für die drei Klassen elementar wichtig und schränken uns dann eben vor Ort ein.

Viele Eltern können das gut nachvollziehen, andere haben Schwierigkeiten damit, dass aus diesem Grund einmalig der Religionsunterricht entfallen muss.

Der für morgen geschriebene Plan muss direkt wieder modifiziert werden. Das habe ich gerade erfahren....
Auch, wenn es Routine ist, ohne wäre schöner!

Susanne Schäfer 30.05.2016, 20.41| (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulleitung

Mut zu mehr Gelassenheit





Dieses Video kursiert derzeit nicht nur auf Facebook, sondern auch in in der hiesigen Bildungsbloglandschaft. Ich gestehe, der Name Harald Lesch sagte mir zunächst nichts. Das, was Herr Lesch in  dem Video ausführt, jedoch um so mehr.

Unser Bildungssystem ist durchzogen von Widersprüchlichkeiten, die Lehrer, Schüler und Eltern belasten.
Zum einen sollen wir jedes Kind dort abholen, wo es gerade steht. Individuelle Förderung wird überall eingefordert, nur um in Klasse 3 dann alle Kinder über exakt identische VERA Aufgaben brüten zu lassen.
Die Lehrpläne geben Kompetenzen vor, die Ende des zweiten und Ende des vierten Jahrgangs erreicht werden sollen, ohne genau das zu berücksichtigen, was wir als Lehrer im Alltag jedoch stets berücksichtigen  müssen: Stand und Lernfähigkeit unserer Kinder.

Es gibt  einen netten Spruch:

"Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!"

Wir nehmen das Recht auf Inklusion ernst, nicht aber das Recht der Kinder auf eine adäquate Ausbildung. Man stelle sich vor, man ginge mit einem Schnupfen zum Gynäkologen oder mit einem gebrochenen Arm zu Zahnarzt.
Obwohl es eigens ausgebildete Lehrkäfte für bestimmte Förderschwerpunkte gibt, traut man uns Lehrern zu, jedes Kind entsprechend fördern zu können.
Positiv betrachtet ist das ein immenser Vertrauensvorschuss.

Man traut uns - die wir nicht als Sonderpädagogen ausgebildet sind - zu, die Arbeit eines entsprechend ausgebildeten Kollegen ad hoc zu übernehmen und qualitativ gleichwertig auszuführen.
Und das ist es, was Kollegen belastet, was sie unter Druck setzt, was das Gefühl entstehen lässt, das hier in einem Kommentar so passend beschrieben wurde:

"Leider habe ich immer wieder das Gefühl, dass die Decke, nach der ich greife, an allen Enden zu kurz ist."

In unserem Team ist das immer wieder ein wichtiges Thema:
Was können wir mit unseren vorhandenen Ressourcen leisten und an welchen Stellen müssen wir mehr Gelassenheit entwickeln.

Ich plädiere für eine gesunde Gelassenheit, die zu einer gesundheitserhaltenden Gelassenheit wird!

Wir können nicht mehr als arbeiten und jeden Tag aufs Neue unser Bestes geben. Und zwar in dem vorgegebenen Rahmen, in den Räumen, die uns zur Verfügung stehen, mit den Materialien, die wir vom Schuletat anschaffen können, mit der personellen Situation, auf die wir - meiner Meinung nach deutlich zu geringen - Einfluss haben und mit den Möglichkeiten, die wir haben.

Wir können uns fachlich weiterbilden, fortbilden, Methoden und Lernansätze modifizieren, individuell fördern und vor allem auch fordern und dennoch wird immer irgendwie das Gefühl bestehen bleiben, nicht genug getan zu haben, nicht genug bewirkt zu haben, nicht jedem Kind gerecht worden zu sein.

Wenn wir bei den Kindern stärkenorientiert arbeiten, sollten wir bei uns anfangen.
Ich kann an dieser Stelle nicht für alle, aber für "meine Schule" sprechen. Für ein Team, das jeden Tag neu sein Bestmöglichstes gibt.

Die rechtlichen Vorgaben, eine Qualitätsanalyse, die Wünsche und Vorstellungen der Eltern und der uns eigene Anspruch, setzen uns unter Druck, weil wir zulassen, uns unter Druck setzen zu lassen.
Jedes Kind ist anders. Und nicht jedes Kind erwirbt im Laufe seiner Grundschulzeit vielleicht all die erwarteten Kompetenzen aus dem Lehrplan.
Vielleicht ist es gerade aus einem Kriegsgebiet geflohen und hat ganz andere Sorgen, als unseren Lehrplan zu erfüllen? Vielleicht kommt es aus einem konfliktbehafteten, privaten Umfeld, vielleicht lernt es anders, vielleicht lernt es langsamer, vielleicht.....

Ich wünsche mir für uns Kollegen, dass wir nicht länger zulassen, diesen Druck zu empfinden. Ich wünsche mir eine gesunde Gelassenheit bei gleichbleibenden Einsatz. Sprich: Eine Gelassenheit im Hinblick darauf, was wir erreichen können ohne frustiert und ausgelagt, geschunden und resigniert auf der Strecke zu bleiben.
Es wäre doch schön, wenn jeder Kollege sähe, was er alles bewirkt und bewirkt hat und bewirken wird und nicht ausschließlich darauf schaut, was eventuell nicht funktioniert hat!

Das Lehrerzimmer bräuchte auch eine "Das kann ich schon"- Wand. Wir müssen lernen, auf das zu blicken, was uns gut gelingt und ohne Scheu und Scham stolz darauf sein.

In unserem Lehrerzimmer steht ein "Sonnenschein-Buch". Hier tragen wir all die herzöffnenden Glücksmomente ein, die Schule für uns bereithält, damit wir nicht nur jammernd und leidend zusammensitzen. In arg stressigen Zeiten werden die Einträge weniger, aber wenn ich das Buch durchblättere, weiß ich, warum ich Lehrerin geworden bin.


Um auf das oben verlinkte Video zurückzukommen:
Unsere Kinder müssen Erfahrungen machen (dürfen) und sammeln können.
DAS müssen Eltern, aber auch Schule ermöglichen.

Und sie müssen Kind sein dürfen.

Warum soll das Flüchtlingskind also nicht erstmal "nur spielen" und bei uns ankommen? Wer sagt, es muss sofort täglich zehn neue Wörter lernen und darf nicht erstmal die Flucht verarbeiten?
Niemand.

