Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Schulalltag

Die Schnipselkiste

Neben dem Fördern, das einen hohen Stellenwert im inklusiven Unterricht einnimmt - und das berechtigterweise - möchte ich aber auch das Fordern nicht vergessen. Manchmal hat man gar das Gefühl, direkt diskriminierend zu werden, nur wenn man von "leistungsstarken" Kindern spricht. Natürlich wissen wir alle, dass jedes Kind auf seine ganz eigene Weise leistungsstark ist, dennoch gibt es eben auch in jeder Lerngruppe Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen schneller lernen, einen rascheren Überblick haben oder auch durchaus mehr Motivation zeigen (können).

Diese Kinder möchte ich keinesfalls aus den Augen verlieren und ich möchte sie auch nicht zu reinen Selbstlernern werden lassen. Ihnen gebührt die gleiche Aufmerksamkeit und Zuwendung wie den anderen Kindern der Klasse.

Und somit steht ihnen durchaus auch das ein oder andere spezifische Material zu.
Und das kann etwas sehr Einfaches sein.
Wie zum Beispiel unsere Schnipselkiste.




"Schnipselkiste", weil sich darin sehr viele unterschiedliche Bilderschnippsel befinden. Kleine, quadratische schwarz-weiß Bilder aus unterschiedlichen Bereichen und zu unterschiedlichen Themen.

Die Schnipselkiste ist für Kinder gedacht, die schreiben möchten. Das können einzelne Wörter, kurze Sätze oder bereits kleine Geschichten sein.
Denkbar wären auch einfach nur Anfangssilben oder eine Wörtersammlung.

Dazu wählt das Kind einen Bilderschnipssel aus. Klebt ihn entweder in ein eigenständig angelegtes Schnipselheft oder auf ein Blatt Papier und schreibt zu dem entsprechenden Bild Wörter, Sätze oder kurze Geschichten.




Sofern die Kinder erst einmal das Schreiben für sich entdeckt haben, sind sie in der Regel ja äußerst motiviert, Wörter und Sätze zu verschriftlichen. Einige Kinder benötigen erst gar keine Schnipselkiste, die meisten aber finden die Kiste faszinierend und motivierend.

Die Bilderschnipsel, das haben wir im Plenum geklärt, dürfen nicht als reine Ausmalschnippsel genutzt werden. Das schränkt die Nutzer der Kiste durchaus ein, denn noch nicht alle Kinder der Klasse sind so weit, dass ihnen eigene Verschriftlichungen  gelingen. Für diese Kinder stehen ausreichend andere Materialien bereit.

Nun möchten die Kinder aber alle gern an diese Schnipselkiste und sind höchst motiviert, dahin zu gelangen, dass es auch ihnen gelingt, entsprechende Verschriftlichungen vorzunehmen.

Ein einfaches, aber motivierendes Arbeitsmittel.
Natürlich könnte ich die Kiste auch mit Zeitungsbildern und Wortmaterial füllen. Den Inhalt kann man ja durchaus hin und wieder variieren, damit der Anreiz gegeben  bleibt, mit der Schnippselkiste zu arbeiten.

Die ersten Ergebnisse waren ganz wunderbar und es ist interessant, zu beobachten, wie unterschiedlich die einzelnen Kinder mit dem Lernangebot umgehen.


Susanne Schäfer 01.03.2017, 15.49 | (9/8) Kommentare (RSS) | TB | PL

Fußwegauszeichnung

Die Verkehrs- und Parksituation an unserer Schule ist - wie wahrscheinlich an vielen anderen Schulen auch - unglücklich bis gefährlich. Bedingt durch die Tatsache, dass vielen Kindern der Fußweg erspart bleiben soll, herrscht regelmäßig Chaos rund um unsere Schule und Gespräche und freundliche Hinweise überzeugen nicht immer und bei weitem nicht jeden.

In der Regel wohnen die Kinder so nah an der Schule, dass ein Fußweg zumutbar und im Sinne der Erziehung zur Selbstständigkeit auch sinnvoll ist.
Doch das, was aus Lehrerperspektive sinnvoll erscheint, entspricht nicht immer den Elternwünschen  und so werden Feuerwehrzufahrten, Eingänge, Lehrerparkplätze und Zugänge zur Schule durch gefährliche Park- und Wendemanöver regelmäßig blockiert.

