Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Schulalltag

Hinter dem Sichtbaren

Der Wasserfarbkasten ist für alle neuen Schulkinder seit jeher faszinierend und diese Faszination  nutze ich gerne in den allerersten Schultagen - so entstanden unsere Sonnenblumenbilder.



Niemand musste, aber jeder durfte. Ich hatte mir eine Reihe alternativer Arbeiten überlegt und der Klassenraum bietet zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten außerhalb dieser Kunstarbeit.

Mir war bewusst, dass nicht jedes Kind diese Aufgabe würde bewältigen können.
So dachte ich.
Jedoch lediglich mit meinem engstirnigen Lehrerauge betrachtet.

ALLE Kinder wollten nun aber genau so eine Sonnenblume malen, schneiden, basteln und die Ergebnisse schmücken seitdem unsere Klasse.

So unterschiedlich wie die Kinder sind, sind deren Bilder und beim Betrachten sieht man Ergebnisse, die einen erfreuen, einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern oder einen erstaunen.
Natürlich fällt das ein oder andere Bild ganz besonders ins Auge.
Sei es, weil es als besonders gelungen angesehen wird oder man verwundert die Blume auf dem Bild sucht.

Aber viel wichtiger als das, was wir sehen, ist doch das, was wir nicht sehen können. Wie jedes einzelne Kind zu seinem Ergebnis kam.

Vielleicht betrachtet man das eine ganz besondere Bild mit ganz anderen Augen, wenn man weiß, dass der kleine Künstler rein körperlich nicht in der Lage ist auszuschneiden?
Dass er über mehrere Stunden höchstkonzentriert damit beschäftigt war, die Schere zu halten, auszuschneiden und zu malen, aufzukleben und zu gestalten.
In ausufernder Geduld saß dieses eine Kind an seinem  Platz und ließ sich durch nichts und niemanden davon abbringen, seine eigene Sonnenblume zu erschaffen.

Während ich zuvor nach Alternativen für dieses Kind gesucht hatte, um einen Misserfolg zu vermeiden, es ihm leicht zu machen obwohl das Kind es gar nicht leicht gemacht haben wollte.

Der Misserfolg liegt offensichtlich nur in einer Sichtweise. In meiner Sichtweise, die ich revidieren musste, als ich das Kind beobachte, das während des Ausschneidens beständig intonierte: "Ich glaub ich mach das sehr super. Ich kann das super. Ich mach das toll. Frau Schäfer, ich mach das doch toll, oder?"

Und wie toll.
Ich fühlte mich beschämt.
Der Gedanke, diesem Kind einen Misserfolg ersparen zu wollen, implizierte, es würde keinen Erfolg haben.
Nur, weil das Bild rein äußerlich von anderen Bildern abweicht - so musste ich erkennen - hatte das Kind keinen Misserfolg, sondern ein Erfolgserlebnis.
Durch Beharrlichkeit, Geduld, Ehrgeiz und Ausdauer hatte es - entgegen seiner Beeinträchtigungen - eine eigene Blume erschaffen.

Wie oft habe ich Kindern schon die Möglichkeit eines Erfolges genommen, weil ich mit meinen Lehreraugen betrachtete und vorbereitete?

Im Kreis besprechen wir unsere Bilder. Keines wird belächelt, ausgelacht oder gar verhöhnt. Jedes Bild wird ernstgenommen, angenommen, wahrgenommen und akzeptiert.

Ich erinnere mich an eine Situation in unserem Feriencamp. Ein Kind  mit einer Körperbehinderung lief vor einem anderen Kind her. Das andere Kind rief: "Warum läufst du so komisch?"
"Ich kann nicht anders!", lautete die  lapidare Antwort des beeinträchtigten Kindes und somit war die Sache geklärt.

Kinder brauchen keine Inklusion. Kinder leben sie.
Wir sollten es ihnen nachmachen!

Susanne Schäfer 12.09.2016, 16.40 | (6/6) Kommentare (RSS) | PL

Urgewalten



Während ich hinterrücks an meiner Bluse zaghafte bis festere Zupfversuche spüre, bilden sich auf meinen Oberschenkeln zeitgleich kleine Nutellahandabdrücke und ich stelle kurzzeitig die wagemutige Idee infrage, am zweiten Schultag eine weiße Jeans angezogen zu haben.

"Frau Schäfer", tönt es von nahezu allen Seiten und ich  werde bezupft, betätschelt und gestreichelt.
"Frau Schäfer, guck mal, ich habe eine blaue Mappe!", "Auf meinem Etui sind Polizisten!", "Ich muss Pipi!", "Wann gehen wir nach Hause?"