Unsere eigenen Ansprüche sind es, die uns manchmal zusetzen.
Und daran können wir arbeiten. Vielleicht können wir die Rahmenbedingungen nicht alle optimieren, aber wir können unser Kopf und unser Lehrerherz gelassener werden lassen!

Es wird unseren Kindern zugute kommen!

Susanne Schäfer 28.05.2016, 18.25| (15/15) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Das Inklusionsgeschäft




Etwas irritiert nahm ich auf der diesjährigen Didacta wahr, wie Schulbuchverlage die Inklusion vermarkten und zu einem - sicherlich guten - Geschäft machen.
Materialien, die es seit Jahren gibt, werden nun mit markigen Aufklebern versehen und sind "inklusionsgeeignet", was immer das genau bedeuten soll.
Inklusion ist zu einem mächtigen Wort geworden in der Bildungslandschaft. Inklusion wird heiß diskutiert, bringt uns hier und dort an unsere Grenzen und wir sind auf der Suche nach Allheilmitteln, die uns - nicht zwingend den Kindern - die Inklusion erleichtern.

Geht der Griff dann in der Tat eher zu Materialien, die mit einem solchen  Aufkleber versehen sind?
Ich geriet in eine Diskussion mit einer Verkäuferin - wobei angemerkt sei, dass die Arme nichts für die Verkaufsstrategien des Verlages kann - und merkte, dass kein fundiertes Wissen über die Inklusionspraxis bestand.

Ich wurde darauf hingewiesen, dass kompetente Fachkräfte sämtliches Material des Verlages auf Inklusionsfähigkeit überprüft hätten und nur die Materialien einen Aufkleber erhalten hätten, die wirklich inklusionsgeeignet seien.

Einerseits war dieses Gespräch durchaus schmunzelnswert, andererseits machte es mich schon auch ein wenig sprachlos, weil Inklusion zu einem bloßen Geschäft degradiert wird und die Hilflosigkeit der Kollegen so relativ schamlos ausgenutzt wird.

Jedes Material ist inklusionsgeeignet, denn es wird immer Kinder geben, die mit genau diesem Material arbeiten und lernen können.
 
Wenn wir anfangen, innerhalb der Inklusion zu separieren, sind wir außerhalb der Inklusion gelandet. Also machen solche Aufkleber meines Erachtens wenig Sinn und zeigen eigentlich nur auf, wie hilflos wir mit der neuen Situation umgehen.

Meiner persönlichen Meinung nach gibt es keine pauschalen Inklusionskinder. Es gibt Kinder mit unterschiedlichen Förderbedarfen in unterschiedlicher Ausprägung und wie bereits seit vielen Jahren, bleibt es einfach weiterhin unsere Aufgabe, als Lehrer zu schauen, welches Material für welches Kind wann genau sinnvoll ist.
Ein Aufkleber ändert da gar nichts, außer möglicherweise tatsächlich das Kaufverhallten von uns Lehrern - was ich nicht hoffe!

Die Schulbuchverlage, jedenfalls einige, wittern eine neue Marktlücke. Auch online wird Material verstärkt mit Inklusionsfähigkeit beworben. Dabei benötigen doch alle Kinder unterschiedliche Lernarragements, unabhägig vom attestierten oder nicht attestierten Förderbedarf.

Mich erinnerten die Aufkleber an ein ebenso irritierendes Erlebnis auf einer Inklusionsfortbildung. Dort wurde mit einem "Markt der Möglichkeiten" geworben, der uns Lehrer bei der Inklusion helfen sollte.
Natürlich war das die bevorzugte Anlaufstelle aller Fortbildungsteilnehmer.

Dass dort lediglich "Lies-Mal-Hefte" auslagen, "Lük Kästen" und weitere altbekannte Materialien und Bücher war sehr ernüchternd.
Das deutlich anzusprechen jedoch ein großer Fehler meinerseits.

Wenn wir uns einfach nur klarmachen würden, das jedes Kind anders lernt und jedes Kind in seinem eigenen Tempo lernt, wären wir ein großes Stück weiter und bräuchten keine offenbar wegweisenden Aufkleber.

Den Unterrichtsalltag verändern wir nicht mit solchen Kopiervorlagen, sondern nur durch unsere Einstellung.
Inklusion fängt in unserem Kopf an. Nirgendwo sonst!

Susanne Schäfer 27.05.2016, 04.43| (14/14) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

Erste Vorbereitungen

Da die Sommerferien dem Schulumzug vorbehalten sein werden, nutze ich die Zeit jetzt, um erste Vorbereitungen für die neue Klasse zu treffen.





Die zukünftigen Erstklässler unserer Schule erhalten in den Sommerferien einen Brief ihrer Klassenlehrerin und einen großen Button. Der Button kann am Einschulungstag sichtbar an die Kleidung oder den Tornister geheftet werden, so dass schon bei der Einschulungsfeier ersichtlich ist, wer in welche Klasse gehört.

Da die Aufregung an einem solchen Tag recht groß ist, erleichtert der Button das zurechtfinden und es entsteht zudem ein erstes Gemeinschaftsgefühl.
Brief und Button liegen bereit und können kurz vor den Sommerferien in die Post gegeben werden.

Der erste Elternabend naht in Kürze. Dort wird u.a. das benötigte Material vorgestellt und die Materialliste ausgeteilt. Es hat sich an unserer Schule sehr bewährt, die Materialien am Elternabend einmal vorliegen zu haben und zeigen zu können. Wir schaffen von der Schule aus jeweils einen Materialsatz pro Klasse an, allerdings lassen wir das Sportzeug außen vor, und legen das Material am Elternabend zur Veranschaulichung aus.
Dieser Materialsatz dient dem Klassenlehrer später als Fundus für jene Kinder, die als Flüchtlinge zu uns kommen und nicht ausgestattet sind.

Mein Geschenk an die zukünftigen Kinder am ersten Schultag ist immer eine Postmappe. Eine durchsichtige Mappe mit Klettverschluss, in die ein erster Elternbrief kommt und einige bunte Papierstreifen.
Am zweiten Schultag beginnen wir ein Tagebuch zu führen und dort hinein kleben wir die bunten Papierstreifen mit guten Wünschen für den Schulanfang.
Für die Kinder, die keine Streifen dabei haben sollten, bereite ich einige bunte Streifen vor, so dass jedes Kind das Tagebuch mit netten Wünschen beginnen kann.