In Konferenzen wurde das immer wieder thematisiert und selbstverständlich auch in den schulischen Gremien. Der Erfolg blieb bis dato leider aus und wir sorgen uns darum, dass erst Schlimmeres geschehen muss, ehe Einsicht walten wird.

Im Team entstand nun, initiiert durch eine Kollegin, die Idee, die Kinder auszuzeichnen, die regelmäßig zu Fuß zur Schule kommen und sie als Vorbild für andere wirken zu lassen.




Auf unserer Facebookseite wird zu Recht kommentiert:

"Früher eine Selbstverständlichkeit, heute muss man per "Auszeichnung" motivieren. Das sagt viel aus."

Wir sehen das genauso, suchen aber nach Mitteln und Wegen, die Situation zu entschärfen und zu verdeutlichen, dass ein Fußweg zur Schule weder verwerflich noch unzumutbar ist.
Andere Schulen stehen sicher vor ganz ähnlichen Problemen und wir sind sehr daran interessiert zu erfahren, wie andernorts mit der Situation umgegangen wird.

Mit freundlicher Ansprache sind wir bislang nicht viel weiter gekommen. Teilweise wurden wir beschimpft, teilweise ausgelacht.
Nun gehen wir also diesen neuen Weg, in der Hoffnung, dass er erfolgreich sein wird!

Susanne Schäfer 19.02.2017, 10.16 | (9/8) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ein Herz für jedes Kind

Morgen feiern wir nun also, wie beschrieben, weil ich - anders als in den Kommentaren zu lesen - der Ansicht bin, dass man sich Feiern (egal welcher Art) nicht durch irgendeine erbrachte Leistung verdienen muss.
Schule, das ist für mich ganz maßgeblich auch verbunden mit Gemeinschaft und Zusammenleben und Schule darf auch schlicht einfach mal Spaß machen, unabhängig von Leistung und Erfolgen.




Davon abgesehen haben alle Kinder in den 100 Schultagen ganz viel gelernt und ich von ihnen.
Es haben nicht alle dasselbe gelernt und es haben auch nicht alle die gleichen Fähigkeiten und Talente, aber jedes Kind ist ein großes Stück weitergekommen von dem Wechsel vom Kindergarten- und Schulkind und allein das ist doch ein grandioser Erfolg und eine wunderbare Entwicklung.

Morgen erhält jedes Kind ein Herz von mir, versehen mit dem Datum, dem eigenen Namen und einem Talent bzw. einer herausragenden Fähigkeit oder einem Lernerfolg, auf die oder den das Kind zu Recht sehr stolz sein darf.

Als Klasse zusammenzuwachsen ist mindestens eine so große Herausforderung wie all das Neue zu bewältigen und sich in andere, unbekannte Strukturen zu begeben.
Wir sind da auf einem guten Weg und das ist auf jeden Fall eine Feier wert!

Susanne Schäfer 12.02.2017, 13.43 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

100 Tage Schulkind

Am Montag ist es so weit.
Am Montag gehen die Kinder in NRW seit 100 Schultagen zur Schule.
Grund genug, den 100. Schultag gebührend zu feiern.



Bereits am 1. Pflegschaftsabend hatte ich den Eltern erklärt, warum ich keine Weihnachtsfeier ausrichten würde, dafür lieber im Februar den 100. Schultag feiern möchte.
Während es in der Adventszeit zahlreiche Weihnachtsfeiern gibt, gibt es den 100. Schultag eines Kindes nur einmal und das ist eine kleine Feier wert.

Die Feier vorzubereiten ist gerade aktuell meine Aufgabe und suche nach Möglichkeiten, passend zum Thema Stationen anzubieten, die die Kinder - möglicherweise gemeinsam mit den Eltern - spielerisch erarbeiten können.

In der Zeit von 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr werden wir also den 100. Schultag gemeinsam begehen und die Eltern sind so lieb und kümmern sich um das leibliche Wohl.

Morgens lassen wir uns natürlich den Märchen-Montag nicht nehmen, kümmern uns erst nachmittags, nach Ende des Offenen Ganztags, um diesen besonderen Feiertag.

Die meisten Ideen habe ich mir im Internet zusammengesucht. Insbesondere amerikanische Seiten bieten eine Fülle an Ideen rund um den 100. Schultag.
Auf deutschen Seiten bin ich noch nicht so fündig geworden.

Der bisherige Stand der Planungen sieht so aus, dass wir um 16.00 Uhr gemeinsam beginnen und die Kinder in unserer Aula einige kleine Lieder vortragen, musikalisch unterstützt von vielen Instrumenten.