Aufgeregt hüpfen, tummeln, gehen und springen die Kinder durcheinander und jeder hat etwas zu fragen, zu berichten und zu zeigen.
Einige Tränen fließen, ein paar Kusshände müssen durch die Fensterscheibe zu den wartenden Mamas geworfen werden, ehe wir uns im Kreis treffen und zwanzig Augenpaare gespannt und neugierig auf mich gerichtet sind.

Gänzlich unvoreingenommen sitzen sie hier, starten unbeschwert und wissbegierig in den neuen Lebensabschnitt und ich bin mir mit einem Male der völligen Verantwortung bewusst, den Grundstein für einen guten Start in das schulische Leben dieser Kinder legen zu dürfen.

Es geht trubelig zu, die neuen Schulkinder rutschen unruhig auf den Bänken hin und her, der ein oder andere fällt unerwartet rücklings von der Bank und wir lernen sehr schnell, dass Bänke keine Lehne haben und Zappeleien gerne mal am Boden enden.

Die Atmosphäre ist geprägt von ganz viel Neugierde und Spannung und den Erwartungen all dieser kleinen Menschen gerecht zu werden ist gar nicht so einfach.
Wir lernen ein Begrüßungslied und zum ersten Mal begegnet uns die morgendliche Routine des offenen Schulbeginn. Im Klassenraum gibt es sehr viel zu entdecken, die Kinder lernen sich gegenseitig und wir uns kennen und nach dem Morgenkreis sind die ersten müde und erschöpft und brauchen eine Pause.

Wir gehen das Wagnis ein, am zweiten Schultag sämtliche Materialien gemeinsam wegzupacken. Der damit losgelöste Tumult lässt sich kaum mit Worten beschreiben.
"Wohin muss das?", ist die meistgestellte Frage, gefolgt von: "Kann ich zum Klo?"

Viele kleine Hände zuppeln an mir herum, jeder möchte ganz dringend meine Aufmerksamkeit und irgendwie fällt immer wieder mal etwas vom Tisch, aus der Tasche oder einfach nur um.

Der Zauber eines ersten Schultags lässt sich nicht beschreiben, nicht die leuchtenden Augen, nicht das überwältigende, kurzzeitige Chaos, nicht die Liebenswürdigkeit all dieser mir anvertrauten Kinder.
Wie eine Urgewalt stürmen all die Minimenschen über mich hinein und erobern mein Herz im Nu.

Wir packen ein, wir packen zusammen, wir bestaunen, wir probieren aus, wir sammeln Mappen, Hefter und Wasserfarbkästen.
Wir lernen Schubladen und Ablageorte kennen, finden unsere Namensschilder, erkunden die Schule, singen und tanzen und beschließen letztendlich, morgen wohl wiederzukommen.

Meine Hände, Augen und Ohren reichen nicht aus, um all diesen Kindern am ersten "richtigen" Schultag gerecht werden zu können, aber ich gebe mein Bestes, um allen zu vermitteln, dass sie willkommen sind und ich mich freue, dass sie in unsere Klasse gehen.

Nach vier Unterrichtsstunden verabschieden wir uns erschöpft aber meinerseits ziemlich glücklich und mit dem überwältigenden Gefühl wieder einmal angekommen zu sein und an der richtigen Stelle zu stehen.


Lachend winken die Kinder und mich umschwirren ihre Worte:
"Ich komm morgen wieder!", "Ich gehe jetzt zu Mama!", "Ich hab Hunger!", "Muss ich OGS?", "Bist du morgen wieder hier?"

"Ja!", bestätige ich die letzte Frage "morgen und an allen weiteren Tagen! Und ich freu mich darauf!"

Susanne Schäfer 11.09.2016, 18.28 | (10/10) Kommentare (RSS) | PL

Zeit für HERZlichkeit

"Guck mal, Frau Schäfer, ich kann Herzen malen!", rief mir ein Kind meiner Klasse im Unterricht entgegen und präsentierte mir stolz sein Mathebuch.