Diese organisatorischen Vorbereitungen gehen im Laufe der Dienstjahre immer schneller und leichter von der Hand. Man hat Erfahrungen aus den Vorjahren sammeln können und weiß, was sich bewährt hat und was modifiziert werden muss.
Obwohl ich zum sechsten Mal ein erstes Schuljahr einschule, bleibt es jedes Mal spannend und aufregend.
Einige Elemente ziehen sich wie ein roter Faden durch die Jahre, andere werden ausgetauscht und jedesmal gibt es neue Erkenntnisse, neue Bedürfnisse, neue Rahmenbedigungen und somit einen ganz neuen Zauber.

Neben diesen Vorbereitungen erstelle ich bereits einiges an Material. Mein Material werde ich nach wie vor im Zaubereinmaleins einstellen und hier in diesem Blog wird es lediglich um Intention und Einsatz gehen.

Nicht nur im Zuge der Inklusion muss der zukünftige Klassenraum eine Vielzahl von unterschiedlichen und anregenden Lernarrangements anbieten, so dass jedes Kind bereits von Beginn an individuell gefordert wird.
Ich habe bewusst "gefordert" geschrieben, da ich - wie ich an anderer Stelle bereits schrieb - es für elementar wichtig halte, stärkenorientiert zu arbeiten.

Um mich wieder ein wenig in die Entwicklungspsychologie einzulesen, nutze ich meine Sofazeit dazu einige entsprechende Bücher querzulesen. Ich werde sicher noch einmal darauf zurückkommen.

Eine neue erste Klasse zu übernehmen hat immer diesen ganz besonderen Zauber, weil man einige Jahre erfahrener geworden ist, viel dazugelernt hat, Schule, Unterricht und Rahmenbedigungen sich verändert haben und man einfach jedes Mal ganz neu starten kann.

Das ist ein großes Glück und ein immens wertvoller Schatz!

Susanne Schäfer 26.05.2016, 12.42| (7/7) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: vor der Einschulung

Das kann ich schon!

Vorgestern Abend durfte ich mit der Leiterin eines hiesigen Familienzentrums den Informationsabend für die Eltern der Vierjährigen gestalten.
Dieser Informationsabend ist laut Schulgesetz NRW (§ 36) so vorgesehen und wird in unserer Stadt von wechselnden Einrichtungsleitern gestaltet.

Vor fünf Jahren durfte ich erstmalig mitgestalten, in den Folgejahren gestalteten andere Schulleitungen mit Kollegen der Kindertageseinrichtungen diesen Abend.
Während ich vor fünf Jahren, noch recht neu in meiner Funktion als Schulleitung, auf klassiche Präsentationsmethoden setzte, entschieden wir uns in diesem Jahr dafür, die Eltern aktiv mit in den Abend einzubeziehen und ließen Beamer und Power Point komplett außen vor.

Nach einer Einführung durch die Kollegin des Familienzentrums baten wir die anwesenden Eltern darum, doch einmal auf Sonnenstrahlen zu notieren, was ihre Kinder bereits alles gelernt haben und können.
Es war uns ein Anliegen stärkenbasiert zu arbeiten, obwohl wir ein wenig bange waren, ob die Eltern sich überhaupt motivieren lassen würden, mitzugestalten.

Das Ergebnis übertraf all unsere Erwartungen:







Die Eltern schrieben - voller Stolz und das zu Recht  - sehr viele Lernerfolge ihrer Kinder auf. Eine gute Grundlage, um anschließend überzugehen zu dem Thema Grundschule und Basiskompetenzen.

Wir fragten die Eltern danach, was sie glaubten, was wichtig sei für eine geglückte Einschulung und einen guten Schulstart ihrer Kinder und auch hierbei kam  eine unglaublich umfassende Sammlung heraus, die ich als Einstieg nutzte.

Der Abend gestaltete sich somit mehr im Dialog als im Monolog und die zahlreichen Fragen der Eltern zeugten von großem Interesse.
Auffällig war, dass viele noch das klassische Schulbild von früher vor Augen hatten. Alle lernen im Gleichschritt dasselbe.

Es ist schwierig, Eltern zu vermitteln, das Unterricht heute ganz anders ist und nicht nur im Zuge der Inklusion anders gestaltet werden muss.

Ein spannendes und weites Feld, das hier sicher noch einmal an anderer Stelle aufgegriffen wird.

Am Ende des Abends hatten wir den Eindruck, dass die Eltern die Veranstaltung durchaus lohnenswert fanden.

Mir hat es noch einmal bewusst gemacht, wie wichtig es ist, wertzuschätzen was die Kinder alles schon an Lernvoraussetzungen mit in die Schule bringen.
Jedes Kind kann ganz viel, wenn es eingeschult wird, nur eben nicht alle dasselbe.

Schule ist häufig noch zu sehr geprägt von der Defizitorientierung. Da wir individuell fördern sollen, müssen und wollen, blicken wir natürlich zuerst auf das, was gefördert werden muss.
Meiner Ansicht nach ist das nicht unbedingt der richtige Ansatz. Ausgehend von den Stärken der Kinder lassen sich diese sicherlich weitaus besser motivieren und vor allem stärken wir so ihr Urvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Der Abend hat mich insofern gedanklich noch einmal weiter gebracht und ich werde in der neuen Klasse mit einer "Das kann ich schon!" - Wand arbeiten, an der wir über das Schuljahr hinweg und zwar von Anfang an dokumentieren, was jedes einzelne Kind schon kann, gelernt hat und welche Stärken es hat.


Der Abend hat übrigens auch gezeigt, das weniger oft mehr ist. Während ich mich vor fünf Jahren gedanklich noch in vielen Stunden auf einen solchen Informationsabend vorbereitet habe, belief sich die Vorbereitung in diesem Jahr auf nicht mehr als 30 Minuten. Es fand eine kurze Absprache mit der Kollegin des Familienzentrums statt. Wir waren uns sehr schnell einig. Ich schnitt einige Sonnenstrahlen aus, sorgte für Schreibmittel und Pinnnadeln und alles andere ließen wir spontan geschehen und sozusagen aus uns heraussprudeln.