Die Kinder erhalten ein T-Shirt zum 100. Schultag, das ich sehr günstig bei einer Werbeaktion im Internet erstehen konnte.
Nach den kleinen Vorträgen stelle ich die einzelnen Stationen vor, an denen die Kinder etwas rund um die "100" basteln, erstellen, konstruieren, malen, zählen und bauen können.

Für das leibliche Wohl ist ja, wie ich bereits schrieb, gesorgt und gegen 18.00 Uhr werden wir das Fest mit einem gemeinsamen Lied beenden.

An Stationen sind in Vorbereitung:

- Buttonmaschine zur Erstellung passender Button
- Becherstapelstation an der aus 100 stabilen und recht großen Bechern etwas gebaut werden darf
- Fädelstation für 100er Raupen aus Holzkugeln
- Erstellen einer 100er Vergleichswand, die dann für alle Schüler sichtbar in der Aula hängen bleiben soll
- Basteln/Malen eines 100 Augen Monsters mit Wackelnaugen
- 100er Streichholzschachtel gefüllt mit unterschiedlichen Materialien (Reis etc.)

Über weitere Stationen bin ich mir noch nicht im Klaren, habe das ein oder andere im Auge und muss schauen, was sich in unserem Rahmen noch anbieten lässt.
Vorstellen kann ich mir eine Fotostation, an der man sich verkleiden kann, um so auszusehen, wie etwa in oder mit 100 Jahren.
Weitere Ideen findet man auf amerikanischen Seiten wie dieser hier.

Ich freue mich schon sehr auf dieses kleine Fest und werde das Wochenende nutzen, um die Stationen vorzubereiten. Vielleicht fällt mir bis dahin noch das ein oder andere ein, was unser Fest bereichern könnte.

Susanne Schäfer 07.02.2017, 15.09 | (12/12) Kommentare (RSS) | TB | PL

Rotkäppchen am Märchen-Montag

Den heutigen Märchen-Montag wollte ich ganz bewusst anders gestalten als die vorgehenden Montage. Grundelemente habe ich beibehalten, die große Schatzkiste, die Tischdekoration und das Vorlesen.
Heute lagen sehr viele unterschiedliche Finger- und Handpuppen sowie Kostüme für die Kinder bereit.




Außerdem hatte ich zwei Schuhkartons und eine Menge Schaschlikspieße aus Holz mitgebracht.

Nach dem Vorlesen sprachen wir über die einzelnen Charaktere in diesem Märchen und ihre typischen Merkmale. Begriffe gab es diesmal keine zu klären, der Text war kindgerecht und nicht zu lang. Ich habe heute wieder aus dem Buch "Mein erstes Märchenbuch" vorgelesen, da mir die Fassungen in dem Buch immer sehr gut für unsere Lerngruppe gefallen.

Anders als sonst gab es heute kein Tafelbild, es wurde jedoch sofort von einigen Kindern vermisst und sie fanden es sehr schade, die Hauptelemente nicht an der Tafel zu sehen.
Auch das Hörspiel fehlte.

Ich hatte mich bewusst auf das szenische Spiel konzentriert und zwar in unterschiedlichen Varianten.
Wir erstellten  zwei kleine Schuhkarton Theater und ich nutzte dafür diese kostenlosen Vorlagen und Anregungen.

Die Stabpuppenvorlagen habe ich allerdings größer kopiert, da sie mir zu klein erschienen.

Jedes Kind bastelte die vier Stabpuppen und drei Kulissen für das Schuhkarton Theater. Damit waren die Kinder zunächst gut beschäftigt.
Die ausgemalten bzw. selbst gemalten Vorlagen wurden im Klassenraum laminiert, damit sie besser halten.

In der letzten Stunde wagten wir uns dann daran, unterschiedliche Szenen des Märchens nachzuspielen.
Dabei kamen sowohl die Kostüme, als auch die Finger- und Handpuppen und die kleinen Theater im Schuhkarton zum Einsatz.

Die Stabpuppen und Kulissen durften die Kinder mit nach Hause nehmen, um dort, sofern sie möchten, das Märchen noch einmal nachzuspielen.

Das Erzählen und Spielen hat trotz fehlender Tafelbilder bei den meisten Kindern schon richtig gut geklappt. Alle Kinder wollten das Märchen bzw. einzelne Szenen daraus auf die ein oder andere Weise vorspielen.