Eifrig malte das Kind weiterhin Herzen in sein Buch, statt die offensichtlich eher langweiligen Aufgaben zur Mengenerfassung zu bearbeiten.
Natürlich war ich im ersten Moment geneigt darauf hinzuweisen, dass jetzt eigentlich eine andere Aufgabe an der Reihe war. Von Herzchenmalen hatte ich schließlich nichts gesagt.
Das Kind malte aber mit äußerster Hingabe und hoher Konzentration Herz um Herz in das Mathebuch, ganz gefangen in sein Tun und voller Hingabe.
Jedes Herz wurde größer und die Form immer gleichmäßiger. Der Stift fuhr immer flüssiger über das Blatt und das Kind stellte selbst fest: "Ich mach das super!"
Ja, es machte das in der Tat super und vor allem mit einer solchen Liebe zur Arbeit, dass ich nur schwerlich auf die eigene Aufgabe verweisen wollte.

Warum sollte ich das hochkonzentrierte und motivierte Kind, das sich nur schwerlich motivieren ließ, langweilige Schwungübungen mitzumachen, nun in seiner selbstgewählten Arbeit unterbrechen?
Wem schaden einige Herzen im schnöden Mathebuch?

"Ja, du machst das wirklich super!", bestätigte ich und dachte mit Bangen kurz darüber nach, ob jetzt wohl der Rest der Klasse auch inflationär Herzen malen wollen würde.....

Lehrerängste, unbegründet und unrealistisch.
Die anderen Kinder arbeiteten an ihren jeweiligen Aufgaben weiter und niemand fand es befremdlich, dass sich das Mathebuch an einem Tisch nun mit kleinen und großen, dicken und dünnen, roten und blauen Herzen füllte.

Für die Kinder, das merke ich immer wieder, ist es viel natürlicher als für mich, dass jeder seinen eigenen Weg geht.
Und hier war es nunmal gerade Zeit für HERZlichkeit!

Und Zeit für mich, von den Kindern zu lernen.

Schließlich steht nicht umsonst in unseren Schulfenstern geschrieben: Schule mit Herz!

Susanne Schäfer 10.09.2016, 18.07 | (6/6) Kommentare (RSS) | PL

So viel geschafft -- so viel zu tun

Die Umzugswoche liegt hinter uns und wir haben wirklich viel geschafft. Auf unserer Facebookseite haben wir regelmäßig in Bildern festgehalten, wie es nun im Gebäude aussieht.
Obwohl das Team Stunden über Stunden eifrigst gewerkelt hat, bleibt noch eine Menge zu tun.
Hauptsächlich in den Klassenräumen.







Heute morgen konnte man meinen zukünftigen Klassenraum kaum betreten. Ein wenig Zeit hatte ich, um zumindest das Mobiliar an Ort und Stelle zu rücken und ganze drei Kisten auszupacken.

Unendlich viele Kisten warten noch darauf, ausgepackt zu werden und vom Gefühl her, hätte ich den Raum gerne fertig, ehe ich versuche, in die Sommerentspannung zu gehen.
Da viele Termine mit dem Schulträger und/oder Handwerkern ausstehen, habe ich keinen Urlaub geplant, aber ich denke, ein wenig Schulabstinenz muss sein, um in den letzten beiden Ferienwochen dann wieder ausgeruht beginnen zu können.

Auch, wenn es goßen Spaß macht so einen nagelneuen Raum einzurichten, bleibt es eine Menge Arbeit und ich freue mich, dass ich töchterlicherseits Hilfe bekommen werden.

Der Raum als Lernumfeld gilt nicht nur in der Literatur als "dritter Pädagoge", auch ich habe die Erfahrung machen können, dass das Lernumfeld, die Lernumgebung maßgeblich zu Lernerfolgen motivieren und hinführen kann.

Wesentlicher Bestandteil meines Klassenraums ist nach wie vor der fest installierte Bänkekreis, den ich in diesem Jahr direkt an die Fensterfront stellen kann, ein lichter und heller Platz, der mir sehr gut gefällt. Anders als in den Vorjahren hat mein Klassenraum wieder eine Tafel.
Nicht, weil ich darum gebeten habe - im Gegenteil - sondern weil er offensichtlich zu einer Klassenraumausstattung gehört und ich mit meinen Argumenten diesmal nicht überzeugen konnte.
Die Fachkollegen wird es freuen und ich habe andere Möglichkeiten gefunden, meine Regale unterzubringen.

Ein wenig Sorge bereitet mir das Material und die vielen Bücher, da meine Unterbringungsmöglichkeiten eher begrenzt sind. Möglicherweise muss ich auch an dieser Stelle einfach minimieren und auf das Nötigste beschränken.