Die Eltern leiteten uns durch ihre aktive Mitarbeit durch diesen Abend. Nun muss jedoch noch überlegt werden, wie in den kommenden Jahren mehr Eltern mit Migrationshintergrund erreicht werden können.
Das ist das Schöne an Schule: Nichts bleibt wie es ist, Leben ist stete Weiterentwicklung.

Ein ewig spannender Prozess.

Susanne Schäfer 26.05.2016, 09.26| (9/9) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: vor der Einschulung

Zeitmanagement

Die Wochen bis zu den Sommerferien sind überschaubar. Mit der kommenden Woche sind es genau sechs Wochen und dann steht für unsere Schule der lang herbeigesehnte Schulumzug an und wir dürfen in ein schönes, viel größeres Schulgebäude ziehen.





Bis dahin gibt es noch einiges zu erledigen und Zeitmangement ist diesbezüglich immer ein großes Thema.
Ich versuche, in organisatorische Bereiche zu gliedern und zu unterscheiden.
Momentan wären das beruflich die Bereiche:

gesamte Schule
Schulleitung
Klasse 4
neues erstes Schuljahr

Wobei die Bereiche sich häufig überschneiden.

Privat erfordert auch das Familienleben mit zwei heranwachsenden Töchtern einiges an Organisation.
Beides zu vereinbaren ist manchmal - das wird jede berufstätige Mutter wissen - ein Balanceakt.

Um einen Überblick über die anstehenden Aufgaben zu behalten, sammle ich in einem schlichten Kalender alles an Aufgaben und Terminen, was in nächster Zeit anliegt.
Momentan wären dies:

gesamte Schule

- Planung eines Ausflugs mit allen Klassen zur Freilichtbühne Coesfeld am vorletzten Schultag
- Bundesjugendspiele
- Fußballstadtmeisterschaften und Trainingseinheiten
- Kinderkonferenz
- Abschlussgottesdienst
- Zeugnisse
- Zeugniskonferenz
- Elterndankeschöncafé
- Umzugsorganisation
- konzeptionelle Änderungen aufgrund des Umzugs
- geplanter Offener Unterrichtsbeginn zum neuen Schuljahr
- Einweihung der neuen Schule
- Klassenfahrt Jahrgang 3
- Evaluation schulinternes Logbuch
- Auftritt der Jekits Kinder bei der Einblick Bildungsbörse


Schulleitung


- Informationsabend Eltern Vierjähriger
- Schulträgersitzung
- Schulleiterdienstbesprechung
- wöchentlicher Jour fixe Ganztag
- Konferenzvorbereitung
- Elterngespräche
- Organisation Eignungspraktikant
- dienstliche Beurteilungen
- AO-SF Gespräche
- Teamcoaching
- Planung der Einschulungsfeier
- neuer Stundenplan für das kommende Schuljahr
- Halbsjahres- und Jahresplanung 2016/2017
- Auswahlgespräche LEO
- Teamsitzungen Schulpflegschaft
- Abschied von Kolleginnen
- erster Elternabend zukünftige Erstklässler
- Jubiläumsfeierlichkeiten Nachbarschule
- Vertretungspläne
- Schulbuchbestellung
- Kooperation Förderscout
- Zeugnisse lesen, unterschreiben
- BUT Anträge
- Stundenplanabsprache Musikschule (Jekits)
- Abschlussgottesdienst (Schlusswort)
- Willkommensheft für die neuen Eltern anfertigen/modifizieren
- Vorbereitung Schulkonferenz
- Vera Konsequenzen mit Kollegen besprechen


Klasse 4

- Abschlussfest mit Übernachtung im Heu
- Abschlusskisten gestalten
- Unterricht
- Ausflug planen und organisieren
- Abschlussgottesdienst
- Klasse ausräumen
- Klassenraum umzugsfertig machen
- Elternbriefe schreiben
- Kinderbriefe schreiben
- Zeugnisse schreiben


neue erste Klasse

- ersten Elternabend planen
- Klassenraum nach Umzug einrichten
- mit Lehrwerken vertraut machen
- Ferienbrief an Kinder schreiben und mit Button versenden
- Halbjahres- und Jahresplanung verschriftlichen
- Material zusammenstellen
- Namensschilder anfertigen
- Postmappe der Kinder zusammenstellen
- 1. Schultag planen
- Absprachen mit den Parallelkolleginnen treffen
- Logbuch für die Kinder anfertigen
- Materialliste
- Material zum Vorstellen am Elternabend besorgen
- helfende Hände vorbereiten
- Stundenplan
- und weitere Kleinigkeiten

Im Tagesverlauf sieht das so aus, dass ich möglichst früh in die Schule fahre, da ich ein Morgenmensch bin. Außerdem genieße ich die absolute Ruhe in der Schule, wenn ich um viertel vor sechs ins Büro komme und kann dann ungestört viele Schulleitungsaufgaben abarbeiten und erledigen.
Das Telefon klingelt im der Regel noch nicht - es sei denn, es kommen Krankmeldungen herein - und man schafft in der Zeit bis kurz nach sieben (dann kommen die ersten Kolleginnen) sehr viel.
Der Vertretungsplan wird als erstes erstellt.
In diesem Schuljahr hatten wir zwei einsame Tage lang in der Tat keinen Vertretungsplan, ansonsten liegt immer etwas an.

Anschließend kümmere ich mich um die Post und die Mails und wenn die Kollegen eintrudeln klären wir alles, was aktuell Klärungsbedarf hat und genießen kleine durchaus private Plaudereien.

Vor dem Unterricht finden dann kurz Absprachen mit der Schulsekretärin statt und anschließend folgt der Unterricht.
Nach dem Unterricht erfolgt dann alles an Planung, was wir als Schulleitungsteam gemeinsam besprechen und erledigen können.
Jetzt finden auch Gespräche mit Kooperationspartnern, Eltern und Kollegen statt, die terminiert wurden.
Die unterminierten Gespräche schieben wir ein - wer kennt das nicht.

Am Nachmittag liegen Konferenzen, Sprechtage, Schulleiterdienstbesprechungen und abends sind dann hin und wieder Infoabende oder auch mal ein Schulleiterstammtisch.