Einen kleinen Eindruck davon kann man auf der schulischen Facebookseite erhalten. Viel zu rasch vergingen die vier Stunden, es blieb gerade noch Zeit für unser Logbuch und das Austeilen der Wochenhausaufgabe.

Besonders gefreut hat mich, dass wirklich alle Kinder, auch die sehr introvertierten, großen Spaß an den kleinen Szenen hatten und sich trauten, etwas vorzuspielen.
Manche alleine, manche mit einem Partner oder in einer kleinen Gruppe.

Unabhängig vom Sprachniveau machte jeder mit und alle tolerierten die Szenen der anderen Kinder.
Es gab eine Menge Applaus und den verdient.

"Wir haben heute nichts ins Märchenschatzbuch geschrieben!", stellte ein Kind am Ende fest und ein anderes antwortete unberührt:
"Wir haben heute mal anders gelernt. Geht ja auch!", zuckte die Schultern und hüpfte davon.

Eben. Geht ja auch.
Und wie.

Susanne Schäfer 06.02.2017, 15.04 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Leseanreize

Heute habe ich, während des Offenen Anfangs, heimlich still und leise eine Lightbox in unsere Klasse gestellt.
Unkommentiert ließ ich sie - beleuchtet - unter unserem Wochenablauf stehen.





Es dauerte nicht lange, ehe sich die ersten Kinder davor einfanden und versuchten, den Schriftzug (in Großbuchstaben) zu erlesen.

Für viele Kinder der Klasse ist der Leselernprozess harte Arbeit und mit vielen Mühen und Strapazen verbunden.
Das Leistungsspektrum reicht vom sehr gut lesenden Kind, das schon kleine Bücher liest bis hin zu Kindern, denen es noch schwerfällt, Laute zuzuordnen und Buchstaben wiederzuerkennen.

Einige stehen kurz davor, das Zusammenschleifen eigenständig zu bewältigen, andere können mit Buchstaben und Lauten noch gar nichts anfangen.

Den allermeisten aber war gemeinsam, dass sie heute gerne lesen wollten, was dort an der beleuchteten Box stand.
So war es gedacht.

Täglich kann eine neue Botschaft vermittelt werden, denn die Buchstaben lassen sich schnell und einfach austauschen.
Ob der Anreiz, den Schriftzug lesen zu wollen bestehen bleibt, muss ich abwarten.

Der Klassenraum bietet ansonsten auch anderweitig zahlreiche Lesemöglichkeiten.
Angefangen von Überschriften in unseren Themenecken, über die Beschriftung der Eigentumsfächer bis hin zu unserem Tagesplan und den Bücherregalen.

Den ersten Kindern sind die  Fibeltexte bereits zu langweilig - etwas, das ich sehr gut nachvollziehen kann. Andere Kinder kämpfen noch mit den ersten Seiten und Anfangssilben der Fibel.

Diese Box jedoch übte auf alle einen besonderen Reiz aus.
Nein, nicht auf alle.
Ein Kind kam zu mir und erklärte: "Ach, das sieht sehr schön aus, Frau Schäfer, aber ich les das nicht, das ist mir zu anstrengend. Ich lese nur das Herz und die Blumen! Das ist doch auch schön!"

Und auch ein Anfang.
:-)

Susanne Schäfer 02.02.2017, 18.09 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

An Tagen wie diesen.....

Es ist 5.45 Uhr und ich sitze sehr entspannt im Büro. Keine Krankmeldung, kein Vertretungsplan - die Woche beginnt gut und ich freue mich auf all die Minimenschen in meiner Klasse und unseren Märchenmontag.
Bis zum Unterrichtsbeginn habe ich ausreichend Zeit für den liegengebliebenen Papierkram, der für Schulleitung eben so anfällt.
Ich habe mir gerade eben einen Tee gemacht, als die 16jährige Tochter anruft und weinend berichtet, sie habe sich kochendes Wasser über die Hand - statt ins Teeglas - geschüttet.

Ich beruhige das Kind, informiere das Team, lege Sachen für meine Klasse heraus und fahre nach Hause, um mit der Tochter in die Notfallambulanz zu fahren.

Vorbei ist der gemütliche Wochenstart, der Alltag hat mich wieder und das mit Haut und Haaren.

Ich weiß, in der Schule wird alles laufen, jeder wird sein Bestes geben und ich kann mich ersteinmal um meine eigene Tochter kümmern. Doch immer bleibt ein Restgedanke in der Schule, wenn es auch sicher nicht nötig wäre.