Als fatal hat sich meine Faulheit erwiesen.
Obwohl ich den Kolleginnen und Kollegen ewig in den Ohren lag, alle Kisten ordentlich mit dem Inhalt zu beschriften, ich das mit den Bürokisten auch getan habe, wurde ich bei meinen Klassenraumkisten sorglos oder eher gesagt schlunzig und erlebe nun beim Öffnen jeder Kiste so etwas wie eine kleine Überraschung.
Das erschwert das Einräumen ganz erheblich, weil man eben nicht strukturiert vorgehen kann.
ABER da muss ich wohl oder übel die eigene Faulheit ausbaden und zwar verdient.

Bis spätestens Mitte nächster Woche möchte ich den Raum fertig haben, um mich dann mehr den inhaltlichen Vorbereitungen widmen zu können.
Mal sehen, wie gut ich vorankommen werde...

Susanne Schäfer 15.07.2016, 18.46 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Umzugstag 2

Ich bin furchtbar müde, äußerst dreckig und kurz vor dem Einschlafen.





Auch heute begann der Tag sehr früh und endete nach 12 Stunden Auspacken, Schieben, Schleppen, Falten, Dekorieren, Telefonieren, Aufbauen, Umbauen und
ähnlichen Tätigkeiten.
Obwohl wir - zumindest im Schulleitungsbüro - sehr viel zu Lachen hatten, war am Abend merklich die "Luft raus" und wir sehnten uns einfach nach einer Dusche, dem Sofa oder anderer Entspannung.

Das Umzugsunternehmen hat sich verkalkuliert. Was heute beendet werden sollte  - der Transport aller Kisten, Möbel etc. in das neue Schulgebäude  - muss nun morgen beendet werden.

Immer noch konnte nicht alles herübertransportiert werden. Also heißt es morgen erneut für das Team zusammenkommen und weitermachen. Zum dritten Male organisieren wir ein einfaches Mittagessen für uns und die Umzugshelfer und hoffen, dass letztlich morgen wirklich alles im neuen Gebäude beisammen sein wird.
Selbst dann gibt es noch viel zu tun.
Auch wenn wir bereits eine Menge geschafft haben, bleibt manchmal das Gefühl des "nicht-enden-wollens". Aber das ist recht normal bei einem Umzug und in dieser Größenordnung ohnehin.

Hin und wieder landen Kisten an falschen Stellen oder Regalbretter fehlen. In einem Raum liegen nun 50 Eigentumsfächer, in einem anderen gibt es (noch) keine Stühle.
Das Chaos hält sich jedoch in Grenzen und ist überschaubar, obwohl die neue Schule wirklich riesengroß ist und man sich durchaus darin verlaufen kann.

Im alten Gebäude wurden derweil  Möbel einer Kita zwischengelagert, was kurzzeitig für Verwirrung im Ablauf sorgte, aber auch das scheint nun geregelt zu sein und morgen früh kann es in alter Frische weitergehen.

Hier schrieb jemand in den Kommentaren, dass eine Schule in Abwesenheit des Teams umzieht. Nach den zwei Tagen kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Überhaupt gar nicht.
Ohne das gesamte Team ginge rein gar nichts. Jede Hand wird dringend gebraucht. Mitdenken, Mitanpacken, Mitorganisieren wird von allen verlangt und minütlich ruft jemand nach uns, um nachzufragen, Dinge zu klären und abzusprechen.

Nachdem wir der Meinung waren, unser Schulleitungsbüro sei fertig und tippitoppi, schickte uns jemand (der gerade im alten Gebäude war) ein Foto von 12 Umzugskisten, die vergessen worden waren und offensichtlich noch in unser Schulleitungsbüro sollten.
Nach kurzer Atemlosigkeit - unsere Schränke waren längst voll - fuhren wir mit eigenen Augen nachschauen, was da los war.
In der Tat gehörten noch fünf Kisten in unser Büro, der Rest jedoch waren Akten und Chroniken für den neuen Archivraum - ein Luxus, den wir im alten Gebäude so nicht hatten.

Letztlich konnte durch Umpacken und Umsortieren alles untergebracht werden und zumindest das Büro ist in der Tat nun komplett fertig.

In meinem Klassenraum jedoch - siehe Foto - herrscht noch das ganz große Chaos.
Aber die Ferien dauern noch eine Weile an und auch das wird sich alles finden.
Nacheinander.
Und vor allem nach einer Portion Schlaf.

Jetzt.
Ganz dringend.

Susanne Schäfer 12.07.2016, 21.08 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Umzugstag 1

Lange haben wir darauf gewartet, nun ist der erste Umzugstag - dank tatkräftiger Hilfe des gesamten Teams - geschafft.