Viele der aufgelisteten Arbeiten sind mittlerweile Routineaufgaben geworden und erfordern nicht mehr so viel Aufwand wie zu Beginn meiner Tätigkeit.

Das, was uns in  nächster Zeit umtreiben wird ist der Schulumzug. Mit einer ganzen Schule umzuziehen ist eine logistische Herausforderung. Da wir uns alle aber riesig auf das neue Gebäude und die damit verbundenen neuen Möglichkeiten freuen, nehmen wir diese Herausforderung gerne an und sind gespannt darauf, wie wir als Umzugsteam miteinander kooperieren werden!

Susanne Schäfer 24.05.2016, 12.46| (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Schulleitung

Schnuppertag - die Praxis



Der Aufbau in der Turnhalle erfolgte heute morgen um acht Uhr. Die 15 Stationen waren schnell aufgebaut und mit Illustrationen und Stationskarten versehen. Das Material für den Schnuppertag lagert eingekistet in unserem Medienraum und ist jederzeit griffbereit. Die Heftchen für die Schulneulinge hatte ich am Wochenende ausgedruckt und gebunden. Eine Kollegin kümmerte sich um Trinkpäckchen und eine kleine Süßigkeit für alle Kinder lag auch bereit.

Den Raum für das Elterncafé hatte ich gestern vorbereitet, die Einladungen zum 1. Elternsprechtag waren eingetütet.
Die Kinder und Eltern konnten kommen.

Da ich die 1a übernehmen werde, war meine Gruppe heute morgen um 8.00 Uhr als erstes an der Reihe.
Lediglich zwei Kinder kamen nicht, alle übrigen waren da und wurden von meinen Viertklässlern wunderbar einfühlsam und mit hoher Motivation empfangen und betreut.

Nach dem Umziehen setzten wir uns zunächst alle in den Sitzkreis, begrüßten uns und natürlich Konstantin und ohne großartige Erklärungen ging es nun direkt an die 15 Stationen.
Da die Großen die Kleinen betreuten, hatte ich eine Stunde lang Zeit, die Kinder zu beobachten und das war ganz wunderbar.

Ich versuchte, mit jedem neuen Kind kurz zu sprechen, es zu bestärken und zu loben und genoss die ruhige Stimmung und freundliche Athmosphäre.
Ich verzichte grundsätzlich darauf, in dieser Situation Notizen zu machen, da die Kinder einfach unbeschwert eine Spielsituation in der für sie neuen Schule und Lerngruppe erleben sollen und es um das Kennenlernen und nicht um eine irgendwie geartete Diagnostik geht.

Man sieht viel mehr, wenn man nicht bemüht ist, alles in Worten zu verschriftlichen, einzugrenzen, abzuchecken und zu katalogisieren.

Die Stunde verging wie im Flug und mein Eindruck war, dass alle Kinder Spaß hatten, sich wohl fühlten und sich angenommen fühlten.
Anschließend brachte ich die Kinder zu den Eltern zurück, die während der Stunde in einem Elterncafé betreut wurden, Fragen stellen konnten und erfuhren, dass ich die Klassenlehrerin ihrer Kinder sein werde.

Die nächsten drei Lerngruppen schlossen sich nach und nach an und ich stand - gemeinsam mit unserer Konrektorin - den anderen Klassen im Elterncafé als Ansprechpartnerin zur Verfügung.
Manchmal gab es organisatorische Fragen, kleine Probleme konnten geklärt werden und hin und wieder fanden auch schon Diskussionen rund um den doch sehr individualisierten Unterricht statt.

Fazit aller beteiligten Kolleginnen war, dass der Vormittag wunderbar gelaufen ist, wir ganz viel Lust auf die neuen Klassen bekommen haben und mit großer Spannung dem Sommer entgegen sehen.

Das Zusammenspiel der erfahrenen Grundschulkinder mit den zukünftigen Erstklässlern ist immer wieder ein Herzensöffner.

Wir hoffen nun, dass Kinder und Eltern genauso zufrieden und motiviert aus dem Vormittag gegangen sind wie wir!

Susanne Schäfer 23.05.2016, 17.22| (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Übergang

Schnuppertag - die Theorie

Bereits 2011 haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie der Übergang für die zukünftigen Schulkinder optimalerweise gestaltet werden sollte. Gemeinsam erstellten wir das Konzept eines "Schnuppertags" an unserer Schule.





Bereits zum fünften Mal führen wir diesen nun morgen durch und es bleibt jedes Jahr spannend und aufregend.
Intention war und ist, den organisatorischen Aufwand so gering wie möglich zu halten, Eltern, Kinder und - sofern möglich - die zukünftige Klassenlehrkraft mit einzubeziehen und die Kinder bereits erstmalig in den zukünftigen Klassenverbänden zu erleben.

Leitfigur ist, wie auch bei unserer Schuleingangsdiagnostik, der kleine Drache Konstantin.
Gemeinsam mit den Viertklässlern als Paten dürfen die Schulneulinge morgen in der Turnhalle viele unterschiedliche Stationen bespielen und erleben und erhalten dafür einen kleinen Schulkindpass.

Zeitgleich lernen sich die Eltern in einem Elterncafé näher kennen und erhalten weitere Informationen.
So wird die Einladung zum ersten Elternabend verteilt und ein kleiner Flyer mit einer Übersicht über den Einschulungstag.

Wir erläutern den Eltern, was gerade in der Turnhalle geschieht und offene Fragen können geklärt werden.

Im Elterncafé begleiten wir in der Regel als Schulleitung die Eltern. Da ich morgen aber auch meine zukünftige Klasse in der Turnhalle begleiten möchte - und zwar ganz unbedingt - wird das erste Elterncafé von unserer Konrektorin und dem Förderscout begleitet.

Die anderen drei Klassen begleitet der Förderscout in die Turnhalle, so dass wir als Schulleitungsteam im Elterncafé anwesend sein können.

Es ist jedes Jahr interessant, die Viertklässler in ihrer Rolle als Paten zu erleben. Bislang haben uns viele Kinder durch ihre große Empathie überraschen können.
Für die Lehrkräfte bleibt viel Zeit, die Kinder zu beobachten und im ersten Miteiander agieren zu sehen.