Als ich um kurz vor neun wieder an der Schule ankomme rast mein  Herz, ich fühle mich gestresst, aber das Kind wurde bestens versorgt und noch ein wenig verwöhnt.

Ich finde meine Klasse in der Turnhalle - heute ist Kindersprint - und alle sind bester Laune und rennen, so schnell sie können.
Zeit, für eine kurze Tasse Tee.
Starten wir die Woche einfach neu.




Und bleiben noch zwei Schulstunden für den Märchenmontag, viel weniger als geplant, aber Umdisponieren ist kein großes Problem. Eigentlich wollte ich heute mit dem Kamishibai arbeiten und das Märchen erzählen, statt vorzulesen. Da ich mich nun aber zeitlich gedrängt fühle und nicht ruhig genug bin, um zu berichten, entscheide ich mich doch erneut für das Vorlesen. Heute wähle ich das Drehbilderbuch "Frau Holle", das wirklich ausgesprochen ansprechende und schöne Illustrationen aufweist. Die drehenden Räder sind jetzt nicht so interessant, aber der Text und die llustrationen passen genau für meine Lerngruppe.

Ich glaube, erzählt wäre es netter gewesen, aber manchmal muss man einfach mit Kompromissen leben.
Als ich aus der Schatzkiste Minimarshmallows und kleine Holztore hole, wissen die ersten Kinder schon, das es heute wohl um "Frau Holle" gehen wird.

Nach dem Vorlesen und Besprechen erzählen zwei Kinder das Märchen nach und ich freue mich wieder einmal darüber, wie gut das einigen Kindern schon gelingt.

Beide haben den spontanen Applaus der anderen Kinder wirklich verdient. Ein einfaches Tafelbild veranschaulicht das Märchen noch einmal und wir gehen in die Arbeitsphase. Mittlerweile hat es sich etabliert, das ich unterschiedliche Angebote zum Märchen auslege und die Kinder selbst wählen, welche Angebote sie in welcher Reihenfolge bearbeiten. Heute greifen alle direkt zu den kleinen Toren, um sie mit Buntstiften zu bemalen.

Alle andere Arbeiten werden in das Märchenschatzheft geklebt. Wir hören dabei das musikalische Märchen und bemerken nicht, wie schnell die Zeit vergeht.

Zu Beginn der Abschlussreflexion im Kreis frage ich einen Schüler nach den Namen des Märchens, das wir heute kennengelernt haben. Meine Ernüchterung ist groß, als das Kind mir offenbart, es habe keine Ahnung.

Gut, irgendwas ist da nicht gut gelaufen und ich sollte reflektieren. Für den Moment retten andere Kinder die Situation, die empört kundgeben, das müsse man doch wissen, es sei doch Frau Holle und die hänge ja nun auch an der Tafel....

Für ein Rollenspiel reicht die Zeit heute nicht mehr aus, wir sprechen noch kurz über die einzelnen Lernwege der Kinder, gehen die Hausaufgaben durch und dann wartet schon der erste von vielen Gesprächsterminen.

Nachdem die Tochter kurz appte, es sei so weit alles okay, widme ich mich wieder dem Schulalltag, der noch eine Menge Unerfreuliches mit sich brachte.
Wie das eben so ist.
Manchmal helfen nur noch Kekse.

Susanne Schäfer 01.02.2017, 15.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Vom Aufregen und Abregen

Es gibt diese Wochen, die einfach nur trubelig sind. Und je trubeliger es wird, um so empfindlicher reagiert man auf die Mitmenschen. Und je empfindlicher man reagiert, um so mehr scheint man den Trubel anzuziehen.
So jedenfalls kommt es mir in dieser Woche vor.
Zeit also, tief durchzuatmen und zu verschnaufen.





Und da es nicht nur mir so geht, hab ich heute mal für das Lehrerzimmer gebastelt und alle zum Kekseessen animiert - mich eingeschlossen.
Denn meistens sind die Aufreger gar keinen Aufreger wert, das zu wissen ist eines, das umzusetzen nocheinmal etwas anderes.

Es hilft, sich vorzustellen, welche Bedeutung die aktuelle Situation in einem Jahr noch haben wird.
Häufig keine und macht man sich das bewusst, ist die Aufregung schon nahezu besiegt!

In diesem Sinne sollten wir uns die Kekse schmecken lassen!