Morgens um halb acht ging es los und zehn Stunden lang packten wir Kisten aus, schoben die ersten Tische und Stühle hin und her, richteten das Lehrerzimmer und das Büro wieder ein, aßen gemeinsam, dekorierten schon hier und dort und versuchten dem Umzugschaos Herr zu werden.

Unfassbare 916 Umzugskisten haben wir in den vergangenen zwei Wochen gepackt. Nicht zu vergessen all das Umzugsgut, das sich nicht in Kisten pferchen ließ und einfach so etikettiert wurde.

Wir baten das Umzugsunternehmen darum, zunächst das Lehrerzimmer und die Verwaltung zum neuen Standort zu transportieren.
Das Lehrerzimmer, um im Umzugstrubel einen Rückzugsort zu haben, die Verwaltung, um schnellstmöglich wieder arbeitsfähig zu werden.

Und es hat geklappt.
Das Schulleitungsbüro ist fertig, bis auf die Magnetwände, die heute früh angebracht werden müssen.
Das Lehrerzimmer steht, hielt schon das erste gemeinsame Essen aus - lediglich die Küchenzeile ist noch nicht funktionsfähig.
Unser Schulsekretariat muss zunächst mit dem Handicap leben, dass die neuen Möbel noch nicht da sind, aber unsere Schulsekretärin hat sich wunderbar provisorisch eingerichtet, die Verwaltungsrechner laufen, die Telefone funktionieren bereits wieder.

Ohne den Einsatz unseres Teams wäre allerdings nichts gegangen. Von früh bis spät putzten, schoben, räumten die Kolleginnen und Kollegen ein und aus, bauten Gartenmöbel zusammen, ordneten das Material neu um und ein. Sortierten aus, warfen weg, holten aus dem Müll zurück....

Es herrschte reges Treiben und das in den eigentlich wohlverdienten Ferien.

Heute nun ist der zweite und geplant letzte Umzugstag, wobei nicht einmal die Hälfte geschafft ist.
Es bleibt also abzuwarten, ob heute der Rest transportiert und gestellt werden kann.
Die Möbel und Kisten der meisten Klassenräume, der alternativen Betreuung "Drachenhöhle" sowie des Ganztags müssen noch transportiert werden.

Gestern hörte man einige Mitarbeiter des Umzugsunternehmens fluchen: "Die Klasse 1a hasse ich schon jetzt!"
Dies war lediglich der Tatsache geschuldet, dass mein Klassenraum eine eigene LKW Ladung ausmachte.
Einräumen kann ich meine Klasse noch nicht, da hier das Transportband des Umzugsunternehmens anliegt und sämtliche Möbel und Kisten für die 1. Etage hier ankommen und dann an Ort und Stelle gebracht werden.

Das Farbleitsystem hat sich als sehr praktisch erwiesen und bislang kam es zu keinen Problemen.
Ich finde den Umzug furchtbar spannend und liebe das neue Gebäude schon jetzt - wenn wir auch hin und wieder aufgrund der Größe noch Orientierungsprobleme haben.

Nun geht es in die zweite Runde!

Unserem Team auch an dieser Stelle ein dickes Dankeschön! Ihr seid super!

Susanne Schäfer 12.07.2016, 07.00 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Zwischen Zeugnissen und Umzugskisten

Die Tage sind aufregend und geprägt von vielen unterschiedlichen Aufgaben. Während die Zeugnisse aller Kolleginnen und Kollegen gelesen, gesiegelt und unterschrieben sind, muss ich meine eigenen noch schreiben. In Klasse 4 geht das glücklicherweise leicht von der Hand. Derzeit pendeln wir zwischen dem alten und neuen Gebäude, packen Kisten über Kisten und staunen, wie viel Inventar so ein einzelner Klassenraum beherbergen kann.





Nachdem wir uns heute, als Schulleitung, sehr lange auf der Baustelle umgesehen und anschließend diverse Telefonate geführt und E-Mails geschrieben haben, weiter Umzugskisten gepackt haben, zwischendurch im Unterricht waren, Absprachen mit der Musikschule getroffen, neue Kinder aufgenommen, uns um zerbrochene Brillen und fehlendes Ausflugsgeld gekümmert haben, nutzte ich die erste häusliche Phase zum Entspannen und Eintüten zweier Briefe an die Kinder und Eltern meiner neuen ersten Klasse.

In das Kuvert kam jeweils noch der Eisbärbutton und morgen gehen alle Umschläge in die Post. Das war so eine herrliche unbeschwerte und unkomplizierte Beschäftigung, ohne jedliche Ärgernisse und mit großer Vorfreude auf die neue Klasse.