Anders als in den Vorjahren schulen wir in diesem Jahr eine Klasse mehr ein, so dass wir das Zeitfenster pro Klasse auf 60 Minuten kürzen mussten.
90 Minuten sind wesentlich angebrachter, aber das ist lediglich bei drei Einschulungsklassen organisatorisch machbar.

Wir werden sehen, an welchen Stellen wir die Zeit einsparen können.

Im kommenden Jahr können wir sicherlich wieder auf die 90 Minuten zurückgreifen.

Ich freue mich schon sehr auf die neue Klasse. Die letzten Wochen vor den Sommerferien sind bei der "Abgabe" eines vierten Schuljahres immer sehr ambivalent geprägt.
Zum einen möchte man die 4. Klasse gut und solide zuende führen. Zum anderen beginnen die Vorbereitungen für die neue Klasse und die Vorfreude steigt.

Welche Überraschungen der morgige Schnuppertag für uns bereithält wissen wir noch nicht - ich gehe aber davon aus: nur positive!

Susanne Schäfer 22.05.2016, 08.53| (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Übergang

Klassenbildung

Vor zwei Wochen nahmen wir uns als Schulleitung einen Nachmittag Zeit, um die neuen ersten Klassen zu bilden. In diesem Jahr dürfen wir an unserer Schule - ausnahmsweise - vier Eingangsklassen bilden, was uns sehr freut.






Die drei abgebenden Viertklasslehrerinnen, unter anderem  eben ich, werden ein erstes Schuljahr übernehmen und für das vierte erste Schuljahr läuft derzeit eine Stellenausschreibung über das Portal LEO NRW.

Da wir am kommenden Montag unseren Schnuppertag durchführen, bei dem die Kinder erstmals im neuen Klassenverband zusammenkommen, war es wichtig, die Klassen rechtzeitig zur Einladungsfrist zu bilden.

In den letzten Jahren hat es sich bei uns bewährt, die Kinder zunächst nach "Mädchen" und "Jungen" und innerhalb dieser beiden Gruppen noch nach "mit Migrationshintergrund" und "ohne Migrationshintergrund" zu sortieren.

Weitere Kriterien sind die ermittelten Förderschwerpunkte, Religionszugehörigkeit, besuchter Kindergarten, Sprachfähigkeit, das Einschulungsalter, individuelle Betreuungssituationen sowie die angegebenen Wünsche der Eltern bzw. Kinder.

Die Förderschwerpunkte wurden bereits im November in einer ersten Eingangsdiagnostik ermittelt. In Kleingruppen kommen die Kinder hierbei zusammen und helfen "Konstantin" durch den Zauberwald zu kommen.
Die Diagnostik wird grundsätzlich von uns als Schulleitung durchgeführt, da wir alle zu uns kommenden Kinder und deren Eltern kennenlernen möchten.
Mit dabei ist, sofern stundenplantechnisch möglich, unsere sonderpädagogische Fachkraft, sowie unser "Förderscout", ein Luxus, auf den wir sehr stolz sind und den wir sehr zu schätzen wissen.
Aufgabe des Förderscout ist es, die Familien der Kinder ab November zu begleiten, bei denen wir Förderbedarfe festgestellt haben.
Die Zeit bis zur Einschulung kann so, sofern die Eltern kooperieren, sehr gut für Fördermöglichkeiten genutzt werden. Sei es Logopädie, Ergotherapie oder eine Betreuung durch die schulpsychologische Beratungsstelle.
Einige Kinder kommen auch regelmäßig in unsere wöchtentlich stattfindende Vorschulgruppe in unsere Schule.

Das Bestreben aller Beteiligten ist es, den Übergang in die Grundschule für jedes Kind so "angenehm" wie möglich zu gestalten.

Bei der Religionszugehörigkeit, der Sprachfähigkeit, dem Alter und dem Geschlecht achten wir bei der Klassenbildung auf eine möglichst ausgewogene Mischung in den einzelnen Klassen.

Bei der Anmeldung dürfen die Eltern bzw. das Kind einen Wunsch angeben. Lehrerwünsche nehmen wir grundsätzlich nicht entgegen, da zum einen die personelle Situation für das neue Schuljahr im November noch nicht geklärt ist, wir andererseits aber auch keine "Lieblingslehrer" an unserer Schule herausstellen möchten.

Jedes Kind darf, sofern es möchte, sich einen Freund oder eine Freundin in die Klasse wünschen und sollte das entsprechend gewünschte Kind sich im Gegenzug denselben Freund, dieselbe Freundin gewünscht haben, erfüllen wir die Wünsche gerne, es sei denn pädagogische Gründe sprechen dagegen.

In den Vorjahren haben wir rasch gelernt, dass die Einschränkung "sich gegenseitig wünschen" notwendig wurde, da einige Eltern sich über A wünscht B und B wünscht C  und C wünscht D sozusagen eine ganze Kindergartengruppe in einer Klasse gewünscht haben. Dies hat sich als sehr ungünstig für die Klassenkonstellationen erwiesen.

Eine zusätzliche Herausforderung ist es, die Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse so auf die Klassen zu verteilen, dass ausreichend Dolmetscherkinder zur Verfügung stehen, ohne dass sich innerhalb der Klassen eigene kulturelle Gruppen bilden, die sich ausschließlich in ihrer Muttersprache unterhalten.
Derzeit integrieren wir an die 30 Flüchtlingskinder in unseren Klassen, wobei sich die Zahl durch die permantenen Abschiebungen und Zuzüge täglich ändert.

Für den neuen ersten Jahrgang erwarten wir noch viele Zuzüge weiterer Flüchtlingskinder in den kommenden Wochen.
Wir haben ausschließlich positive Erfahrungen  mit der Integration der Kinder ohne Deutschkenntnisse gemacht und uns sehr bewusst gegen eine Vorbereitungsklasse entschieden.

Dies geschah, nachdem ich für einige Wochen in eine solche Vorbereitungsklasse abgeordnet war und selbst Erfahrungen sammeln konnte.

Beim "Schnuppertag", den ich noch erläutern werde, erleben wir die Kinder und die Kinder sich selbst erstmalig im neuen Klassenverband. Wir behalten uns vor, eventuell noch Änderungen an der Einteilung vorzunehmen, sofern sich ergibt, dass zwei Kinder besser nicht in dieselbe Lerngruppe sollten.
In den letzten Jahren kam das jedoch nicht ein einziges Mal vor.