Susanne Schäfer 01.02.2017, 14.43 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

Inklusive Herausforderungen

"Fördermöglichkeiten der Grundschule wurden noch nicht ausgeschöpft" - so lautet es häufig in den Ablehnungen zur Eröffnung einer Überprüfung des sonderpädagogischen Förderbedarfs. Und ja, das ist vom Grunde her richtig, wird den Kindern, die es betrifft aber leider nicht gerecht und stellt uns vor ganz neue Herausforderungen.




Bei der Herrichtung des Klassenraumes vor der Einschulung dachte ich, wir wären materialmäßig äußerst gut und vielseitig aufgestellt. Im Zuge des ersten Halbjahres stellte sich nun aber heraus, dass dem nur bedingt so ist. Konfrontiert mit Krankheitsbildern und Beeinträchtigungen, die mir bislang fremd waren, begann nun die Suche nach neuen Arbeitsmitteln, neuen Motivationsmöglichkeiten und noch mehr Differenzierung.

Ich erlebte, dass Materialien, die mir in den Vorjahren gute Dienste geleistet hatten, nun nicht angenommen werden, zu schwer zu handhaben sind oder noch nicht verstanden werden.

Anders als in den Vorjahren gibt es nur eine sehr kleine leistungshomogene Gruppe innerhalb der Klasse, so dass eine Dreifachdifferenzierung längst nicht mehr ausreicht.

Neben motorischen Förderbedarfen gilt es häufig die Wahrnehmung zu schulen und im Förderschwerpunkt "geistige Entwicklung" noch kleinschrittiger zu arbeiten als ohnehin schon vorgesehen.

Noch seltener als sonst finde ich fertige Materialien und Lernspiele, die zu der Klasse passen. Das in den Vorjahren heiß geliebte und häufig genutzte Nikitin Material wird nicht angenommen und verstaubt im Regal.

Allen Kinder zu eigen ist, dass sie ein großes Bedürfnis haben zu spielen. Der "Offene Anfang" an unserer Schule wird grundsätzlich für freies Spiel, Bauen mit schlichten Bauklötzen oder Konstruieren von Fahrzeugen mit geeigneten Materialien genutzt.

Es herrscht eine hohe Sozialkompetenz und Hilfsbereitschaft innerhalb der Klasse und die Kinder nehmen sich gegenseitig, vorbehaltlos, so an, wie sie sind.
Es ist gänzlich unproblematisch, dass jeder an unterschiedlichen Inhalten und mit unterschiedlichen Materialien arbeitet, nur die geeigneten Materialien zu finden gestaltet sich mitunter als schwierig.

Ich habe neulich auf gpaed.de die strukturierten Arbeitsmappen entdeckt und fand die Art und Weise, Material anzubieten zunächst perfekt für einige Kinder meiner Klasse. Die Vorteile sind:

* das Material nimmt wenig Platz weg
* es geht selten etwas verloren
* es besteht eine gute Überschaubarkeit
* das Material ist leicht zu transportieren
* es lässt sich vielfältig und für alle Lernbereiche erstellen und nutzen


In der Praxis haben sich die Mappen gut bewährt und ich werde sicherlich noch weitere Mappen erstellen. Die Nachteile jedoch sind zum einen, dass sich das Klettband durchaus manchmal nur schwer lösen lässt und zum anderen, dass die steten ratschenden Geräusche in einer großen Lerngruppe durchaus störend sein können.

Also geht die Suche weiter und ich erstelle gerade Material für eine Art magnetische Lernstation, das sicherlich leise und vielseitig zu handhaben sein wird, jedoch nicht mobil genug ist, um es mit nach Hause zu geben oder gut zu transportieren. Dafür wird es als eine Art feste Lernstation innerhalb der Klasse installiert sein und vielen Kindern die Möglichkeit geben, damit zu arbeiten.





Problematisch ist, dass die Arbeitskärtchen eine gewisse Größe nicht unterschreiten dürfen, damit alle Kinder sie gut handhaben können. Das führt dazu, dass immer nur wenige Karten auf die einfache Magnettafel passen.
Die Übersichtlichkeit ist jedoch gegeben und somit werde ich das Material einfach testen.

Für die Kärtchen nutze ich ein Teeregal, das neulich in einem anderen Blog vorgestellt wurde und günstig in diversen Läden angeboten wird.
Magnetisch ist das Material, damit die Kärtchen nicht lose herumliegen und auch mal durch die Klasse getragen werden kann.

Ob es sich bewährt, wird sich zeigen.