Während ich die Briefe und Button mit der Post schicke, wählen Kolleginnen die Möglichkeit, die Briefe in den Ferien persönlich herumzubringen. Ich habe die Idee unmittelbar verworfen und mich aus pragmatischen Gründen des Zeitmanagement für die Postvariante entschieden.

In den letzten Schultagen bleibt genug zu tun.
Feinabstimmungen für den großen Schulumzug am kommenden Montag und Dienstag müssen getroffen werden. Im neuen Gebäude muss noch einiges getan werden, damit wir problemlos einziehen und dort arbeiten können.

Die Personalplanung und Absprachen mit dem Schulamt sind momentan ein brandaktuelles und wichtiges Thema und nicht zuletzt ist da auch noch meine vierte Klasse, die betreut und verabschiedet werden möchte.
Unser Abschiedsfest im Heu liegt hinter uns und nun haben wir noch den morgigen Schultag (mit einem Gang zur Eisdiele) sowie einen gemeinsamen Schulausflug mit allen Klassen zur Freilichtbühne nach Coesfeld am Donnerstag vor uns, ehe es am Freitag endgültig Abschiednehmen heißt. Nicht nur von den vierten Klassen, auch von einem sehr alten Schulgebäude, mit dem so manch einer nahezu historische Erinnerungen verknüpft.

Ich bin noch nicht lang genug an der Schule, um so etwas wie Wehmut beim Abschiednehmen vom Gebäude zu empfinden.
Das neue Gebäude mag von außen nicht so schön anzusehen sein, wie unser derzeitiger Backsteinbau, aber die Räumlichkeiten eröffnen uns ganz neue pädagogische Perspektiven und Möglichkeiten und darauf freue ich mich sowohl als Lehrerin, als auch als Schulleiterin sehr.

Doch vor der Freude kommt die Arbeit. Ich gestehe, mein Klassenraum hat definitiv zu viel Material. Die Kisten, die ich falten und füllen konnte nahmen kein Ende und obwohl fast alles verpackt ist, bleibt ein Rest und ich nehme an, auch der wird noch etliche Kisten füllen.
Das Büro ist nahezu ganz eingepackt. Unsere Verwaltungsrechner werden am Freitag Mittag abgebaut und gehen hoffentlich in der kommenden Woche schnell wieder ans Netz.
Selbiges hoffen wir von der Telefonanlage, haben diesbezüglich heute lieber noch einmal nachfragt und wurden von einem sehr netten Mitarbeiter der Stadtwerke beruhigt.
Es scheint alles seinen Lauf zu nehmen.

Das Team packt nun seit gut einer Woche, die einzelnen Arbeitsgruppen sind gut vorangekommen und das alte Schulgebäude gleicht einem Labyrinth. Überall stehen gestapelte Umzugskisten oder auch aussortierter Müll.
Während die einen im Müll noch wahre Schätze finden, sind die anderen froh, Ballast los zu werden. So unterschiedlich ist das.

An den Nachbarschulen freuen sich die Kollegien auf die Ferien und den Urlaub. Wir haben aufgrund des Umzugs darum gebeten, in der ersten und den letzten beiden Ferienwochen vor Ort zu sein, um unsere Schule einzurichten, herzurichten und lern- und lebenstauglich zu machen.

Ein Kraftakt für ein wirklich ferienreifes Team und wir sind stolz und froh, so tolle Kolleginnen und Kollegen zu haben, die ohne zu murren Kiste um Kiste packen, stapeln, beschriften und stemmen.

Das alles neben dem Unterrichtsalltag, der gerade zu Schuljahresende meist noch einmal ein richtiger Kraftakt ist. Viele Elterngespräche werden geführt, Buchgeld (Elternanteil) eingesammelt, Instrumente gesucht und manchmal auch wiedergefunden, Hefte verteilt, Abschiedsfeiern gefeiert, gesungen und für Gottesdienst und Feierlichkeiten geprobt.

Es fällt noch schwer, sich vorstellen zu können, dass wir in wenigen Tagen "drüben" sein werden.
Bis dahin könnten die Tage ein paar mehr Stunden haben.
Oder wir wagen auch hier die Entschleunigung. Schaden kann es ja nicht!

Susanne Schäfer 05.07.2016, 17.35 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Abschied und Neubeginn

Die letzten beiden Schulwochen vor den Sommerferien stehen bevor und in unseren vierten Klassen, auch in "meiner", steht der Abschied an.