Eltern jedoch kamen in jedem Jahr, um nachzufragen, ob das Kind noch die Lerngruppe tauschen kann.
In der Regel klären wir in einem Gespräch die Beweggründe und entscheiden anschließend individuell.
Auch hier kam es in den vergangenen Jahren zu keinem nachträglichen Wechsel mehr.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Eltern größere Sorgen um die Einschulung haben als die Kinder selbst, die den anderen meistens offen und unvoreingenommen begegnen.

Susanne Schäfer 21.05.2016, 13.46| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Schulleitung

Klassenmaskottchen




Es gibt nichts, was im pädagogischen Bereich nicht hinlänglich und kontrovers diskutiert wird. So natürlich auch die Bezeichnung von Lerngruppen und Klassen mit einprägsamen Namen, manchmal in Verbindung mit einem Klassenmaskottchen.
An unserer Schule werden die Klassen zunächst einmal ganz traditionell mit Jahrgang und Buchstaben benannt. So gibt es in jedem Jahrgang die Klasse a, b und c.

Im kommenden Schuljahr wird es auch eine Klasse 1d geben, da wir in diesem Jahr vierzügig werden.
Die klassische Bezeichnung hat Vorteile im Bereich der Statistik und Datenverarbeitung und wird in jedem Falle beibehalten.
Zusätzlich hat es sich aber sehr bewährt, den Klassen individuelle Namen zu geben, meistens in Verbindung mit einem Klassenmaskottchen.

Während wir in der Unterrichtspraxis vor Ort bislang nie auf Ablehnung gestoßen sind, werden solche Bezeichnungen im Internet durchaus kontrovers diskutiert.
Nicht nur in Lehrer- sondern auch in Elternforen findet man die Hinweise darauf, dass Schulkinder so bewusst "klein gehalten werden", keine Abgrenzung mehr zum Kindergarten stattfindet, der Niedlichkeitsfaktor zu hoch ist und die Psyche der Kinder darunter leidern könnte, wenn sie sich dauerhaft mit einem bestimmten Tier oder einer bestimmten Zeichnung in Verbindung gebracht sehen.

Häufig fällt der Begriff der "Kuschelpädagogik" und Klassenmaskottchen werden mit einem Verhätscheln der Kinder gleichgesetzt. Manchmal wird man auch schlicht nachsichtig belächelt und unreflektiert in den "Primimaussektor" abgeschoben.

In den letzten Jahren wurde das Einschulungsalter hier vor Ort etappenweise gesenkt. Die Kinder, die nun eingeschult werden, sind deutlich jünger als die Kinder, die noch vor wenigen Jahren eingeschult werden. Darunter viele Kinder mit jahrelanger Kindergartenerfahrung, aber ebenso viele Kinder, die bis zur Einschulung in familiärer Umgebung aufwuchsen und nun das erste Mal viele Stunden am Tag aushäusig verbringen.

Entwicklungspsychologisch betrachtet macht das Senken des Einschulungsalters einen deutlichen Unterschied aus. Wir haben vor Ort die Erfahrung gemacht, dass ein Klassenmaskottchen die Kinder nicht unnötig "klein" hält, sondern es ihnen erleichtert, sich einer neuen Gruppe zugehörig zu fühlen.
Nicht die Kinder werden zu Eisbären in der Eisbärenklasse, sondern Ole, der Eisbär begleitet sie ein Stück ihres Weges.

In meinen vergangenen Jahren als Lehrerin habe ich in jedem Durchgang erlebt, wie wichtig das Klassenmaskottchen in Klasse 1 ist. Es wird geliebt, gehegt, gepflegt und gerne mit nach Hause genommen. Es dient als Gesprächs- und Schreibanlass, erlebt mit den Kindern zusammen viele aufregende und neue Dinge und gehört einfach dazu.
Bereits im zweiten Schuljahr wird die Distanz zum Klassenmaskottchen bei einigen Kindern größer. Es gehört nach wie vor dazu, man identifiziert sich auch weiterhin mit der Lerngruppe, aber der Bekuschelungsfaktor des Maskottchens nimmt bereits ab.
Nach wie vor geht man in die "Eisbären-", "Pinguin-" oder "Affenklasse", kann sich aber auch zunehmend mit den abstrakteren Klassenbezeichnungen identifizieren.

Im dritten Schulbesuchsjahr ist das Maskottchen auf jeden Fall noch wichtiger Begleiter, fristet sein Dasein aber schon eher am Rande des Geschehens. Die Kinder entwickeln sich weiter, die einen schneller, die anderen langsamer und man wächst eher zu einer 3a oder 3b zusammen und ist nicht mehr so sehr auf das Maskottchen fokussiert.
In Klasse 4 belächeln sich die Kinder selbst, wenn sie Briefe oder Tagebucheinträge lesen, die sich in Klasse 1 geschrieben haben, lieben das Maskottchen  noch immer, aber auf eine sehr distanzierte und natürlich "coole" Art.
Natürlich fehlt das Maskottchen auf keiner Feier, aber es wird nicht mehr allzu liebevoll gebettet und umsorgt.

Ein ganz normaler Entwicklungsprozess also, der den Kindern meiner persönlichen Erfahrung nach nicht schadet.

Der Übergang von der Kita, der Familie in die Grundschule ist mit so vielen Veränderungen und Neuerungen verbunden, dass Schule sich auf den Weg machen muss, Wege zu finden, um den Übergang zu erleichtern und zu strukturieren.

In diesem Jahr wird Ole Eisbär uns begleiten und helfen, einen guten Start in der Grundschule zu erleben.

Susanne Schäfer 14.02.2016, 08.16| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: vor der Einschulung

Die Entscheidung

Es stößt nicht überall auf  Gegenliebe, wenn man als Schulleiterin eine Klassenführung übernimmt. Das Argument, sich mit der Klassenführung weder hundertprozentig auf die Klasse noch hundertprozentig auf Schulleitung konzentrieren zu können ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen.
Manchmal ist der Spagat, den man machen muss, recht groß.
Wobei es weniger um ein Zeitproblem geht, als vielmehr darum, sich selbst sehr gut aufzustellen und strukturieren zu müssen, um beidem gerecht zu werden.

