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Zeit für HERZlichkeit

"Guck mal, Frau Schäfer, ich kann Herzen malen!", rief mir ein Kind meiner Klasse im Unterricht entgegen und präsentierte mir stolz sein Mathebuch.



Eifrig malte das Kind weiterhin Herzen in sein Buch, statt die offensichtlich eher langweiligen Aufgaben zur Mengenerfassung zu bearbeiten.
Natürlich war ich im ersten Moment geneigt darauf hinzuweisen, dass jetzt eigentlich eine andere Aufgabe an der Reihe war. Von Herzchenmalen hatte ich schließlich nichts gesagt.
Das Kind malte aber mit äußerster Hingabe und hoher Konzentration Herz um Herz in das Mathebuch, ganz gefangen in sein Tun und voller Hingabe.
Jedes Herz wurde größer und die Form immer gleichmäßiger. Der Stift fuhr immer flüssiger über das Blatt und das Kind stellte selbst fest: "Ich mach das super!"
Ja, es machte das in der Tat super und vor allem mit einer solchen Liebe zur Arbeit, dass ich nur schwerlich auf die eigene Aufgabe verweisen wollte.

Warum sollte ich das hochkonzentrierte und motivierte Kind, das sich nur schwerlich motivieren ließ, langweilige Schwungübungen mitzumachen, nun in seiner selbstgewählten Arbeit unterbrechen?
Wem schaden einige Herzen im schnöden Mathebuch?

"Ja, du machst das wirklich super!", bestätigte ich und dachte mit Bangen kurz darüber nach, ob jetzt wohl der Rest der Klasse auch inflationär Herzen malen wollen würde.....

Lehrerängste, unbegründet und unrealistisch.
Die anderen Kinder arbeiteten an ihren jeweiligen Aufgaben weiter und niemand fand es befremdlich, dass sich das Mathebuch an einem Tisch nun mit kleinen und großen, dicken und dünnen, roten und blauen Herzen füllte.

Für die Kinder, das merke ich immer wieder, ist es viel natürlicher als für mich, dass jeder seinen eigenen Weg geht.
Und hier war es nunmal gerade Zeit für HERZlichkeit!

Und Zeit für mich, von den Kindern zu lernen.

Schließlich steht nicht umsonst in unseren Schulfenstern geschrieben: Schule mit Herz!

Susanne Schäfer 10.09.2016, 18.07

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Kommentare zu diesem Beitrag

6. von Rita

wie herzig!
Mir ist beim Lesen der Spruch eingefallen, wenn es um die Verantwortung des Erstklasslehrers geht, dass seine Schäfchen lesen, schreiben, rechnen etc. lernen: "Keine Sorge, die Kinder lernen auch trotz Lehrer." ;) Meistens zeigen uns die Kids, was sie gerade brauchen. Und ich finde, Herzchen malen ist ne tolle Sache!
Viele liebe Grüße

vom 12.09.2016, 16.40
Antwort von Susanne Schäfer:

Genauso!
5. von Sinderela

Dieser Beitrag ist wirklich wunderbar! Ich habe ein kleines Tränchen im Auge und es erinnert mich daran, dass auch ich gerne manchmal VIEL gelassener sein möchte! Ganz toll reagiert...! DANKE!!!

vom 11.09.2016, 20.08
Antwort von Susanne Schäfer:

Danke für die liebe Rückmeldung!
4. von FrauS

Hui, dein Beitrag zauberte mir Gänsehaut :-)
Schön, dass du das "ausgehalten" hast, ich befürchte wir reagieren zu oft lehrerlike! Und Schwungübungen sind ja nie verkehrt ;-)

vom 11.09.2016, 14.47
Antwort von Susanne Schäfer:

*lehrerlike" ist treffend ausgedrückt.
:-)
3. von koritsi

Trotzdem fürchte ich, dass nicht viele KollegInnen so "offenherzig" reagieren würden wie du. Danke, für den Impuls!

vom 11.09.2016, 11.32
Antwort von Susanne Schäfer:

Danke für den lieben Kommentar!
2. von Karin

Auch zum Herzen malen braucht es Schwung!

vom 11.09.2016, 09.39
Antwort von Susanne Schäfer:

Ganz genau.
:-)
1. von Marek

Manchmal frage ich mich, wer eigentlich mehr in der Schule lernt: Die Kinder von uns Lehrern oder wir von den Kindern? Ich neige immer mehr zu der Ansicht, dass wir Lehrer es sind.

vom 11.09.2016, 08.59
Antwort von Susanne Schäfer:


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Anne
Liebe Susanne, erst einmal ein großes Lob für die vielen liebevoll gestalteten Dinge. Ich möchte im neuen Schuljahr auch eine Eisbärenklasse starten. Gibt es schon Schilder für die Tafel mit den Unterrichtsstunden? LG
21.5.2017-17:17
Melanie
Liebe Susanne,
vielen Dank für deine tollen Texte, darin kann man sich wirklich stundenlang verlieren!
Am Schuljahresanfang hattest du Auf- und Einräumbilder deines Klassenraumes gepostet, mich würde mal interessieren, wie es jetzt so bei dir aussieht, nachdem darin schon eine ganze Weile gelebt wird.
Es grüßt dich ganz herzlich,
Melanie
14.5.2017-19:18
Pepe
Weil nicht sein darf, was nicht sein soll! Mutige, offene Worte. Vielen Dank dafür, Susanne. Genau so sieht es aus.
23.2.2017-16:37
Melli
Liebe Susanne, ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, um dir ganz ganz herzlich für die tolle Idee und natürlich deine süßen Materialien zum Märchentag zu danken. Wir begehen seither den "Märchenfreitag" (stundenplanbedingt) und meine Erstklässler lieben es! Gerade für meine sehr spracharmen Kinder ist es eine tolle Möglichkeit, den Wortschatz zu erweitern und sie zum Sprechen und Erzählen anzuregen. Und ähnlich wie du habe auch ich einen ungemeinen Spaß daran, jede Woche ein neues Märchen vorzubereiten und mal keine Buchstabeneinführung ö.ä. zu machen. Also lieben, lieben Dank!!!
18.2.2017-11:02
Angelika
"Menschen" wie "immer wieder" sollte man einfach ignorieren, Ernst nehmen kann man das nicht. Peinlich trifft es auch ganz gut.
15.1.2017-17:32
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Hallo Susanne!Ich teile deine Einstellung zu
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Klara:
Hallo Frau Schäfer, an unserer Schule gibt es
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Kerstin:
Liebe Susanne,vieeelen Dank für diese tolle I
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Viola:
Liebe Frau Schäfer!Natürlich blutet einem irg
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Birgit:
Liebe Susanne,ich kann die Entscheidung der S
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Dennis Becker:
Zitat aus Blogbeitrag: "einem Kind einmal wöc
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:
Liebe Susanne,ich finde das klasse! Ich wünsc
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