Während wir unsere Abschiedsnacht am kommenden Freitag - eine Übernachtung im Heu - planen, die Zeugnisse geschrieben werden und der Klassenraum langsam geleert und ausgeräumt wird, verbringe ich gedanklich schon viel Zeit mit meinem neuen ersten Schuljahr.

Ein Abschied, so traurig er sein mag, ist ja auch immer wieder ein Neubeginn und der wiederrum ist sehr spannend.
Da bastle ich zum einen Abschiedsboxen für die Vierer und bin zum anderen damit beschäftigt, Material für die kommende Eins zu sichten, zu sortieren und zu erstellen.

Übermorgen werden die Umzugskisten geliefert, denn der diesjährige Abschied von Jahrgang 4 ist auch der Abschied von unserem alten Standort und Schulgebäude und dementsprechend trubelig werden die kommenden zwei Wochen.

Ich freue mich sehr darüber, dass die Eltern in Eigenregie eine Übernachtung im Heu organisiert haben. Ich war mit vielen Klassen schon sehr häufig auf Preens Hoff und es ist immer wieder ein wunderbares Erlebnis.

Im Klassenrat haben wir besprochen, wie wir die Abschlussfeier gestalten möchten und die Kinder haben einstimmig entschieden: "Wir möchten kein Programm! Wir möchten spielen und toben!"

Wie in meinen anderen Beiträgen geschrieben passt das wunderbar in die Themenfelder "Zeit", "Gelassenheit", "Weniger ist mehr"....
Dennoch schlug mein Herz sofort in die Richtung: "Aber das geht doch nicht, man braucht doch ein Programm!"
Ich dachte darüber nach und kam zu dem Ergebnis: Die Kinder möchten kein Programm. Ich brauche kein Programm, aber ich denke, die Erwartung der Eltern ist, dass wir etwas aufführen etc.
Ich ließ mich also von dem leiten, was ich meinte, was die Eltern dächten oder erwarten würden.
Das ist doch verrückt!

Nach Rücksprache mit zwei engagierten Müttern stellte ich jedoch fest, dass meine Gedanken über elterliche Erwartungen gar nicht immer richtig sind.
Das war ein beruhigender Moment, auch wenn es für mich hieß, dass ich mich geirrt hatte.

Nun fahren wir also in Heu.
Wir werden toben, tollen, Spaß haben.
Wir werden grillen, ein Lagerfeuer machen und es uns gut gehen lassen.
Wir werden nichts auswendig lernen, nichts vorführen, nichts darbieten.
Und dennoch bin ich sicher, wir werden uns lange an diese Abschlussfahrt erinnern.

Susanne Schäfer 25.06.2016, 13.04 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Spieglein, Spieglein an der Wand....

Der zweite Märchen-Montag stand ganz im Zeichen von "Schneewittchen". Die ersten Kinder erkannten das sofort, als ich den alten, silbernen Handspiegel aus der Schatzkiste nahm und auf den Tisch legte, den wir wieder ein klein wenig märchenhaft dekoriert hatten.




Das Märchen war wesentlich anspruchsvoller und länger als "Der Froschkönig", entsprechend häufig mussten wir Pausen beim Vorlesen einlegen, Fragen klären oder noch einmal zusammenfassen, was geschehen war.
So zog sich das Vorlesen fast die ganze erste Schulstunde hin und forderte allen Kindern eine Menge an Konzentration und Selbstdisziplin ab.

Anschließend gab es einige Aufgaben für das Märchenschatzheft, wobei die Kinder hier wieder frei wählen durften und die meisten sich zunächst dem leeren Spiegel widmeten, in den sie nun Schneewittchen zeichneten bzw. hingebungsvoll malten.

Während des Bearbeitens der unterschiedlichen Aufgaben hörten wir uns wieder das passende Hörspiel an. Wie bereits beim "Froschkönig" passte es sehr gut zum Vorlesetext, den ich wieder aus dem Buch "Mein erstes Märchenbuch" entnommen habe. Im Buch fehlte allerdings der Passus mit den glühenden Pantoffeln, den ich aber mit einfügte, damit das Tafelbild und die Arbeitsbögen anschließend passten.

Die zweite Stunde verging mit dem Bearbeiten der unterschiedlichen Arbeitsangebote und die Märchenschatzhefte der Kinder nahmen Form an.
Erstmalig setzte ich auch Arbeitsmappen ein, Fotos davon kann man - wie weitere Bilder - auf der Facebookseite unserer Schule sehen.