Die Gefahr jedoch, die bei mir besteht, zu einer reinen Dokumentenverwalterin zu werden, ist zu groß, als dass ich sie eingehen möchte.
Zum einen möchte ich, dass unsere Schule keine Papierschule wird. Eine Schule voller geschriebener Konzepte, gut gefüllter Aktenordner und geduldigem Papier.
Schule muss meiner Meinung nach gelebt werden und Kinder gehen immer vor!
Nur mit einer Klassenführung gelingt es mir, Schulentwicklung wirklich zu leben, Probleme des Teams realistisch und praxisnah nachvollziehen zu können und Stressfallen zu erkennen.

Terminfluten zu erkennen, zu minimieren und im Austauch zu bleiben. Ich muss Inklusion aus Lehrersicht erleben und hautnah erfahren, um  darüber kompetent sprechen und diskutieren zu können. Und letzlich bin ich natürlich Lehrerin geworden, um mit Kindern zu arbeiten und nicht, um nur im Büro zu sitzen.

Neben der personellen Situation, ist es mein ganz persönlicher Wunsch wieder ein erstes Schuljahr zu übernehmen.
Mir ist bewusst, dass das nicht immer einfach mit Schulleitungsaufgaben zu koordinieren sein wird, aber es ist keine unmögliche Aufgabe und den Gewinn, den eine Klassenführung mit sich bringt, möchte ich an vielen Stellen - insbesondere im Bereich der Schulleitung - nicht missen.

Susanne Schäfer 07.02.2016, 09.33| (11/11) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: vor der Einschulung

So viel geschafft -- so viel zu tun

Die Umzugswoche liegt hinter uns und wir haben wirklich viel geschafft. Auf unserer Facebookseite haben wir regelmäßig in Bildern festgehalten, wie es nun im Gebäude aussieht.
Obwohl das Team Stunden über Stunden eifrigst gewerkelt hat, bleibt noch eine Menge zu tun.
Hauptsächlich in den Klassenräumen.







Heute morgen konnte man meinen zukünftigen Klassenraum kaum betreten. Ein wenig Zeit hatte ich, um zumindest das Mobiliar an Ort und Stelle zu rücken und ganz drei Kisten auszupacken.

Unendlich viele Kisten warten noch darauf, ausgepackt zu werden und vom Gefühl her, hätte ich den Raum gerne fertig, ehe ich versuche, in die Sommerentspannung zu gehen.
Da viele Termine mit dem Schulträger und/oder Handwerkern ausstehen, habe ich keinen Urlaub geplant, aber ich denke, ein wenig Schulabstinenz muss sein, um in den letzten beiden Ferienwochen dann wieder ausgeruht beginnen zu können.

Auch, wenn es goßen Spaß macht so einen nagelneuen Raum einzurichten, bleibt es eine Menge Arbeit und ich freue mich, dass ich töchterlicherseits Hilfe bekommen werden.

Der Raum als Lernumfeld gilt nicht nur in der Literatur als "dritter Pädagoge", auch ich habe die Erfahrung machen können, dass das Lernumfeld, die Lernumgebung maßgeblich zu Lernerfolgen motivieren und hinführen kann.

Wesentlicher Bestandteil meines Klassenraums ist nach wie vor der fest installierte Bänkekreis, den ich in diesem Jahr direkt an die Fensterfront stellen kann, ein lichter und heller Platz, der mir sehr gut gefällt. Anders als in den Vorjahren hat mein Klassenraum wieder eine Tafel.
Nicht, weil ich darum gebeten habe - im Gegenteil - sondern weil er offensichtlich zu einer Klassenraumausstattung gehört und ich mit meinen Argumenten diesmal nicht überzeugen konnte.
Die Fachkollegen wird es freuen und ich habe andere Möglichkeiten gefunden, meine Regale unterzubringen.

Susanne Schäfer 00.00.0000, 00.00| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: vor der Einschulung

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Eisbär-fan ^-^
Hallo liebe Susana ^-^
Ich verfolge deine Blogs schon länger und finde deine Arbeit und deine Teil-Bereitschaft einfach toll!!! Ich habe gemerkt, dass du gerne mit Lapbooks in der Klasse arbeitest (super Tool nebenbei bemerkt) und habe mich gefragt ob du zum Thema Eisbär/Klimawandel/Umweltschutz ein Lapbook planst?
Liebe Grüße
12.10.2016-17:27
Heißkiste
Ich habe einen Eisbärenklassen Geburtstagskalender mit meiner Klasse gestaltet: blaues Tonpapier, Igluschablone, aus weißem Papier Schnipsel gerissen, aufgeklebt, in die Tür ein Bild der Kinder geklebt, Name und Geburtsdatum in den Himmel geschrieben.
Toll und einfach
14.9.2016-14:54
isabell
Ich freue mich über die Eisbärenklasse und den Blog und lese sehr gerne mit.
Ich habe auch eine Bärenklasse. Hast du vor auch ein passendes Bild für die Krankenpostmappe zu erstellen?
Oder verwendest du die schon vorhandenen? Wenn nicht, versuche ich etwas anderes zu verwenden.
LG isabell

1.9.2016-22:23
Lisa
@ Uta Lia

Auf http://www.dafont.com/de/ gibt es eine Menge Schriftarten zu allen möglichen Themen :) Unter dem Stichwort "Ice" finden sich auch tolle "Eisbuchstaben"!

@ Susanne

Ihr habt wirklich ein tolles Team, das bei so einem Umzug an einem Strang zieht. Ich glaube tatsächlich, dass so ein Ablauf wie bei euch nicht überall möglich wäre! Liebe Grüße,
Lisa
13.7.2016-6:37
Susanne
@ Uta Lia

Das ist eine Grafik, die ich habe anfertigen lassen. :-)
12.7.2016-7:01
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Rita :
Hahaha - was für ein schönes Foto von dir :-)
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Rita :
Liebe Susanne, du hast mich schon oft inspiri
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Frau Weh:
Liebe Susanne,ich lese deine Schilderungen so
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Liss:
Liebe Susanne, den Grundgedanken so eines Son
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Anja :
Ist das eine schöne Idee. Ich ärgere mich so
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ymcherry:
Tolle Sache, so ein Sonnenstrahlenbuch. Ich g
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Claudia:
Liebe Susanne,du triffst mit all deinen Beitr
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Juliane:
Ja, es zahlen alle Eltern. Sie haben ja keine
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