Das Inklusionsmaterial, das die einzelnen Verlage anbieten, überschreitet häufig die Kompetenz vieler Kinder unserer Lerngruppe. Einzelne Seiten sind dann nutzbar, doch dafür ist das Material häufig zu teuer.
Anders sieht es für die Kinder ohne spezielle Förderbedarfe aus. Hier ist der Markt tatsächlich überschwemmt mit vielseitigen Vorlagen und Materialien und es ist selten schwierig, etwas Geeignetes zu finden.

Eine Lehrerin der weiterführenden Schule fragte mich neulich, ob die Schere, die da zwischen den Kindern im ersten Schuljahr bestünde, am Ende der Vier nicht mehr vorhanden wäre und wir wir das bewirken würden.
Als ich antwortete, dass sei gar nicht unser Ziel, gab es Erstaunden und Irritation. Was denn unser Ziel sei, wollte sie wissen.

Unser Ziel kann es nur sein, jedes Kind bestmöglich zu fördern und vor allem auch zu fordern. Das bedeutet ganz sicher nicht, dass am Ende des vierten Schuljahres alles dasselbe gelernt haben und können. Wie denn auch? Sind wir doch alle keine Zauberer!

Wir können den Kindern immer nur eine solide Grundlage nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten geben und die sind - insbesondere im Zuge der Inklusion - unterschiedlicher denn je.

Aus allen das Bestmögliche "herauszukitzeln" ist die Herausforderung vor der wir stehen und das unter Berücksichtigung der Tatsache, dass wir auch nur Menschen sind.
Menschen mit einem Privatleben und Grenzen - zeitlicher und kräftemäßiger Art.

Das nicht aus den Augen zu verlieren sollte unser vorrangiges Ziel sein.
Denn verbrauchte, frustrierte Lehrer motivieren niemanden. So wie wir die Grenzen der Kinder erkennen und akzeptieren, müssen wir lernen, unsere Grenzen wahrzunehmen und zu achten.

Ich warte immer noch darauf, dass Entscheidungsträger unseren Unterricht besuchen und bewusst wahrnehmen, welche Herausforderungen täglich auf uns warten.
Konzepte am Schreibtisch zu entwickeln ist einfach, Papier ist geduldig, aber das wahre Schulleben braucht weniger Papier als viel mehr Ressourcen, Geld und neue Ideen.

Ich bin glücklich mit meiner Lerngruppe, weil es zauberhafte Kinder sind, die mich jeden Morgen erwarten.
Aber ich habe kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich nicht täglich jedem einzelnen Kind gerecht werden kann.
Ich versuche es, ich versuche es gerne und immer wieder, aber ich bin auch bereit die Grenzen der Inklusion zu erkennen und zu akzeptieren.

Auch wenn ich sie liebend gerne überwinden würde!

Susanne Schäfer 29.01.2017, 09.03 | (11/11) Kommentare (RSS) | TB | PL

Spieglein, Spieglein an der Wand....

Der zweite Märchen-Montag stand ganz im Zeichen von "Schneewittchen". Die ersten Kinder erkannten das sofort, als ich den alten, silbernen Handspiegel aus der Schatzkiste nahm und auf den Tisch legte, den wir wieder ein klein wenig märchenhaft dekoriert hatten.






Das Märchen war wesentlich anspruchsvoller und länger als "Der Froschkönig", entsprechend häufig mussten wir Pausen beim Vorlesen einlegen, Fragen klären oder noch einmal zusammenfassen, was geschehen war.
So zog sich das Vorlesen fast die ganze erste Schulstunde hin und forderte allen Kindern eine Menge an Konzentration und Selbstdisziplin ab.

Anschließend gab es einige Aufgaben für das Märchenschatzheft, wobei die Kinder hier wieder frei wählen durften und die meisten sich zunächst dem leeren Spiegel widmeten, in den sie nun Schneewittchen zeichneten bzw. hingebungsvoll malten.

Während des Bearbeitens der unterschiedlichen Aufgaben hörten wir uns wieder das passende Hörspiel an. Wie bereits beim "Froschkönig" passte es sehr gut zum Vorlesetext, den ich wieder aus dem Buch "Mein erstes Märchenbuch" entnommen habe. Im Buch fehlte allerdings der Passus mit den glühenden Pantoffeln, den ich aber mit einfügte, damit das Tafelbild und die Arbeitsbögen anschließend passten.