Nach der Pause setzten wir den Märchentag dann mit einem 4-Ecken-Gespräch fort.
Das 4-Ecken-Gespräch ist unsere aktuelle Methode des Monats und die Kinder durften sich heute entscheiden, in welche Märchenfigur sie unser magischer Spiegel verwandelt sollte.
In den einzelnen Ecken sollten die Kinder sich dann dazu austauschen, warum sie genau diese Figur gewählt haben.
Zur Auswahl standen: "der Prinz", "Schneewittchen", "die Stiefmutter" und ein "Zwerg".

Alle Ecken füllten sich rasch und die Kinder diskutierten eifrig. Sie zeigten sich erstaunt darüber, dass die Beweggründe der anderen Kinder, sich in dieses oder jenes Wesen zu verwandeln sehr unterschiedlich waren und nicht immer ihren eigenen Beweggründen entsprachen.

Ich hätte an dieser Stelle gerne den weiteren Austausch über Eckenwechsel angeregt, so dass Kinder, die unterschiedliche Wesen hätten sein wollen, miteinander ins Gespräch gekommen wären, aber mir erschien die Klasse schon zu unruhig und so sammelten wir uns wieder im Kreis.

Zwei Kinder baten darum, wie am letzten Märchen-Montag, das Märchen mit eigenen Worten nacherzählen zu dürfen. Dazu nutzten sie das Tafelbild und es war erstaunlich, welche Details sich die Kinder gemerkt hatten.

Anschließend erfolgten noch einmal sehr kurze szenische Spiele mit den passenden Fingerpuppen und wir übten dabei vor allem das laute und deutliche Sprechen, das nicht von Anfang an klappte.

In der abschließenden Reflexionsrunde gingen wir gezielt auf das 4-Ecken-Gespräch ein und ein Kind bemängelte, dass einige Kinder versucht hätten lieber über etwas anderes zu reden - beispielsweise über Pokémonkarten - als sich über das Vorgegebene auszutauschen.
Die Zeit war leider zu knapp, um angemessene Lösungsstrategien zu entwickeln.

Alles in allem war die ganze Klasse in ihrer Vielfältigkeit wieder sehr motiviert dabei. Das Mandala, das ich eigens für die Kinder als Zusatzangebot ausgedruckt hatte, fand ich mittags im Bürodrucker wieder und hatte es gänzlich vergessen.
Nicht, dass es gefehlt hätte....

Es gab reichlich zu arbeiten, zu gestalten und zu erzählen.
Auch der zweite Märchen-Montag verlief sehr positiv und macht Lust auf den nächsten Montag.
Und der kommt bestimmt!

Susanne Schäfer 00.00.0000, 00.00 | (0/0) Kommentare | PL

Shoutbox

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Anne
Liebe Susanne, erst einmal ein großes Lob für die vielen liebevoll gestalteten Dinge. Ich möchte im neuen Schuljahr auch eine Eisbärenklasse starten. Gibt es schon Schilder für die Tafel mit den Unterrichtsstunden? LG
21.5.2017-17:17
Melanie
Liebe Susanne,
vielen Dank für deine tollen Texte, darin kann man sich wirklich stundenlang verlieren!
Am Schuljahresanfang hattest du Auf- und Einräumbilder deines Klassenraumes gepostet, mich würde mal interessieren, wie es jetzt so bei dir aussieht, nachdem darin schon eine ganze Weile gelebt wird.
Es grüßt dich ganz herzlich,
Melanie
14.5.2017-19:18
Pepe
Weil nicht sein darf, was nicht sein soll! Mutige, offene Worte. Vielen Dank dafür, Susanne. Genau so sieht es aus.
23.2.2017-16:37
Melli
Liebe Susanne, ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, um dir ganz ganz herzlich für die tolle Idee und natürlich deine süßen Materialien zum Märchentag zu danken. Wir begehen seither den "Märchenfreitag" (stundenplanbedingt) und meine Erstklässler lieben es! Gerade für meine sehr spracharmen Kinder ist es eine tolle Möglichkeit, den Wortschatz zu erweitern und sie zum Sprechen und Erzählen anzuregen. Und ähnlich wie du habe auch ich einen ungemeinen Spaß daran, jede Woche ein neues Märchen vorzubereiten und mal keine Buchstabeneinführung ö.ä. zu machen. Also lieben, lieben Dank!!!
18.2.2017-11:02
Angelika
"Menschen" wie "immer wieder" sollte man einfach ignorieren, Ernst nehmen kann man das nicht. Peinlich trifft es auch ganz gut.
15.1.2017-17:32
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Liebe Susanne,erst heute habe ich Deinen Eint
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Liebe SusanneIch bin bereits bei dir auf dem
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