Die zweite Stunde verging mit dem Bearbeiten der unterschiedlichen Arbeitsangebote und die Märchenschatzhefte der Kinder nahmen Form an.
Erstmalig setzte ich auch Arbeitsmappen ein, Fotos davon kann man - wie weitere Bilder - auf der Facebookseite unserer Schule sehen.

Nach der Pause setzten wir den Märchentag dann mit einem 4-Ecken-Gespräch fort.
Das 4-Ecken-Gespräch ist unsere aktuelle Methode des Monats und die Kinder durften sich heute entscheiden, in welche Märchenfigur sie unser magischer Spiegel verwandelt sollte.
In den einzelnen Ecken sollten die Kinder sich dann dazu austauschen, warum sie genau diese Figur gewählt haben.
Zur Auswahl standen: "der Prinz", "Schneewittchen", "die Stiefmutter" und ein "Zwerg".

Alle Ecken füllten sich rasch und die Kinder diskutierten eifrig. Sie zeigten sich erstaunt darüber, dass die Beweggründe der anderen Kinder, sich in dieses oder jenes Wesen zu verwandeln sehr unterschiedlich waren und nicht immer ihren eigenen Beweggründen entsprachen.

Ich hätte an dieser Stelle gerne den weiteren Austausch über Eckenwechsel angeregt, so dass Kinder, die unterschiedliche Wesen hätten sein wollen, miteinander ins Gespräch gekommen wären, aber mir erschien die Klasse schon zu unruhig und so sammelten wir uns wieder im Kreis.

Zwei Kinder baten darum, wie am letzten Märchen-Montag, das Märchen mit eigenen Worten nacherzählen zu dürfen. Dazu nutzten sie das Tafelbild und es war erstaunlich, welche Details sich die Kinder gemerkt hatten.

Anschließend erfolgten noch einmal sehr kurze szenische Spiele mit den passenden Fingerpuppen und wir übten dabei vor allem das laute und deutliche Sprechen, das nicht von Anfang an klappte.

In der abschließenden Reflexionsrunde gingen wir gezielt auf das 4-Ecken-Gespräch ein und ein Kind bemängelte, dass einige Kinder versucht hätten lieber über etwas anderes zu reden - beispielsweise über Pokémonkarten - als sich über das Vorgegebene auszutauschen.
Die Zeit war leider zu knapp, um angemessene Lösungsstrategien zu entwickeln.

Alles in allem war die ganze Klasse in ihrer Vielfältigkeit wieder sehr motiviert dabei. Das Mandala, das ich eigens für die Kinder als Zusatzangebot ausgedruckt hatte, fand ich mittags im Bürodrucker wieder und hatte es gänzlich vergessen.
Nicht, dass es gefehlt hätte....

Es gab reichlich zu arbeiten, zu gestalten und zu erzählen.
Auch der zweite Märchen-Montag verlief sehr positiv und macht Lust auf den nächsten Montag.
Und der kommt bestimmt!

Susanne Schäfer 23.01.2017, 18.41 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

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Pepe
Weil nicht sein darf, was nicht sein soll! Mutige, offene Worte. Vielen Dank dafür, Susanne. Genau so sieht es aus.
23.2.2017-16:37
Melli
Liebe Susanne, ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, um dir ganz ganz herzlich für die tolle Idee und natürlich deine süßen Materialien zum Märchentag zu danken. Wir begehen seither den "Märchenfreitag" (stundenplanbedingt) und meine Erstklässler lieben es! Gerade für meine sehr spracharmen Kinder ist es eine tolle Möglichkeit, den Wortschatz zu erweitern und sie zum Sprechen und Erzählen anzuregen. Und ähnlich wie du habe auch ich einen ungemeinen Spaß daran, jede Woche ein neues Märchen vorzubereiten und mal keine Buchstabeneinführung ö.ä. zu machen. Also lieben, lieben Dank!!!
18.2.2017-11:02
Angelika
"Menschen" wie "immer wieder" sollte man einfach ignorieren, Ernst nehmen kann man das nicht. Peinlich trifft es auch ganz gut.
15.1.2017-17:32
Rhea
@immer wieder
Wie kann man auf dem eigenen Blog alles "zuspammen"?
Niemand wird gezwungen hier zu lesen und peinlich sind aus meiner Sicht nur deine anonymen Kommentare!
15.1.2017-16:22
immer wieder
wochenlang nichts schreiben und dann alles zuspammen - langsam wird es peinlich. Sehr peinlich.
15.1.2017-14:21
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